65-Jahre-Jubiläum Ein Spiegel des Handwerks: Die Deutsche Handwerks Zeitung

Am 1. Februar 1949 - vor 65 Jahren – brachte der Bayerische Handwerkstag in der Erstausgabe der "Bayerischen Handwerker-Zeitung" ein flammendes Plädoyer: Man könne den Kampf um die Erhaltung des Berufsstands nur erfolgreich bestehen, "wenn wir nicht alle einzeln, sondern mit geschlossener Kraft auftreten". Heute ist die "Deutsche Handwerks Zeitung" die größte ihres Genres – und Sprachrohr des Handwerks.

Burkhard Riering

Die DHZ - von 1949 bis heute. - © Foto: Uli Steudel

Dieser Anfang war ein Kraftakt. An Startschwierigkeiten hat es den Gründervätern der "Bayerischen Handwerker-Zeitung" gewiss nicht gefehlt. Es ist der 1. Februar 1949, als inmitten der schwierigen Nachkriegszeit die erste Nummer der neuen Zeitung erscheint. Die große Überschrift auf der Titelseite lautet: "Glückhafter Start!"

Glücklich sind die Herausgeber deshalb, weil sie den widrigen Umständen der damaligen Zeit trotzen. Die Zeitung kann nur "nach Überwindung größter Schwierigkeiten" herausgebracht werden, wie die Präsidenten der bayerischen Handwerkskammern und der Vorsitzende der Innungsverbände gleich auf der Titelseite schreiben. "Gerade in einer Zeit, in der von den Besatzungsmächten und oft auch vom Staate nicht immer genügend Verständnis für das Handwerk aufgebracht wird, (...) ist es von größter politischer und wirtschaftlicher Bedeutung, daß auch das Handwerk ein eigenes Publikationsorgan besitzt, das seine Interessen vertritt." Bei dieser Bedeutung ist es bis heute geblieben.

Die BHZ-Titelseite der ersten Ausgabe. - © Foto: DHZ

Was Herausgeber und der zuständige Holzmann-Verlag damals noch nicht wissen können: Aus dem schmalen achtseitigen Blatt ohne Fotos wird einmal Europas größte Handwerkerzeitung werden: die "Deutsche Handwerks Zeitung".

Mit einer Auflage von 480.000 verkauften Exemplaren erreicht das Blatt heute im Schnitt jeden zweiten Handwerksbetrieb in Deutschland. Herausgegeben wird die "DHZ" von 23 Handwerkskammern und dem Baden-Württembergischen Handwerkstag als deren offizielles Mitteilungsorgan. Sie ist auch das amtliche Bekanntmachungsblatt der Internationalen Handwerksmesse und der Gesellschaft für Handwerksausstellungen und -messen mbH München (GHM).

Dahinter steht das Bad Wörishofener Verlagshaus Holzmann Medien. Verlagsgründer Hans Holzmann (gest. 1961) hatte sich bereits mit Handwerksblättern einen Namen gemacht, als er nach dem Krieg das Mandat für das bayerische Mitteilungsorgan erhielt. Mit einem Preis von 1,40 Mark pro Monat bei wöchentlicher Erscheinungsweise ging die "BHZ" vor genau 65 Jahren an den Start.

Dauerbrenner Bürokratie

An Themen hat es von Anfang nicht gemangelt. Die ersten Ausgaben zeugen von dem vielen Zwist mit der Besatzungsmacht und von der allgemein unsicheren Lage in Deutschland, aber auch von den Chancen des Marshall-Plans und dem Wiederaufbau. Alles ist noch neu nach dem Krieg, vieles muss sich noch finden. Die Bundesrepublik gibt es noch nicht.

Interessant ist, dass einige Themen immer bleiben, immer aktuell sind. Schon in der ersten Ausgabe finden "Steuerschraube" und "Bürokratie" breite Erwähnung - Themen, die bis heute im Grunde in keiner Ausgabe fehlen dürfen.

Die Zeitung kämpft Anfang der 50er Jahre gegen die amerikanische Militärregierung für eine deutsche Handwerksordnung. Die Besatzungsmacht will die totale Gewerbefreiheit, die Deutschen dagegen ein Qualitätshandwerk. 1953 wird die Handwerksordnung Fakt und die "BHZ" feiert diesen Erfolg in den Nummern 14 und 18. Seitdem verteidigt das Handwerk immerzu den Großen Befähigungsnachweis.

1957 wird aus der „Bayerischen Handwerker-Zeitung“ die „Bayerische Handwerks Zeitung“, eine kosmetische Korrektur.

Aus "BHZ" wird die "DHZ"

1970 steht dann aber eine größere Veränderung an. Die „Bayerische Handwerks Zeitung“ wird am 27. April 1970 zur „Deutschen Handwerks Zeitung“. Zunächst kommen die Kammern in Hessen hinzu, 1974 Baden-Württemberg und 1976 Bremen. Schließlich auch für einige Jahre Hamburg, Schleswig-Holstein und Berlin. Peter Holzmann, Verleger in zweiter Generation, treibt die Expansion voran.

DHZ-Titelseite 1970. - © Foto: DHZ

Gleich in der ersten Ausgabe der "DHZ" geht es zur Sache. Im Leitartikel "Vom Kindergarten bis zur Hochschule" wird die deutsche Bildungspolitik auseinandergenommen. Ein weiser Leitartikel, der sich mit der blinden Gläubigkeit der deutschen Politik an eine zunehmende Akademisierung befasst.

