Panorama -

Was Sie schon immer über Schornsteinfeger wissen wollten 10 außergewöhnliche Fragen an einen Schornsteinfeger

Sie sind schwarz gekleidet, klettern auf Dächern und sorgen für die notwendige Portion Glück bei allen, die über die Kluft streichen: Schornsteinfeger. Doch das klassische Kaminkehren ist nur ein kleiner Teil ihrer Aufgaben. Mit neuen Technologien sind sie Vorreiter in Sachen Umweltschutz. Schornsteinfegermeister Tim Schröder aus Stuttgart beantwortet im Interview zehn nicht alltägliche Fragen – und verrät, warum der Zylinder ein Qualitätsmerkmal ist und wo er selbst schon Glück gebracht hat.

1. Wieso sind Sie Schornsteinfeger geworden?

Ich denke das ist immer eine individuelle Sache. Bei mir hat der Reiz ein Schulpraktikum ausgelöst in dessen Rahmen ich den Beruf des Schornsteinfegers kennenlernen durfte. Mich haben technisch-physikalische Zusammenhänge schon immer interessiert. Dazu kommt, dass ich den Umgang mit Menschen aus den unterschiedlichsten Lebensräumen und –phasen total spannend und faszinierend finde. Da lag dann die Berufswahl nach einem erfolgreichen Praktikum nahe.

2. Wie hat Ihr Umfeld auf den Berufswunsch reagiert?

Viele aus meinem direkten Umfeld konnten mit meinem Berufswunsch nicht viel anfangen. Aber ich hatte auch direkten Einfluss: Ein Klassenkamerad aus der Realschule und zwei weitere Freunde haben nach meinen Erzählungen und eigenen Recherchen selbst beschlossen, eine Ausbildung zum Schornsteinfeger zu machen.

3. Wird man von dem ganzen Ruß nicht krank?

Man muss sich natürlich schützen. Auch heute noch, das gilt nicht nur für den Atem- sondern auch für den Hautschutz. Das heißt heute gehören die Staubschutzatemmaske und Handschuhe sowie Handcreme zur Grundausstattung eines Schornsteinfegers.

4. Wie werden Sie nach Feierabend wieder sauber?

Da gibt es eigentlich keine Geheimtipps. Aber mit einer guten Handwaschpaste, einer guten Bürste, viel Wasser und einer Menge Geduld wird man auch wieder ganz sauber.

5. Warum tragen Schornsteinfeger einen Zylinder und wie viele Outfits besitzen Sie?

Zu einem solchen traditionsreichen Beruf gehört natürlich auch das Outfit. Der Zylinder gehört da einfach dazu. Früher wurde er zum Beispiel zum Transport von Schreibutensilien und ähnlichen Sachen benötigt. Das ist heute nicht mehr der Fall, aber er steht nach wie vor für Qualität. Denn ein Schornsteinfeger darf den Zylinder erst dann tragen, wenn er mindestens die Gesellenprüfung bestanden hat.

Insgesamt besitze ich vier Outfits, die im Wechsel zum Einsatz kommen.

6. Nervt es nicht, wenn man nach einer Portion Glück gefragt wird und ist Ihnen in diesem Zusammenhang eine Geschichte besonders in Erinnerung geblieben?

Es nervt nie nach Glück gefragt zu werden, das gehört einfach dazu und das muss auch bei der Wahl des Berufes schon klar sein. Ich mag es, so mit den Menschen in Kontakt zu kommen.

In Erinnerung geblieben ist mir ein Kunde, in dessen Wohnung ich einen Rauchmelder montiert habe. Ein halbes Jahr später hat er sich bei mir bedankt, denn in seinem Haus brach ein Brand aus und der Rauchmelder hat ihm und seiner Familie das Leben gerettet. Alle konnten unverletzt das Haus verlassen. Seine Worte: "Zum Glückt gibt’s den Schornsteinfeger!"

7. Haben Sie bei Ihrem Beruf selbst schon mal Glück gebraucht?

Bisher habe ich nur einmal Glück gebraucht: Bei einem Treppensturz bin ich unverletzt geblieben. Aber ich bin weder in einen Kamin gestürzt oder vom Dach gefallen. Da habe ich tatsächlich bisher Glück gehabt – und hoffentlich bleibt das auch so!

8. Blick ins Private: Ist Ihre Einrichtung schwarz und wie trinken Sie Ihren Kaffee?

Meine Einrichtung ist zum überwiegenden Teil tatsächlich nicht schwarz – mir gefällt die Farbe trotzdem immer noch. Das zeigt sich dann auch beim Kaffee. Den brauche ich stark und schwarz.

9. Welches Vorurteil über Schornsteinfeger trifft zu?

Naja, schwarz sind wir tatsächlich auch heute noch. Und früher wurden teilweise auch die Häuser unserer Kunden noch so verlassen. Das ist heute aber eigentlich nicht mehr der Fall.

Auch das Gerücht, dass es keine Kehrbezirke mehr gibt stimmt nicht. So werden hoheitliche Tätigkeiten wie die Feuerstättenschau, Abnahme von Feuerungsanlagen und die Verwaltung des Kehrbezirks vom zuständigen Bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger in seinem Bezirk durchgeführt. Für die Kehr- und Messtätigkeiten kann jeder Schornsteinfegermeisterbetrieb beauftragt werden.

10. Was ist Ihr Lieblings-Schornsteinfegerwitz?

Was unterscheidet eine Schwalbe und einen Schornsteinfeger? Die Schwalbe hat eine weiße Brust und einen schwarzen Schwanz, der Schornsteinfeger hat eine Leiter und kann nicht fliegen.

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2018 - Alle Rechte vorbehalten