Brauereitour durch Bayern 500 Jahre Reinheitsgebot: Auf den Spuren des Bieres

Das Reinheitsgebot zum Brauen von Bier wird in diesem Jahr 500 Jahre alt. Selbst die experimentierfreudige Craft-Bier-Szene sieht kaum ein Hindernis darin. Eine Brauereitour quer durch Bayern.

Im Kloster Andechs wird bereits seit 1458 Bier gebraut. - © Falk Heller

Im April 1516 wurde das Bayerische Reinheitsgebot von Herzog Wilhelm IV. verfügt. Noch heute ist es im Prinzip verpflichtend, auch wenn die Hefe für den Brauprozess damals noch nicht entdeckt war. Der Deutsche Brauer-Bund feiert es als "die älteste, noch heute gültige Lebensmittelgesetzgebung der Welt." Wer nicht Malz, Hopfen, Hefe und Wasser verwendet, darf "Bier" nicht auf das Etikett schreiben. Auf den Spuren des Bieres – eine Brauereitour quer durch Bayern.

Klosterbrauerei Andechs – Das Bier der Mönche

Auf eine noch ältere Geschichte als das Reinheitsgebot blickt die Klosterbrauerei Andechs zurück. "Seit 1458 gab es ein Schankrecht für Andechser Bier", sagt Pater Valentin Ziegler, Wirtschaftsleiter des Klosters. Heute laufen Klosterbetrieb und hochautomatisierter Brauprozess parallel, Mönche stehen seit 1983 nicht mehr am Kessel. Ohne die Gewinne der Brauerei, die bis nach Japan liefert, wäre der Klosterbetrieb heutzutage kaum zu finanzieren.

Herr über den Brauprozess in Andechs ist Betriebsleiter Alexander Reiss. "Das Reinheitsgebot ist unantastbar. Das heißt aber nicht, dass wir noch wie vor 500 Jahren brauen", sagt Reiss. Der Braumeister greife nur noch ein, wenn etwas schief läuft. "Über den Rechner, von zu Hause aus, zur Not mitten in der Nacht." Zum großen Jubiläum des Reinheitsgebots haben die Brauer in Andechs erstmals ein alkoholfreies Bier angesetzt. Es ist die erste Innovation seit 19 Jahren.

Craft Bräu: Wiederbelebung einer Dorfbrauerei

Claus Bakenecker und sein Kollege Martin Hug brauen ihr Bier selbst, mittlerweile als kleines Geschäft. Und damit holen die beiden ein Stück Geschichte zurück nach Dießen am Ammersee. 100 Jahre lang gab es keine Brauerei in dem Städtchen. Im Unterbräu wurde 1915 das letzte Bier gebraut. "Als wir 2014 aufgemacht haben, sagten die Leute: Endlich mal wieder eine Brauerei", sagt Bakenecker.

