Studie von BauInfoConsult 6 Megatrends am Bau bis 2035

Die nächsten zehn Jahre dürften von tiefgreifenden Veränderungen in der Bauwirtschaft geprägt sein. Von KI bis Bürokratieabbau – sechs zentrale Themen werden über Erfolg oder Misserfolg der Transformation entscheiden. Darauf sollten sich Betriebe einstellen.

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Robotik und KI digitalisieren die Baustelle. - © Саша Федюк/stock.adobe.com

Während die aktuelle Konjunktur stottert, zeichnen sich am Horizont gewaltige Umwälzungen ab, die weit über das Tagesgeschäft hinausgehen. Eine aktuelle Studie der Marktforscher von BauInfoConsult identifiziert sechs Megatrends, die bis zum Jahr 2035 über Erfolg oder Misserfolg entscheiden könnten: vom demografischen Wandel über die Klimawende bis zur KI-Revolution.

Der Bausektor agiert derzeit in einem Paradoxon: Der Bedarf an Wohnraum, Infrastruktursanierung und klimaneutralem Umbau ist riesig, doch die Rahmenbedingungen bremsen die Umsetzung. Die Produktivität stagniert, Fachkräfte fehlen und die Investitionsbereitschaft ist verhalten. Die Studie zeigt auf, dass sich die Branche wandeln muss. Echte Chancen bieten sich vor allem durch die Umstellung auf innovative Bauansätze und die Bereitschaft zu einer grundlegenden digitalen Transformation.

Hightech und Spezialisten prägen Baubranche

Das Jahr 2035 zeichnet dabei das Bild einer zunehmend zweigeteilten Branche. Auf der einen Seite stehen hochtechnisierte Systemanbieter und Generalunternehmer, die mit Robotik, KI und serieller Vorfertigung effizient bauen und so dem Personalmangel durch Automatisierung begegnen. Auf der anderen Seite stehen spezialisierte Handwerksbetriebe. Für die klassische "Mitte" werden die nächsten Jahre herausfordernder.

Die Zukunft liegt für viele Betriebe entweder in der Besetzung lukrativer Nischen – etwa im Bereich des zirkulären Bauens (Urban Mining) – oder im Zusammenschluss zu regionalen Clustern. In solchen festen Bauteams können lokale Handwerksbetriebe ihre Flexibilität nutzen und auch komplexe Projekte kooperativ stemmen. Wer jetzt die Weichen in Richtung Nachhaltigkeit und Prozessoptimierung stellt, sichert laut den Analysten seinen Platz in der Bauwirtschaft.

Digitalisierung: KI und Automatisierung im Fokus

Die Digitalisierung ist kein rein technisches Thema mehr, sondern eine Überlebensfrage. Wenn Personal fehlt, müssen Maschinen und Algorithmen übernehmen. Die Studie identifiziert KI und Automatisierung als zwei entscheidende Hebel, um den drohenden ­Kollaps durch Fachkräftemangel abzuwenden. KI-basierte administrative Prozesse werden die Verwaltung entlasten, während auf der Baustelle Robotik und serielle Vorfertigung Einzug halten.

Besonders das serielle und modulare Bauen wird durch die Vereinfachung von Typenbaugenehmigungen massiv an Fahrt gewinnen. Für das Handwerk bedeutet das: Weg vom Unikat, hin zum System. Wer sich nicht digitalisiert, verliert den Anschluss an die Logistikketten der Zukunft. Start-ups und große Baukonzerne drängen bereits mit schlüsselfertigen, digitalen Lösungen in den Markt, die Produktivitätsgewinne versprechen, bei denen sich das klassische Handwerk nicht abhängen lassen darf.

Infrastruktur: Transformation im Netzwerk

Die ökonomischen Rahmenbedingungen erzwingen eine Neuordnung der Marktstrukturen. Die Experten von BauInfoConsult rechnen mit spürbaren Konzentrationsprozessen. Das "dünne obere Ende" der Bauindustrie wird wachsen, während der klassische Mittelstand (Betriebe mit 20 bis 199 Beschäftigten) zunehmend unter Druck geraten könnte. Die Gründe liegen in der Komplexität der Aufgaben: Die Transformation der Infrastruktur erfordert Investitionen in Digitalisierung und neue Verfahren, die kleine Einheiten kaum stemmen können.

Es droht eine Marktbereinigung, bei der viele Betriebe aufgeben oder fusionieren müssen. Doch es gibt einen Ausweg für den Mittelstand: Kooperation. Die Studie sieht die Zukunft in regionalen Netzwerken, in denen Planung, Handwerk und Rohstofflieferanten engmaschig zusammenarbeiten. Statt als Einzelkämpfer agieren lokale Champions in festen Bauteams, um logistische Synergien zu nutzen und Großprojekte künftig gemeinsam deutlich effizienter abzuwickeln.