Die Mauer fällt. Nach der Öffnung der innerdeutschen Grenzen 1989 feiern auch die Kammern von West und Ost Wiedervereinigung. Es kommt zum raschen Gründungsboom von Handwerksbetrieben in den neuen Bundesländern. 1990 treten die Handwerkskammern der südlichen Länder in der ehemaligen DDR der "Deutschen Handwerks Zeitung" bei: Sachsen (Chemnitz und Dresden), Sachsen-Anhalt (Halle) und Thüringen. Die "DHZ" wird zur auflagenstärksten Wirtschaftszeitung Deutschlands.

Das föderale Prinzip wird dabei stets beibehalten: Jede Handwerkskammer liefert Nachrichten, Reportagen und Bilder für ihren Regionalteil. Die Nähe zum Handwerk zählt.

Einige Bekannte haben im Laufe der Jahrzehnte bei der Zeitung gelernt und gearbeitet: Der Publizist Manfred Bissinger, Jahrgang 1940, einst Chefredakteur von "Die Woche", begann seine Laufbahn bei der "Bayerischen Handwerker-Zeitung". Der CSU-Politiker Franz Josef Pschierer, heute Staatssekretär im bayerischen Wirtschaftsministerium, ist Anfang der 90er Jahre stellvertretender Chefredakteur der "DHZ". Hanns Schwindt, erst maßgebender Mann in der Abteilung Handwerk des bayerischen Wirtschaftsministeriums, war lange Zeit Chefredakteur. Alle Chefredakteure und Vize-Chefredakteure haben die Zeitung geprägt und weiter entwickelt.

"Flaggschiff der Handwerkspresse"

1999 wird die "DHZ" 50 Jahre alt. Der damalige ZDH-Präsident Dieter Philipp bezeichnet die Zeitung als das "Flaggschiff der Handwerkspresse". Philipp: "Wir können nur hoffen, dass uns das Sprachrohr 'Deutsche Handwerks Zeitung' auch in Zukunft in so kompetent-konsequenter Weise zur Verfügung steht."

Zum Konzept der Zeitung gehört es von Anfang an, nicht nur offizielle Mitteilungen aus den Kammern abzudrucken. Ein Schwerpunkt der "DHZ" liegt auf der Nutzwertinformation für den Unternehmer, um seinen Betrieb optimal führen zu können. Heute werden Unternehmer und Handwerksmeister in Rubriken wie Recht und Steuern, Betriebswirtschaft, Technik und Branche beraten. Specials zu wirtschafts- und finanzpolitischen Brennpunkten runden das Bild ab.

Im DHZ-Gespräch: Ex-Vizekanzler Philipp Rösler und DHZ-Chefredakteur Burkhard Riering. - © Foto: Marc Darchinger

Politik wird immer wichtiger

Politik wird fürs Handwerk immer wichtiger - auch mit Blick auf Brüssel. So trägt die "DHZ" in politischen Belangen zur Meinungsbildung bei und ist Sprachrohr des Handwerks. Korrespondenten in Brüssel und Berlin erhöhen den Aktionsradius der Zeitung und informieren die Leser über mittelstandsrelevante Entwicklungen.

Regelmäßig kommen Entscheider aus Politik und Wirtschaft in Interviews und Analysen zu Wort und stellen sich den Fragen des Handwerks. Die "DHZ" ist damit auch die meistzitierte Handwerkszeitung Deutschlands. Politiker lesen die "DHZ", um zu wissen, wie das Handwerk tickt. Jeder Bundestagsabgeordnete und die Landtagsabgeordneten in vielen Bundesländern bekommen die DHZ sowie alle Entscheider aus Verbänden, Innungen und Kammern.

Neue Medien als Chance

Mit dem Internet und den digitalen Medien haben sich ganz neue Chancen aufgetan, wie sich Handwerker schnell über alles Wichtige informieren können. Seit 15 Jahren hat die "DHZ" bereits einen Online-Auftritt. Inzwischen ist mit Alexander Holzmann die dritte Verleger-Generation an Bord.

Die Webseite www.deutsche-handwerks-zeitung.de erreicht heute fast 200.000 Besucher und hat knapp 400.000 Seitenaufrufe pro Monat (IVW 12/2013).

In dem Online-Auftritt erfahren Unternehmer tagesaktuell alles, was für das Führen eines Betriebs wichtig ist: Steuern, neue Gesetze, Personal, Betrieb, zudem Testberichte und Buntes aus dem Handwerk. Relevante tagesaktuelle Entwicklungen erhalten die User auch als Newsletter unter dhz.net/dhzaktuell.

Die DHZ gibt es auch digital für Smartphones und Tablets. - © DHZ

Seit September 2013 ist die "DHZ" außerdem mit ihrer digitalen Applikation für mobile Geräte am Markt. Die App hat viele Extras wie Bildergalerien, Videos oder weiterführende Verlinkungen. Mit dem digitalen Archiv haben die Leser eine Möglichkeit, "ihre" Themen per Merkliste zu sortieren und zu archivieren. "DHZ"-Kammermitglieder und bestehende Abonnenten erhalten die Ausgabe für die mobilen Endgeräte kostenfrei.

In der Jubiläumsbeilage zum 50. Geburtstag 1999 haben die Redakteure einmal beschrieben, wie sie die Zeitung "machen". Dass ihre Zeitung mehr ist, als bloß ein paar Artikel zusammenzuschreiben - und sie ziehen dafür einen Vergleich mit dem Bäckerhandwerk heran: "Der Frühstückssemmel ist nicht anzusehen, daß der Teig gewalkt, der Rohling geformt, gemehlt und auf dem Blech in den Ofen geschoben wurde, um als duftendes und würziges Schmankerl auf unseren Teller zu gelangen." So soll es weiter schmecken.