Internationale Handwerksmesse 50 Jahre Sonderschau Exempla: Wunder kommen wieder

Die Sonderschau "Exempla" ist eine Institution und von der Internationalen Handwerksmesse nicht wegzudenken. In diesem Jahr feiert sie ihr 50. Jubiläum. Ziel der Sonderschau ist es, Spitzenleistungen des Handwerks einen würdigen Rahmen zu bieten.

Millimeterarbeit: Bei Martelleria sind Oldtimer in guten Händen. - © Martelleria

Seit 1970 bereichert die "Exempla" die Internationale Handwerksmesse. Grund genug für die Organisatoren der Sonderschau, noch einmal auf erfolgreiche Themen, interessante Beiträge und herausragende Persönlichkeiten der vergangenen Jahrzehnte zurückzublicken.

Pete Nelson gehört zu den renommiertesten Baumhausbauern der USA, hat dort sogar eine eigene TV-Show. Mit seinem Team entwirft er Baumhäuser für Kunden aus Europa, Japan und den USA. Wichtig ist, dass die kunstvollen Gebäude den Baum nicht beschädigen und trotzdem sicher sitzen.

Besonders eigenen sich dafür Bäume, deren Äste den Fingern einer geöffneten Hand ähneln. Auf der "Exempla" ist ein von Nelson und der Firma Baumbaron GmbH aus Tegernsee entworfenes und dort gefertigtes Baumhaus zu sehen. Baumbaron wurde vor über 14 Jahren von Johannes Schelle, einem Zimmerermeister und Holztechniker, gegründet und ist auf Planung, Konstruktion und Bau von Baumhäusern spezialisiert. Während der Hauptsaison im Sommer beschäftigt Schelle bis zu zehn freiberufliche Mitarbeiter. Rund 200-mal hat der Betrieb die Wünsche seiner Kunden bereits verwirklicht.

Hühner bequem durch die Gegend schieben

Die Schreinerei Sommer aus Breitscheid in Hessen ist vor allem für zeitgemäße Vollholzmöbel jenseits modischer Trends bekannt. Doch der Betrieb erfüllt auch Kundenwünsche ganz anderer Art. Ein von den Sommers konstruiertes Hühnerhaus kann wie eine Schubkarre geschoben und somit leicht von einer Stelle zur anderen manövriert werden. Die Seiten lassen sich komplett öffnen, um das Hühnerhaus zu reinigen und das Gelege zu inspizieren. Außerdem zeigt der Betrieb auf der "Exempla" seine katzensicheren Vogelhäuser.

Ebenfalls mit dem Werkstoff Holz befasst sich die Bauinnung München. Die Abteilung Zimmerer unter der Leitung von Ausbildungsmeister Wolfgang Weigl stellt Hundehütten vor, die im Unterricht zum Thema "Holzverbindungen und -konstruktionen" gefertigt wurden.

Einen großen Namen in der Blechformungstechnik hat sich der gelernte Karosseriebauer Martin Deggelmann aus Forstern bei München gemacht. Sein Handwerksbetrieb Martelleria ist darauf spezialisiert, Blechen unterschiedlichster Art eine besondere Form zu geben. Dazu gehört auch der Neuaufbau historischer Fahrzeugkarosserien. Die traditionelle handwerkliche Blechbearbeitung wird durch moderne CAD-Technik unterstützt. In der "Exempla"-Werkstatt von Deggelmann ist ein restaurierter und zum Teil rekonstruierter Oldtimer "Hartmann Formel Junior" aus dem Jahr 1961 zu sehen.

Berthold Hoffmann aus Nürnberg ist eigentlich gelernter Silberschmied, ausgebildet an der Akademie der bildenden Künste. Auf Grundlage dieser fundierten Lehre fertigt Hoffmann gusseiserne Kochgeräte. Das Modell für den Guss stellt er selbst her, auch die Gussweiterverarbeitung führt der Silberschmied durch. Neben klassischen Schmiedetechniken und einfachen Maschinen, wie Drehbank, Ständerbohrmaschine und Schweißgerät, werden auch digitale Techniken wie Laserschnitt und 3D-Druck eingesetzt. Hoffmanns Kochgefäße eignen sich insbesondere für Induktionskochfelder, da das Gusseisen problemlos magnetisierbar ist. Auf der "Exempla" gibt Hoffmann Einblicke in seine Schmiedekunst.

Martin und Renata Lhoták lernten sich Anfang der 1960er-Jahre kennen, als sie an der Kunstgewerbeschule in Prag Spielzeuggestaltung studierten. Seit 1978 entwickelt das Ehepaar in ihrer Werkstatt kunstvolles Holzspielzeug. Neben Puppen und Kulissen für Theater- und TV-Produktionen bauen die Lhotáks auch Modelle historischer Architekturen für Ausstellungen und Museen. Auf der "Exempla" stellen Martin und Renata Lhoták eine funktionstüchtige und zerlegbare Windmühle sowie eine Auswahl ihrer Spielzeuge aus.

Ein japanischer Messerschmied in Bayern

Noriaki Narushima wurde an der Tokioter Universität zum Maschinenbauer ausgebildet. Zu Beginn der 1980er-Jahre fing er an, Taschenmesser herzustellen. Das Messerschmieden wurde sein Beruf. Seit 1987 lebt Narushima im oberbayerischen Dorfen, wo er in der Werkstatt seines Schwiegervaters etwa 50 Messer pro Jahr fertigt. Damit seine Unikate besonders hart und scharf werden, verwendet der Messerschmied weichen Stahl für die Seitenwangen und harten Stahl für die Klinge. Den letzten Schliff verleihen den Messern besondere Wassersteine aus Japan. Wie das funktioniert, zeigt Narushima auf der "Exempla".

Die Internationale Handwerksmesse findet vom 6. bis 10. Juli 2022 in München statt. Informationen unter ihm.de.