Biosprit 189.000 Pkw deutscher Hersteller müssen umgestellt werden

Die Zahl der Autos, die wegen des ab 2009 geplanten höheren Biospritanteils im Benzin auf den teuren Super-Plus-Kraftstoff ausweichen müssen, ist möglicherweise doch nicht so hoch wie erwartet.

Foto: ddp

189.000 Pkw deutscher Hersteller müssen umgestellt werden

Laut den endgültigen Zahlen des Verbands der Automobilindustrie (VDA) vertragen nur 189.000 Pkw deutscher Marken im Bestand keine erhöhte Ethanol-Beimischung zum Benzin. Dazu kommen 170.000 Autos, für die bereits jetzt Super-Plus empfohlen wird, wie der VDA mitteilte.

"Insgesamt können über 98 Prozent der rund 21 Millionen Fahrzeuge deutscher Hersteller mit Benzinmotor mit der neuen Kraftstoffsorte E10 betankt werden", sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann. Die deutsche Automobilindustrie habe auch in diesem Bereich ihre Hausaufgaben gemacht und Wort gehalten. Damit leiste sie einen "entscheidenden Beitrag, dass zukünftig jedes Jahr über zwei Millionen Tonnen CO2 eingespart werden könnten".

Die Bundesregierung will den Bioethanolanteil am Benzin 2009 von fünf auf zehn Prozent erhöhen. Bei Unverträglichkeit der höheren Beimischung müssten die betroffenen Autofahrer das teurere Super-Plus-Benzin tanken.

Laut VDA ist eine detaillierte Liste mit den betroffenen Fahrzeugen dem Bundesumweltministerium übermittelt worden. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) will am Freitag auf einer Pressekonferenz zu dem Problem Stellung nehmen. Er hatte in dieser Woche bekräftigt, dass die Verordnung nicht in Kraft gesetzt werde, sollte mehr als eine Million Autos das neue Gemisch nicht vertragen. Allerdings stehen die Verträglichkeitszahlen für die Autos ausländischer Hersteller noch aus. Im Bundesumweltministerium hieß es, die Zahlen würden vom Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) erwartet. Der Verband wollte dies nicht kommentieren.

Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Michael Müller (SPD), hatte gesagt, es sei zu erwarten, dass die Zahlen der ausländischen Hersteller deutlich höher liegen als die der deutschen Hersteller. Für die Umsetzung der Verordnung gebe es daher voraussichtlich einen Aufschub.

Klimaprobleme nicht außer Acht lassen

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) erklärte, es gehe bei der Debatte um Biosprit nicht nur darum, dass viele Autos offensichtlich diesen Kraftstoff vertragen, sondern dass sich die Klimaprobleme durch die Beimischungsquoten nicht beheben lassen. BUND-Vorsitzender Hubert Weiger sagte, Untersuchungen des Umweltbundesamtes belegten, dass Biokraftstoffe durch den Anbau, die Verarbeitung und den Transport der Biomasse nicht zu einer Absenkung der CO2-Emissionen führten.

Auch der Naturschutzbund Deutschland (NABU) forderte eine Korrektur der Klimaschutzstrategie im Straßenverkehr. NABU-Präsident Olaf Tschimpke sagte, Bundesregierung und EU-Kommission hätten "auf zweifelhafte Agrarkraftstoffe" gesetzt. Dieses Unterfangen sei "auf ganzer Linie gescheitert". Die Automobilindustrie müsse jetzt ihren Widerstand gegen "ungeliebte, aber unausweichliche Klimaschutzinstrumente" aufgeben. Dazu gehörten ambitionierte Verbrauchsvorgaben für neue Autos und die Einführung des überfälligen Tempolimits auf Autobahnen, betonte Tschimpke. Die EU sieht vor, dass die Autohersteller einen Teil der Klimavorgaben für Autos mit Beimischung von Agrarkraftstoffen erfüllen können.

Michael Wojtek/ddp