Interview mit Werner Hoyer "75 Milliarden Euro für den Mittelstand"

Werner Hoyer ist Präsident der Europäischen Investitionsbank (EIB). Mit der DHZ sprach er über Jugendarbeitslosigkeit, energetische Gebäudesanierung und das gigantische Investitionspaket der EU, das er umsetzen soll.

Hajo Friedrich

Werner Hoyer. - © Hoslet/EPA/pa

DHZ: Herr Hoyer, früher hat die EIB große Infrastrukturvorhaben finanziert, mit Ihrem Amtsantritt wurden die Klein- und Mittelbetriebe sowie der Kampf gegen Jugendarbeitslosigkeit zu Schwerpunkten erklärt. Was können Sie hier leisten, was andere nicht hinbekommen?

Hoyer: Es ist richtig, die EU-Bank hat ursprünglich hauptsächlich große Infrastrukturprojekte finanziert. Mit der Krise in Europa hat sie aber die Mittelvergabe an kleine und mittlere Betriebe spürbar hochgefahren. Allein 2014 vergab die EIB Kredite über 25,5 Milliarden Euro an den Mittelstand, vor allem an Betriebe im Süden, aber auch im Norden Europas. Denn nach wie vor haben kleine und mittlere Unternehmen Schwierigkeiten, an Darlehen zu kommen – in Deutschland und in den Niederlanden ganz besonders, wenn es um die Förderung von Innovationsprojekten geht. Nehmen wir die beiden vergangenen Jahre zusammen, dann beläuft sich das Kreditvolumen auf mehr als 50 Milliarden Euro, die an über 500.000 Betriebe mit mehr als sechs Millionen Beschäftigten gingen.

Mit unkonventionellen Wegen die Jugendarbeitslosigkeit bekämpfen

DHZ: Und was können Sie gegen Jugendarbeitslosigkeit machen?

Hoyer: Auch für mehr Beschäftigung unter Jugendlichen ist die Bank eher untypische Wege gegangen. Im Juli 2013 hat sie mit „Qualifikation und Beschäftigung – Investition in die Jugend“ ein eigenes Programm aufgelegt, um den europäischen Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit zu unterstützen. Es richtet sich auch an Unternehmen, die Jugendliche ausbilden und beschäftigen. Es war zunächst mit einem Darlehensvolumen von sechs Milliarden Euro für 2013 vorgesehen, am Ende wurden es 9,1 Milliarden Euro, im vergangenen Jahr sogar 13 Milliarden Euro. Darauf bin ich sehr stolz. Es zeigt aber auch, dass es eine enorme Nachfrage gibt, auch mit unkonventionellen Wegen die Jugendarbeitslosigkeit zu bekämpfen.

DHZ: Welchen Nutzwert hat die von Ihnen geleitete "EU-Hausbank" für das deutsche Handwerk?

Hoyer: Die EIB sieht kleine und mittlere Unternehmen – kurz KMU – als treibende Kraft für Innovationen und Beschäftigung, das gilt besonders für Deutschland. Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft, aber auch der anderer EU-Länder, wird entscheidend von ihren Investitionen bestimmt. Deshalb spielen KMU auch in der Investitionsoffensive, die wir mit der EU-Kommission aktuell umsetzen, eine so große Rolle. Von den 315 Milliarden Euro, die wir mit einem neuen "Europäischen Fonds für Strategische Investitionen", kurz EFSI, mobilisieren wollen, werden mindestens 75 Milliarden Euro an den Mittelstand gehen.

"Wir haben es mit einem besonderen Marktversagen zu tun."

DHZ: Welchen Beitrag kann die EIB leisten, das enorme Potenzial der Energieeffizienz zu nutzen, zum Beispiel der energetischen Sanierung von Gebäuden?

Hoyer: Die EIB hat sich einer sicheren, wettbewerbsfähigen und nachhaltigen Energieversorgung verschrieben. Die Bank setzt stark auf regenerative Energien. In Deutschland ist sie neben der KfW der größte Finanzier der Offshore-Windparks. Einen zentralen Beitrag zum Klimaschutz sehen wir auch in der Verbesserung der Energieeffizienz, etwa mit der energetischen Sanierung von Gebäuden, wo in Deutschland natürlich die KfW und die regionalen Förderbanken stark engagiert sind.

DHZ: Was bringt den Betrieben der Juncker-Plan zur Investitionsförderung, für den auch Sie und Ihre Bank sich mit Elan einsetzen?

Hoyer: Der Juncker-Plan spielt eine wichtige Rolle, um den Aufschwung in Europa zu flankieren und gleichzeitig die Wirtschaft wettbewerbsfähiger zu machen. Der neue Fonds EFSI, der bei der EIB angesiedelt ist, gibt der Bank ein Instrument an die Hand, um zusätzliche Investitionen in der Realwirtschaft zu realisieren. Mit EFSI kann die EIB mehr Risiken übernehmen, ohne ihr Geschäftsmodell zu verändern, das auf Solidität und Vertrauen der Investoren basiert. Der Grund für die stärkere Risikoübernahme der EIB ist, dass wir es aktuell mit einem besonderen Marktversagen zu tun haben. Trotz niedriger Zinsen, reichlicher Liquidität und zahlreicher Projekte sind Investoren und Unternehmen nicht in der Lage, diese Investitionen alleine zu finanzieren, weil ihre Risikotragfähigkeit sowie die des Bankensektors noch immer beeinträchtigt ist.

DHZ: Auf den europäischen Finanzmärkten gibt es scheinbar genug Geld. Warum kommen dann vor allem südeuropäische Unternehmen seit Jahren nicht aus der Kreditklemme?

Hoyer: Das hat verschiedene Gründe, wie etwa die striktere Bankenregulierung, die höhere Kapitalauflagen für Banken als Reaktion auf die Krise vorsieht. Gerade deshalb starten wir aber die Investitionsoffensive in Europa. Denn die Finanzierungsengpässe treffen sämtliche Betriebe, auch solche, die mit guten, wettbewerbsfähigen Produkten am Markt sind. Darüber hinaus bauen wir, zusammen mit der Europäischen Kommission, einen europaweiten Beratungsservice auf, um Projekte professioneller strukturieren zu können, damit die Investoren einsteigen. Sollten im Zusammenhang mit EFSI und dem Beratungsdienst Fragen bestehen, sind meine Mitarbeiter gerne bereit, diese zu beantworten. Dies ist mit einer einfachen E-Mail an info@eib.org oder info@eif.org möglich.