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    Angeblich trinken Männer mehr Bier und Frauen mehr Wein. Sicher ist Bier in erster Linie ein Männergetränk. Allerdings hat das Bundesforschungsministerium herausgefunden, das 48 Prozent der Frauen lieber Bier als Wein trinken.
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    "Bier auf Wein das lass sein": Doch ist das wirklich so? Im Mittelalter symbolisierte der Spruch die sozialen Unterschiede zwischen den einfachen Ständen und dem Adel. Ein Adeliger würde niemals Bier trinken. Das war es aber auch schon. Der Wahrheitsgehalt der Weisung tendiert dabei gen null. Denn: Es kommt immer auf die Menge an, nicht auf die Reihenfolge.
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    Angeblich ist ein Bier erst nach sieben Minuten optimal trinkbar. Stimmt das? Nein, heute nicht mehr. Dank moderner Zapfanlagen ist es möglich ein Bier in zwei, maximal drei Minuten trinkfertig zu haben.
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    Bier hat kaum Nährstoffe: Im Gegenteil. Es enthält jede Menge: Kalzium, Phosphor, Magnesium und Kalium sind im Bier vorhandene Mineralstoffe.
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    Ist dunkles Bier wirklich stärker als Helles? Das kann man so nicht sagen. Zwischen der Farbe und dem Alkoholgehalt besteht nicht zwingend ein Zusammenhang. Die dunklere Farbe kommt dann zustande, wenn Dunkel- oder Röstmalze im Brauprozess verwendet werden. Der Alkoholgehalt ändert sich dadurch nicht.
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    In den letzten zehn Jahren ist die Zahl der Brauereien in Deutschland leicht gestiegen.
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    Bier: kennst du eines, kennst du alle. Weit gefehlt! Der deutsche Biermarkt wird zunehmend vielfältiger und dynamischer. Derzeit gibt es in Deutschland mehr als 5.500 Biermarken – jede Woche kommt ein neues Bier auf den Markt.
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    Der Stammtisch stirbt aus. Das stimmt. Junge Leute, die jeden Tag in die gleiche Kneipe gehen? Das gibt es kaum noch. Bei aller Liebe zum Bier. Die Freizeitgestaltung sieht heutzutage anders aus.
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    Das stärkste Bier Deutschlands wird in Mittelfranken gebraut. Georg "Schorsch" Tscheuschner hat ein Bockbier mit 57 Prozent Alkohol nach dem deutschen Reinheitsgebot hergestellt. Damit stellte der Braumeister 2012 sogar einen Weltrekord auf.
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    Briefmarken zu sammeln war nie etwas für den Amerikaner Ron Werner. Im Alter von 14 Jahren begann er 1982, Bierflaschen aufzuheben. Rund 1.000 neue Flaschen kommen jedes Jahr hinzu. Bis heute hat Werner etwa 26.000 unterschiedliche Flaschen in seinem Besitz und dafür einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde erhalten. Nebenbei sammelt er übrigens auch Bierdosen und Zapfhähne.
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    Franz Stellmaszyk ist Modellbauer aus Leidenschaft und hat mit seinen Miniaturen schon zahlreiche Weltrekorde aufgestellt. Seine Mini-Bierflasche misst lediglich 15,96 Millimeter und ist damit sogar kleiner als ein Cent-Stück. Die filigrane Flasche ist sogar mit einem Bügelverschluss ausgestattet und hat es – wie zwölf andere seiner Miniaturen – ins Guinness-Buch der Rekorde geschafft.
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    Männer mit dickem Bauch trinken dem Klischee nach zu viel Bier. Der direkte Zusammenhang zwischen Biergenuss und Bauch ist allerdings nur ein Mythos. Der Kaloriengehalt im Bier ist niedriger als z.B. in Milch oder Apfelsaft. Wie bei den anderen Getränken führt Bier deshalb nur bei einem übermäßigen Konsum zur Gewichtszunahme. Allerdings regen Alkohol und Bitterstoffe im Bier den Appetit an. In Kombination mit fettigem Essen kann das Bier zumindest den An­stoß zum "Bierbauch" geben.
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    Der stärkste Bierkrugträger der Welt kommt erwartungsgemäß aus Bayern. Oliver Stümpfel hat seinen eigenen Rekord überboten. 27 volle Bier­krüge – ein Gewicht von insgesamt 62 Kilogramm – stemmte er über ­eine Strecke von 40 Metern.
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    Brauen war anfangs Frauensache

    Männer haben nicht nur bei den Biertrinkern, sondern auch unter den Brauern ein klares Übergewicht (rund 94 Prozent). Doch das war nicht immer so. Bei den Germanen fiel das Brauen wie Kochen und Backen in den Bereich der Frau. Und selbst Martin Luther soll von seiner Frau, Ordensschwester Katharina von Bora, das Brauen gelernt haben.
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    Mit fast 83 Millionen Hektolitern wurde in Deutschland 2019 mehr Bier ausgeschenkt als irgendwo sonst in Europa. Spitze war auch die hierzulande produzierte Menge: 91,6 Millionen Hektoliter, von denen knapp 16 Millionen exportiert wurden. Immerhin stammen von den 40 größten Brauereien der Welt acht aus Deutschland. Geht es allerdings um den Konsum pro Kopf, so wendet sich das Blatt: Mit 142 Litern lagen die Tschechen 2019 vor den Österreichern mit 107 Litern. 100 Liter trank im Durchschnitt jeder Deutsche: Rang drei. Weit hinten hingegen rangieren Italiener, Franzosen oder Griechen.
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    Männer mit dickem Bauch trinken dem Klischee nach zu viel Bier. Der direkte Zusammenhang zwischen Biergenuss und Bauch ist allerdings nur ein Mythos. Der Kaloriengehalt im Bier ist niedriger als z.B. in Milch oder Apfelsaft. Wie bei den anderen Getränken führt Bier deshalb nur bei einem übermäßigen Konsum zur Gewichtszunahme. Allerdings regen Alkohol und Bitterstoffe im Bier den Appetit an. In Kombination mit fettigem Essen kann das Bier zumindest den An­stoß zum "Bierbauch" geben.
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    Bier auf dem Mond

    "Das ist ein kleiner Schritt für einen Menschen … ein … riesiger Sprung für die Menschheit." Die Worte von Neil Armstrong bei seiner Landung auf dem Mond sind legendär. Was viele nicht wissen: Armstrong war auch der erste Biertrinker auf dem Mond. Die leere Flasche ist heute in einem Museum ausgestellt.
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    Volksgetränk der Tschechen

    In Tschechien ist Bier das unumstrittene Nationalgetränk. Jeder Tscheche verzehrt laut dem Verband "Brewers of Europe" im Schnitt über 140 Liter Bier im Jahr. Deutschland schafft es mit einem Pro-Kopf-Konsum von 107 Litern auf Platz zwei, dicht gefolgt von den österreichischen Nachbarn. In anderen Ländern hat Bier dagegen einen schweren Stand. Franzosen und Italiener trinken nur knapp 30 Liter im Jahr und geben häufig Rot- und Weißwein den Vorzug.
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    Biersuppe zum Frühstück

    Bier war früher ein beliebtes Frühstück in deutschen ­Familien – auch für Kinder. Allerdings wurde das Bier nicht im Glas, sondern in Form einer warmen Suppe gereicht. Wichtige Zutaten vieler ­Rezepte waren neben dem Bier ein altbackenes Brot und Kümmel. Die aufgekochte Suppe wurde nach Belieben mit Butter, Salz oder Zucker veredelt.

