Wettbewerb 6 Ideen fürs Handwerk: Die Finalisten von "Der Pitch im Handwerk"

Wie kann ein Betrieb im Zuge der Nachfolge modernisiert werden, ohne seine Wurzeln zu kappen? Wie hilft ein Roboter im Büro? Beim Wettbewerb "Der Pitch im Handwerk" präsentieren Betriebe konkrete Antworten auf diese Fragen. Die sechs Finalisten im Kurzporträt.

Rückblick: Im vergangenen Jahr entschied die Jury (von links) mit Christian Würth, Katja Lilu Melder, Dagmar Wöhrl, Jörg Dittrich sowie Franz Xaver Peteranderl über die besten Ideen. - © GHM

Praxistaugliche Lösungen für den Betriebsalltag stehen im Mittelpunkt, wenn am 4. März 2026 der Wettbewerb "Der Pitch im Handwerk" in die entscheidende Runde geht. Auf dem Kongress "Zukunft Handwerk" im ICM München stellen sich sechs Finalisten dem Urteil einer Fachjury und des Publikums. Der Wettbewerb sucht gezielt nach Ideen, die aktuelle Herausforderungen wie Unternehmensführung, den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) und Personalmangel lösen.

Den Gewinnern winken Preisgelder in Höhe von insgesamt 5.000 Euro, die der Verein zur Förderung des Handwerks bereitstellt. Davon entfallen 4.000 Euro auf den Jurypreis und 1.000 Euro auf den Publikumspreis. Die Entscheidung fällt vor Ort auf der Bühne der IKK classic.

Die 6 Finalisten im Kurzporträt

Diese Konzepte haben sich in der Online-Abstimmung durchgesetzt:

Der sanfte Generationswechsel

Jacob Lebensräume aus Enkenbach-Alsenborn

Jan-Philipp Jacob-Pallmann zeigt, wie eine Unternehmensnachfolge gelingt, ohne die Stammkundschaft zu verschrecken. Sein Ansatz "Keine Zukunft ohne Herkunft" verzichtet auf einen radikalen Neuanfang. Stattdessen nutzt er gezielte Design-Anpassungen bei Farben und im Auftritt. Der Familienname bleibt als vertrauter Kern erhalten, während die neue Optik den frischen Wind des Nachfolgers signalisiert. So wird der Betrieb modernisiert, ohne seine Wurzeln zu kappen.

Meister fit für BIM machen

MagiCAD aus Cottbus

Zwischen der digitalen Planung am Computer und der realen Baustelle klafft oft eine Lücke. Daniel Zischler will diese mit einem speziellen Weiterbildungsprogramm schließen. Sein Ziel ist die "Meisterqualifikation für die digitale Baustelle". Er schult Handwerksmeister und erfahrene Fachkräfte im Umgang mit Building Information Modeling (BIM). Diese Fachkräfte fungieren dann als Übersetzer zwischen Planung und Ausführung.

Digitaler Kompetenz-Pass

WERKCampus aus Kollmar/Elbe

Sascha Lentfer will mit seinem Start-up WERKCampus Qualifikationen im Handwerk transparent machen. Mithilfe einer App und eines Dashboards werden Kompetenzen erfasst; der WERKScore bündelt diese Angaben. Daraus entsteht ein fälschungssicheres Kompetenzprofil. Das System soll Betrieben bei der Einordnung von Bewerbern helfen und Fachkräften einen Nachweis ihres Könnens liefern.

Der Roboter übernimmt die Büroarbeit

Dietenmeier+Harsch aus Konstanz

Lukas Kopp und Thomas Dietenmeier setzen auf den "digitalen Mitarbeiter". Sie nutzen eine Software-Technologie namens Robotic Process Automation (RPA), um wiederkehrende Verwaltungsprozesse zu automatisieren. Der Computer übernimmt Aufgaben wie die Materialbeschaffung eigenständig. Das entlastet das menschliche Team von Routinearbeiten und steigert die Wirtschaftlichkeit des Betriebs.

Azubi-Fang per Chatbot

Kreishandwerkerschaft Oldenburg

Die Kreishandwerkerschaft Oldenburg tritt mit dem Projekt "AzubiConnect" an. Die 18 Innungen nutzen ein digitales System, um Nachwuchs zu gewinnen. Ein Chatbot erfasst interessierte Jugendliche in weniger als einer Minute – egal ob der Kontakt online oder offline zustande kam. Die Daten landen automatisch bei den Ausbildungsbetrieben. Das erspart den Firmen aufwendige Akquise und macht den Erfolg von Marketingmaßnahmen messbar.

Markenbildung gegen Fachkräftemangel

Bäckerei Gnauck aus Ottendorf-Okrilla

Bäckermeister Marlon Gnauck beweist, dass auch vermeintlich weniger beliebte Berufe attraktiv sein können. Unter dem Motto "Berufsstolz statt Vorurteil" führte er ein zweites Logo und einen eigenen Slogan exklusiv für sein Team ein. Diese interne Markenbildung stärkte die Identifikation der Mitarbeiter so sehr, dass die Bewerberzahlen stiegen und die Fluktuation sank. fre

Diese Jury entscheidet

Eine vierköpfige Jury aus Wirtschaft und Handwerk bewertet die Ideen beim Finale.

Sara Hofmann, Bundesvorsitzende der Handwerksjunioren

Jörg Dittrich, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH)

Franz Xaver Peteranderl, Präsident der Handwerkskammer München und Oberbayern

Katja Lilu Melder, Bundesvorsitzende der UnternehmerFrauen im Handwerk