Beruflicher Werdegang 3 Handwerker berichten, wie sie Karriere machen

Die Möglichkeiten, mit dem Handwerk Karriere zu machen, sind so zahlreich wie verschieden. Drei Handwerker berichten, welchen Weg sie gewählt haben.

Von Barbara Oberst

Leiter vor blauem Hintergrund
Im Handwerk gibt es viele Möglichkeiten Karriere zu machen. Nach der Gesellenprüfung ist noch lange nicht Schluss. - © Shawn Hempel - stock.adobe.com

Caroline Müller, Auszubildende zur Ausbau-Managerin, Herrenzimmern

Ich war von klein auf gerne bei meinem Opa und meinem Onkel im Stuckateurbetrieb. Nach meinem Abi habe ich gezielt gesucht, wie ich dieses Handwerk mit Managementwissen verbinden kann. Mit dem Ausbau-Manager erreiche ich in gut dreieinhalb Jahren den Gesellen, den Meister, den Ausbau-Manager und eventuell auch noch den Gebäude-Energieberater. Dafür wechseln sich die Arbeitsphasen im Betrieb mit dem theoretischen und praktischen Blockunterricht an der Berufsschule in Leonberg ab.

Ich habe mehr Nachmittagsunterricht als andere Azubis und natürlich muss ich abends lernen, wenn eine Klassenarbeit ansteht. Aber damit erreiche ich Abschlüsse, für die ich sonst mindestens sieben Jahre bräuchte und verdiene sogar schon Geld. Nach dem Abschluss will ich noch einige Jahre in meinem Ausbildungsbetrieb bleiben. Und irgendwann werde ich den Betrieb bei uns daheim übernehmen.

Christian Weiler, Centerleiter Mercedes-Benz, Fürstenfeldbruck

Nach der Schule machte ich die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker. Die Gesellenprüfung bestand ich mit Ach und Krach. Durch die Entscheidung zur Meisterschule kam ich von der Werkstatt zur Serviceberatung, was mir den größten Sprung brachte. Weil es mir aber noch nicht reichte, legte ich mit dem Betriebswirt nach der Handwerksordnung nach, um mich anschließend für den berufsbegleitenden Bachelor of Arts in Betriebswirtschaftslehre und Unternehmensführung anzumelden. Das hat mir weitere Türen geöffnet.

Ich wurde hier im Sternpark erst Serviceleiter und nach einem Jahr zum Centerleiter befördert. Für mich kam der (hohe) Anspruch an mich selbst erst lange nach der Meisterschule. Da hatte ich wohl etwas nachzuholen, und es hat sich gelohnt! Ich kann auf viel Gelerntes zurückgreifen und habe die Erfahrung gemacht, dass mit dem richtigen Einsatz tolle Ergebnisse erzielt werden können.

Tobias Saalbach, Bachelor of Engineering me. und Gebäudeenergieberater, Mainz/Mannheim

Nach einem eher mäßigen Realschulabschluss samt einer wiederholten Klasse absolvierte ich von 1994 bis 1997 eine Ausbildung als Dachdecker und legte einige Jahre später auch erfolgreich die Meisterprüfung ab – und das mit vorgezogener Prüfung. 2009 folgte die Weiterbildung zum Energieberater. Ich gründete und führte einige Jahre lang meinen eigenen Dachdecker-Betrieb mit bis zu 14 Angestellten.

2014 nahm ich dann das Architekturstudium auf, zu dem mich der Meister berechtigte. 2019 schloss ich dieses Studium erfolgreich als Bachelor of Engineering (Dipl.-Ing.-äquivalent) ab. Bereits während des Studiums arbeitete ich in einem Architekturbüro mit, außerdem war ich weiter Energieberater. Es war ein harter Weg mit sehr viel Lernen, Arbeit und Entbehrung. Aber es war die richtige Entscheidung, da ich mir damit meinen Kindheitswunsch erfüllte: das Architekturstudium. Ohne Meisterbrief hätte ich das nicht realisieren können.

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Handwerk im Deutschen Qualifikationsrahmen

Das neue Berufsbildungsgesetz belegt es schwarz auf weiß: Berufliche Ausbildung ist gleich viel wert wie ein Studium. Seit Anfang 2020 dürfen Meister zusätzlich den Titel "Bachelor Professional" in ihrem Gewerk führen und stehen damit im Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) auf einer Stufe mit dem Hochschul-Bachelor. Im DQR gibt es acht Niveaus. Das niedrigste Niveau 1 beschreibt die Fähigkeit, einfache Aufgaben unter Anleitung zu erfüllen. Das höchste Niveau 8 beschreibt die Kompetenz von Menschen, die entweder wissenschaftlich forschen oder innovative Lösungen und Verfahren entwickeln. Der klassische Gesellenbrief nach drei- bis dreieinhalbjähriger Ausbildung liegt auf Niveau 4, Fortbildungsabschlüsse wie der Servicetechniker auf Niveau 5, der Meister auf Niveau 6 und der Betriebswirt des Handwerks auf Niveau 7. Er heißt jetzt auch "Master Professional" und entspricht dem Hochschulmaster.

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) beobachtet, dass Meister von dem neuen Titel "Bachelor Professional" gerne Gebrauch machen. Nicht nur Visitenkarten und Internetauftritte würden angepasst, viele bäten auch bei ihren Handwerkskammern um eine Neuausstellung ihrer Meisterprüfungsurkunden, obwohl sie dafür eine Gebühr bezahlen müssen. Durch die höhere Berufsbildung sollen Betriebe Spezialisten, Führungskräfte und Ausbilder qualifizieren. Der Bedarf an solch hochqualifizierten Fachkräften ist groß, innerhalb der Betriebe, aber auch als potenzielle Nachfolger. In den kommenden zwei Jahren stehen 260.000 kleine und mittlere Unternehmen zur Betriebsübergabe an, hat das Nachfolge-Monitoring der Kreditanstalt für Wiederaufbau ergeben.

Ob die Neuerungen durch das Berufsbildungsgesetz tatsächlich mehr Gesellen dazu motivieren, sich fortzubilden, kann der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) mangels belastbarer Zahlen noch nicht sagen. Eine Auswertung der Meisterzahlen ist derzeit besonders schwierig, weil zu Vieles hineinspielt. 2020 wurde in zwölf Gewerken die Meisterpflicht wieder eingeführt, was das Interesse für Meisterkurse steigern dürfte. Auf der anderen Seite stehen die schwer kalkulierbaren Auswirkungen der Corona-Krise. bst