Politik: Bürokratieabbau als Hoffnungsträger

Jede technische und gesellschaftliche Vision steht und fällt mit den politischen Rahmenbedingungen. Der Ruf nach Bürokratieabbau ist laut und wird bis 2035 nicht verhallen. Die Studie skizziert ein Szenario, in dem bürokratische Hürden tatsächlich fallen müssen, um die Transformation nicht zu ersticken.

Die Hoffnung liegt auch auf einer Verschiebung hin zu CO₂-Budgets statt kleinteiliger Regulierung und auf mehr Entscheidungsspielraum in den Behörden. Doch die Gefahr bleibt: Transformationsprozesse sind oft selbst bürokratisch und träge. Entscheidend wird sein, ob Politik und Verwaltung den Mut finden, Regulierung konsequent zu vereinfachen und Verantwortung stärker vor Ort zu verankern. Gelingt der Abbau nicht, droht eine Bauflaute trotz Baubedarf zum Dauerzustand zu werden.

Klimawandel: Nachhaltige Kreislaufwirtschaft

Der ökologische Umbau ist der wohl mächtigste Treiber bis 2035. Die Experten werten derzeitige Widerstände gegen Nachhaltigkeitsvorgaben lediglich als "Rückzugsgefechte". Langfristig führt kein Weg an der zirkularen Bauwirtschaft vorbei. Urban Mining – die Nutzung der Stadt als Rohstofflager – könnte zur Norm werden. Die Baustoffindustrie verändert ihre Prozesse, um Sekundärrohstoffe zu integrieren und sich unabhängiger von volatilen Rohstoffmärkten zu machen.

Für Handwerksbetriebe bietet dies eine Chance zur Spezialisierung: Wer den Rückbau und die Wiederaufbereitung von Materialien beherrscht, besetzt eine lukrative Nische. Sanierung im Bestand wird wichtiger als der Neubau, wobei Gebäudesensorik hilft, Effizienz und Klimaschutz zu vereinen.

Demografie: Barrierefreies Bauen

Der demografische Wandel ist längst keine abstrakte statistische Größe mehr, sondern eine bauliche Realität. Bis 2035 wird die Alterung der Gesellschaft weit fortgeschritten sein, auch wenn die Bevölkerungsgröße insgesamt voraussichtlich konstant bleibt. Dies hat zweierlei Auswirkungen.

Zum einen verändert sich die Nachfragestruktur radikal. Der Bedarf an altersgerechtem Wohnraum wächst exponentiell. Barrierefreies Bauen entwickelt sich von einer Nische zum Standard, insbesondere im Sanierungsbereich. Schwellenlose Übergänge, breitere Türen und smarte Assistenzsysteme werden zur Pflichtkür im Bestand.

Zum anderen trifft der Wandel die Bauunternehmen selbst ins Mark: Die Belegschaften überaltern, der Fachkräftemangel verschärft sich dramatisch. Die Studie prognostiziert, dass der Mangel an menschlicher Arbeitskraft nur durch zwei Faktoren kompensiert werden kann: Zuwanderung und technologische Unterstützung. Wer nicht automatisiert, wird schlicht niemanden mehr haben, der die Arbeit für das Unternehmen erledigt.

Individualisierung: Neue Wohnraumkonzepte gefragt

Die Gesellschaft differenziert sich aus, und mit ihr die Ansprüche an das Wohnen. Die klassische "3-Zimmer-Küche-Bad"-Lösung passt nicht für alle Lebensentwürfe. Die Individualisierung kollidiert dabei zunehmend mit den Klimaschutzanforderungen und der Flächenknappheit in Ballungsräumen. Bis 2035 müssen neue Wohnraumkonzepte diese Lücke schließen. Modulares Bauen wird eine Schlüsselrolle spielen, da es flexible Grundrisse ermöglicht, die sich an wechselnde Lebensphasen anpassen lassen.

Gleichzeitig verschärft sich die Diskrepanz zwischen angespannten urbanen Zentren und dem abgehängten ländlichen Raum. Die niedrige öffentliche und private Baubereitschaft trifft auf gestiegene Anspruchshaltungen. Die Lösung könnte in einer Entpolarisierung der Gebäudeenergiepolitik und in Konzepten wie Co-Living oder Mikroapartments liegen, die weniger Fläche benötigen.

Die ausführliche Studie "Megatrends am Bau 2035", basierend auf Experteninterviews und einer Befragung von 1.500 Marktakteuren, kann bei BauInfoConsult für 1.250 Euro zzgl. MwSt. bestellt werden