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Azubis finden 6 Fehler, die potenzielle Azubis von einer Bewerbung abhalten

Viele Handwerksbetriebe haben Schwierigkeiten ihre Lehrstellen zu besetzen. Schuld daran sind neben dem demografischen Wandel und dem starken Trend zu einem Studium oftmals die Betriebe selbst. Sechs weitverbreitete Fehler, die potenzielle Azubis von einer Bewerbung abhalten.

1. Falsche Ansprache

"Bei der Suche nach Auszubildenden ist besonders die Ansprache wichtig", weiß Jan Kirchner, Geschäftsführer der Wollmilchsau GmbH, die Recruiter mit einer eigenen Personalmarketing-Software bei der Personalgewinnung unterstützt. "Sie sollte nicht langweilig, aber auch nicht zum Fremdschämen hip sein". Wichtig sei es, seine Arbeitgebermarke zu kennen. Dann könne man potenzielle Auszubildende mit Authentizität und Frische erreichen. "Vermeiden Sie abgedroschene Standardsätze und Worthülsen. Gerade im Handwerk erreichen Betriebe mehr, wenn sie durch präzise Aufgabenbeschreibungen, realistische Wochenarbeitszeiten und einen Gehaltsrahmen ersetzt werden", so der Experte.

2. Unsichtbar bei der Zielgruppe

Ein weiterer erfolgskritischer Faktor für Nachwuchsgewinnung sei die Sichtbarkeit der eigenen Stellen in der Zielgruppe. "Wer sich alleine auf eigeninitiativ suchende Azubi-Anwärter fokussiert, verspielt die Chance, auch noch unentschlossene Kandidaten effektiv anzusprechen", warnt Kirchner. Abhilfe schaffe hier eine proaktive Zielgruppenansprache über einen vielfältigen Personalmarketing-Mix und auf die Bedürfnisse der Zielgruppe abgestimmte Stellenanzeigen.

Außerdem ist es von großer Bedeutung, dort präsent zu sein, wo sich auch Schüler und potenzielle Bewerber finden. Die meisten Jugendlichen suchen online nach passenden Karrieremöglichkeiten. "Wer nach passenden Stellenbörsen für seine Ausbildungsberufe sucht, dem seien die Lehrstellenbörse und das Lehrstellen-Radar der Handwerkskammern, sowie die Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit ans Herz gelegt", empfiehlt Jan Kirchner.

3. Langweilige Stellenanzeigen ohne wichtige Informationen

Auch in Sachen Stellenanzeigen gibt es einiges, was Unternehmen falsch machen können. "Häufig sind bereits die Titel der Stellenanzeigen nicht aussagekräftig genug und werden so von potenziellen Kandidaten gar nicht erst gesucht", sagt Jan Kirchner. Bewerber auf Ausbildungsplätze erhoffen sich von Stellenanzeigen in erster Linie Informationen, aber kein langes Anforderungsprofil. "Die Jugendlichen wollen wissen, was sie mit ihrem Abschluss für Möglichkeiten haben, wie die Ausbildung abläuft, eine Beschreibung des Berufs und wie es um die Vergütung steht."

Auch direkte Einblicke ins Unternehmen oder eine Vorstellung der aktuellen Azubis können das Eis brechen. "Wir raten Betrieben, ihre Karriereseite oder Stellenanzeigen dazu zu nutzen, Bewerbern eine Berufsperspektive schmackhaft zu machen – nicht, um sie mit ihren hohen Anforderungen abzuschrecken", empfiehlt Kirchner.

4. Falsche Instrumente im Azubimarketing

Ein zentraler Faktor, der über Erfolg oder Misserfolg bei der Suche nach Auszubildenden entscheidet, ist der Einsatz der Instrumente des Azubimarketings. Kirchner rät vor allem kleineren Betrieben mit einem geringen Budget am Anfang auf schnell umsetzbare Maßnahmen zu setzen, wie zum Beispiel:

  • Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit nutzen
  • Zielgruppenrelevante Hashtags nutzen
  • Online-Werbekampagnen mit kleinem Budget testen (Google, Facebook, Instagram, YouTube, thematisch relevante Webseiten)
  • Autobeschriftung für die Azubisuche (mit Webadresse und Telefonnummer!)

"Es gibt aber natürlich noch viel mehr Möglichkeiten, vor allem auch mit Bewegtbild, zu überzeugen. Inzwischen gibt es Anbieter, bei denen Unternehmen für knappes Budget Videos drehen lassen können, die den Betrieb, die Ausbildung sowie die Azubis realistisch darstellen", so Kirchner.

Gleichzeitig könne man überlegen, ob man angebotene Ausbildungsplätze durch kurze Praktika oder Probetage erlebbarer mache. "Denn nicht jeder Jugendliche weiß von Anfang an, in welche Richtung es gehen soll und ob der Beruf tatsächlich den eigenen Vorstellungen entspricht", gibt Kirchner zu bedenken.

5. Unmodernes Auftreten

"Bei den Recruiting Trends Studien 2017 und 2018 kam unter anderem heraus, dass sich Azubis Ausbildungsbetriebe wünschen, die nicht im letzten Jahrhundert feststecken", sagt Jan Kirchner. Das heiße, dass die Online-Karriereseiten mindestens mobiloptimiert sein sollten und auch E-Learning-Angebote, wie zum Beispiel ein digitales Berichtsheft geschätzt werden.

Übrigens: "Während Werbeanzeigen auf Facebook, Instagram oder YouTube die richtigen Zielgruppen ansprechen können, wird ein zwanghafter Nutzen von sozialen Medien nicht automatisch positiv wahrgenommen", warnt Kirchner.

6. Sich nicht inspirieren lassen

"Gerade im Handwerk gibt es aus der letzten Zeit einige gute Beispiele, wie die Glaserei Sterz, die mit Hilfe eines authentischen Facebook-Videos drei sehr gute Auszubildende gefunden hat. Oder auch die Metzgerei Hack in Freising, die bei der Azubisuche auf eine frische Ansprache mit Humor und Augenzwinkern setzt", so Jan Kirchner. Davon könne man sich inspirieren lassen und vielleicht sogar eine eigene Kampagne planen.

"Um eine solche Kampagne umsetzen zu können, benötigt es aber ein tieferes Verständnis für das Unternehmen: Wer sind wir überhaupt und wo wollen wir hin? Was bieten wir Auszubildenden während der Ausbildung und welche Perspektiven gibt es danach", rät Kirchner. Betriebe müssten sich immer die Frage stellen: Wen spreche ich an, was will diese Zielgruppe und womit hebe ich mich von anderen ab?



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