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Navi, Google und Co. 5 Alltagsdinge, die uns dümmer machen

Landen drei Japaner im Pazifik. Klingt wie der Anfang eines Witzes, ist aber tatsächlich passiert. Sie folgten einfach dem Navi. Aber auch andere Angewohnheiten stehen unter Verdacht denkfaul zu machen.

Das moderne Leben ist bequem und schnell. Essen bestellen per App, statt selbst zu kochen. Und was "Chicken Tandoori" sein soll, ist dank Google auch gleich herausgefunden. Das Internet erspart seinen Nutzern viel Arbeit. Oder kennen Sie jemand, der noch Straßenkarten vor dem Urlaub wälzt? Doch genau diese Tätigkeiten trainieren Gehirnregionen, die zum Beispiel für das räumliche Vorstellungsvermögen zuständig sind. Gerade Navigationsapps und Suchmaschinen stehen unter Verdacht den Nutzer zu "verdummen". Doch das sind nicht die einzigen Angewohnheiten. Hier ein Überblick von fünf Alltagsdingen, die potentiell zur Verdummung beitragen.

Konsumieren statt selbst machen

Zu viel Bequemlichkeit macht laut Wolfgang Schmidbauer träge und lässt Fähigkeiten verkümmern. Konsum macht dumm, wenn es nach dem Konsumpsychologen und Autor geht. Laut Schmidbauer sinken die handwerklichen Fertigkeiten und die Kreativität nimmt ab. Laien können viele Geräte heute nicht mehr selbst reparieren. Statt zu verstehen warum das Gerät kaputt gegangen ist, schmeissen die Besitzer es weg. Die Menschen setzen sich seltener mit ihrem Besitz auseinander und kaufen einfach etwas Neues.

In der "Enzyklopädie der dummen Dinge" zählt Schmidbauer Gegenstände auf, die einem das Denken erleichtern sollen. Dazu zählen zum Beispiel Ampeln oder Bildschirme wie TV-Geräte. Vor allem bei Kindern sind laut Schmidbauer bereits Auswirkungen sichtbar. Viele sind weniger kreativ und ihnen fallen zum Beispiel keine Spiele selbst ein. Schmidbauers Mahnung: Denken fördern, nicht abnehmen.

Googeln statt erinnern

Suchmaschinen und Co. vermitteln zwar kurzfristig Wissen, machen aber auf lange Sicht dümmer. Dr. Catarina Katzer ist Sozialpsychologin und berät den Deutschen Bundestag. In Ihrem Buch "Cyberpsychologie" beschreibt sie welche Auswirkungen das Internet auf den Mensch und zum Beispiel sein Gedächtnis hat. Durch die ständige Möglichkeit des "googelns" lagern einige Internetnutzer ihr Wissen regelrecht aus. Sie merken sich weniger. Das Phänomen kennen viele vom digitalen Telefonbuch: Früher kannte man noch alle Telefonnummern auswendig. Heute allenfalls die Festnetz-Nummer der Eltern. Da Informationen jederzeit abrufbar sind, wird das Gehirn immer fauler.

Ein weiterer Grund ist laut Katzer auch die Art des Lesens von Online-Texten. Online-Inhalte werden oft nur überflogen. Leser scannen Texte und schenken ihnen keine volle Aufmerksamkeit. Das wirkt sich negativ auf die Gedächtnisleistung aus. Wissenschaftler der University of California in Los Angeles fanden heraus, dass vor allem das Kurzzeitgedächtnis beim Surfen im Netz aktiv ist. Wissen wird aber im Langzeitgedächtnis abgespeichert, das kaum durch den Internetkonsum berührt wird. Da sich das Gehirn daran gewöhnt Informationen nur oberflächlich aufzunehmen, werden Zerstreutheit und das Gefühl abgelenkt zu sein zur Normalität. Langfristig können sich einige nicht mehr lange konzentrieren. Den Menschen fällt es, laut Katzer, zunehmend schwerer über längere Zeit bei einer Sache zu bleiben. Das wird auch beim sogenannten Multitasking deutlich.

Multitasking statt konzentrieren

Multitasking beschreibt die Fähigkeit, sich auf mehrere Dinge gleichzeitig konzentrieren zu können. Viele sehen diese Eigenschaft als wünschenswert, aber in Wahrheit entstehen beim Multitasking mehr Fehler als beim Erledigen einer Sache. Britische Forscher der University of London gehen noch weiter. Laut ihrer Studie macht Multitasking sogar dumm. Sie untersuchten 1.100 Arbeitnehmer und stellten bei den "Multitaskern" eine Abnahme des Intelligenzquotienten (IQ) fest. Der IQ sank auf ein Niveau, das bei Schlafmangel auftritt. Einige Probanden verloren sogar 15 Punkte und fielen damit auf den kognitiven Stand von Acht-Jährigen zurück.

Viele Studien deuten darauf hin, dass Multiasking ein Märchen ist. Das menschliche Gehirn kann sich nicht auf mehrere Aktivitäten gleichzeitig fokussieren. Wer mehrere Tätigkeiten parallel erledigt, springt in Wahrheit nur von einer Aufgabe zur nächsten. Dabei rückt die Fähigkeit zu priorisieren und Entscheidungen zu treffen in den Hintergrund.

Befehle befolgen statt Karten lesen

Es gibt einige kuriose Navi-Geschichten. Ein Busfahrer fuhr mit seiner belgischen Reisegruppe in das Winterskigebiet La Plagne in den französischen Alpen. Blöder Zufall, dass es noch ein La Plagne am Fuß der Pyrenäen gibt. Ein 1.200 km Umweg führt die Reisenden direkt zum Mittelmeer. Dabei hätte dem Fahrer bereits auf dem Weg dämmern müssen, dass Schnee selten am Meer zu finden ist. Ein weiteres Navi-Missverständnis führte drei japanische Touristen mit ihrem Auto in den Pazifik. Das Navi führte sie dort hin. Wegen Ebbe konnten sie weit in den Ozean fahren. Als die Flut kam, mussten sie sich zu Fuß an Land retten. Das sind zwar Geschichten zum Schmunzeln, aber trotzdem bedenklich. Bei manchen gilt: Navi an – Hirn aus. Das bestätigt auch eine britische Studie, die Londoner Taxi- und Busfahrer untersuchte. Denn die merken sich komplexe Straßennetze und finden sich darin zurecht. Deren räumliche Wahrnehmung ist gut ausgeprägt. Aber vor allem das Navigationsgerät verhindert das Training solcher Fähigkeiten.

Lange Autofahren statt bewegen

Britische Forscher wollen herausgefunden haben, dass langes Autofahren zu einem Rückgang des IQs führt. Die University of Leicester und das Leicester Hospital stellten in einer Studie fest, dass zwei bis drei Stunden Auto fahren derselben Zeit Fernsehen entsprechen. Mehr als 50.000 Briten wurden über fünf Jahre begleitet. Warum der Intelligenzquotient abnimmt, hat die Studie nicht herausgefunden. Es könnte aber daran liegen, dass Autofahren eher stresst und müde macht. Abhilfe schaffen Routine-Brüche. Öfter mal andere Wege fahren, ein Hörbuch einlegen oder gesprächige Beifahrer einladen, die etwas Interessantes erzählen. sde

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