Skepsis war aber auch da. "Craft": Das hörte sich nach amerikanischer Pfuscherei mit zugesetzten Aromen und Konservierungsstoffen an. Als durchdrang, dass Craft Bräu sich an das Reinheitsgebot hält und das Bier schmeckt, war alles geritzt. Dabei empfinden die beiden Gründer das Gebot nicht als Einschränkung: Es gibt Bitter- und Aromahopfen in Dutzenden Sorten, man kann den Sud mit Malz aus vielen Getreidesorten ansetzen, es gibt an die 200 Bierhefesorten.

Experimentierfreudiger Brauer

Experimentierfreudig ist Brauer Markus Hirthammer von der Mittenwalder Privatbrauerei unweit der Zugspitze. Die "höchstgelegene Privatbrauerei Deutschlands" auf 930 Metern will im Jubiläumsjahr des Reinheitsgebotes noch höher hinaus: An der Bergstation des Karwendelmassivs plant man eine Braustätte für Craft-Biere.

Hirthammer steht noch heute im alten Gewölbekeller mit mehreren großen Becken, in denen das Bier gärt und von Schaum bedeckt ist. "Es gibt Braumeister, die sind am Computer fit, haben aber noch nie eine Kräusendecke gesehen." An ihr könne er die Gärung verfolgen und sehen, ob der Sud etwas wird. "Für mich ist es schön, im Keller an den Becken zu stehen", freut sich Hirthammer

Biergenuss wie vor 500 Jahren

Biergenuss wie vor Jahrhunderten möchte der Braumeister Andreas Forstner von Binderbräu in Bad Tölz seinen Gästen zum Jubiläum bieten: Ein Braunbier nach dem Vorbild des ersten Bieres, das Ende des 16. Jahrhunderts im Münchner Hofbräuhaus angesetzt wurde

Ende 2015 startete Binderbräu nach dem Vorbild eines klassischen Brauhauses mit angeschlossener Gastronomie seinen Betrieb und ist aktuell eine von zwei Brauereien in der Stadt. Auch Bad Tölz mit seinen kalten Tuffsteingruften war einst reich an Braustätten, weil man München belieferte, dem es an Lagerkellern fehlte.

Rauchbier aus Bamberg

Noch vor der Einführung des flächendeckenden Reinheitsgebots, hatte Bamberg sein eigenes Reinheitsgebot. Im Jahr 1489 erließ es der Fürstbischof von Bamberg. "Es gab eine Umgeldordnung, die auch eine Verdreifachung der Biersteuer brachte, also gab es das neue Gebot, um zu verhindern, dass die Brauer auf andere Zutaten ausweichen", erklärt Matthias Trum, Geschäftsführer der Schlenkerla Rauchbier-Brauerei. Seine Biere bekommen den typischen Geschmack, weil das Malz in der Rauchmälzerei über offenem Buchenholzfeuer trocknet.

Rauchbier gibt es mittlerweile auch wieder anderenorts. Aber die Bamberger Brauereien Schlenkerla und Spezial sind die einzigen weltweit, die von dieser Art des Bierbrauens nie abgewichen sind. Denn Rauchbiere waren einmal alle Biere, bevor man beim Mälzen des Getreides mit Rauchabzug arbeiten konnte. Auch das Schlenkerla profitiert vom Trend zu spezielleren Bieren. "Die Industriebiere mit ihren Einheitsgeschmäckern verlieren Marktanteile, und die Spezialitätenbrauereien gewinnen hinzu", sagt Trum.

Nur eine Institution stirbt auch in Bayern aus: der Stammtisch. Junge Leute, die jeden Tag in die gleiche Kneipe gehen? Das gibt es kaum noch. Bei aller Liebe zum Bier und zum Reinheitsgebot. dhz/dpa

Auf der Spur des Bieres durch Bayern - Reisetipps

  • Anreise: Kloster Andechs und Bad Tölz sind ab München in je einer Stunde Fahrt gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Nach Mittenwald gibt es eine zweistündige Direktverbindung. Bamberg ist ICE-Haltestelle.
  • Übernachtung: Im Kloster Andechs gibt es einfache Zimmer. In Mittenwald und Bad Tölz stehen zahlreiche Gästehäuser und Hotels zur Verfügung. In Bamberg bietet etwa die Brauerei Fässla (faessla.de) oder die Rauchbier-Brauerei Spezial (brauerei-spezial.de) eine Unterkunft