Ihr Beruf gehört zu den ältesten Metallhandwerken und sie macht mit ihren Werken Menschen glücklich: Barbara Rübenach vom Atelier Goldfeder aus Backnang ist Goldschmiedin. Sie liebt ihren Beruf – auch wenn es ihr manchmal ziemlich schwer fällt, sich von ihren Schmuckstücken zu trennen. Wie oft Sie zwischen Ehepartnern bei der Wahl der Trauringe vermitteln muss, wie sie sich vor Verbrechern schützt und weshalb sie häufig als Psychologin gefragt ist.
Marco-Tobias Arnold

1. Man hört ja immer viel von Überfällen auf Juweliere. Waren Sie mit Ihrem Atelier schon betroffen und wie schützt man sich vor Verbrechern?
Bisher habe ich Glück gehabt. Ich habe mein Atelier mit einer großen Alarmanlage ausgestattet – und meine Hündin ist eine sehr gute Unterstützung. Seit ich sie mit im Laden habe, kommen immer weniger skurrile oder obskure Leute herein. Das gibt mir dann schon etwas mehr Sicherheit.
Wenn aber jemand einen Überfall durchziehen möchte, denke ich, dass man sich davor nicht schützen kann. Also klopfe ich weiter auf Holz und sage "Toi, Toi, Toi".
2. Was war das außergewöhnlichste Schmuckstück, das Sie gefertigt haben und was war das komplizierteste?
Außergewöhnlich sind vor allem Schmuckstücke, die ich umarbeiten soll. Gerade die Geschichten dahinter sind oft wahnsinnig schön und ergreifend. Es steckt einfach viel mehr dahinter als "nur" ein altes Schmuckstück.
Ich habe zum Beispiel einmal einen schwarzen Diamanten in einen Trauring gesetzt, den ich auch schon hergestellt hatte. Dabei habe ich bei der Fertigung die meiste Zeit Tränen in den Augen gehabt. Denn der Diamant stand für ein verstorbenes Kind. Es gab aber auch schon skurrile oder sogar eklige Arbeiten. Ich musste zum Beispiel einen Weisheitszahn zu einem Anhänger umarbeiten. Naja, was soll ich sagen: Er war schon ziemlich schwarz und verfault.
3. Wie oft müssen Sie zwischen angehenden Ehepartnern bei der Wahl der Trauringe vermitteln?
Eigentlich eher selten. Die meisten machen sich schon vor ihrem Besuch bei mir Gedanken darüber, was sie möchten. Dann wird gemeinsam geschaut, was machbar ist und was nicht. Bisher habe ich nur ein Pärchen gefragt, ob sie denn wirklich heiraten wollen, da sie sich wegen jeder Kleinigkeit in die Wolle bekommen haben.
4. Sind Sie eher Beraterin oder mehr Handwerkerin?
Inzwischen bin ich viel stärker Handwerkerin. Aber am Anfang war das ganz anders. Da sind viele Kundinnen in meinem Laden gewesen, die sich auf mein Sofa gesetzt haben, furchtbar angefangen haben zu weinen und mir ihr Leid geklagt haben. Da bin ich mir mehr wie eine Psychologin vorgekommen denn als Goldschmiedin.
Bis zu einem gewissen Grad gehört das natürlich auch heute noch zu meinem Beruf, aber ich musste dann auch lernen, mich selbst zu schützen. Heute sage ich es deutlich, wenn es mir zu persönlich wird.
5. Wieso wollten Sie Goldschmiedin werden?
Der Wunsch hat sich bei mir schon früh festgesetzt. Ich habe mit 10 Jahren mein erstes Ferienpraktikum bei einem Goldschmied gemacht. Das hat mir so viel Spaß gebracht, dass ich den Beruf in die engere Wahl gezogen habe. Zwischendurch stand zwar auch der Wunsch im Raum, Architektin zu werden. Aber da sitzt man heute fast nur noch vor dem PC und zeichnet nicht mehr selbst. Das war ein Ausschlusskriterium und ich habe es gleich wieder verworfen.
6. Stellen Sie Massenware her oder ist Ihre Kreativität und Individualität täglich gefordert?
Da ich Goldschmied bin, habe ich mit Massenware gar nichts am Hut. Ich habe bis letztes Jahr zwar das eine oder andere fertige Produkt dazu gekauft. Aber ich habe dann bald festgestellt, dass das nicht das ist, was ich machen möchte. Eine Goldschmiedin fertigt Schmuck und das sollte immer individuell sein.
Es gibt sicher für alles seine Berechtigung – auch wenn Frauen oder Männer mit eher billigem Modeschmuck herumlaufen. Mich ärgert es nur, wenn man viel Geld für diese Art von "Schmuck" ausgibt und hochwertige Stücke am liebsten für umsonst haben will.
7. Gibt es Schmuckstücke, die Sie am liebsten selbst behalten würden und was war das teuerste Stück, das Sie hergestellt haben?
An und für sich möchte ich fast jedes behalten (lacht). Denn in jedem der Schmuckstücke steckt meine Kreativität, meine Zeit, Leidenschaft und gelegentlich auch ein wenig Blut und Herzschmerz. Ich kaufe auf den Messen meistens Steine, die ich selber wahnsinnig toll finde – und am liebsten selber behalten würde. Aber da muss man sich klar sein, dass es nun einmal mein Job ist, Schmuck für andere zu machen – und weniger für mich.
Ich habe aber zum Beispiel auch schon einem Menschen – Kunde konnte man das nicht nennen – in meinem Geschäft gesagt, dass er meinen Schmuck nicht bekommt. Denn kurz vorher hat er sich über einige meiner Schmuckstücke lustig gemacht. Der Schmuck den ich verkaufe, soll auch in gute Hände kommen.
Das teuerste Schmuckstück, das ich hergestellt habe, war ein Collier in 750/- Weißgold mit einem riesigen grauen Turmalin und einem Brillanten. Ich hoffe, ich verkaufe es nie (lacht).
8. Mit welchem Material arbeiten Sie am liebsten?
Mit 750 Gelbgold und Edelsteinen. Ich liebe die Beschaffenheit von Gold – umso höher in der Legierung, umso schöner ist es damit zu arbeiten. Mir macht es einfach wahnsinnig Spaß aus so natürlichen und alten Materialien immer wieder etwas Neues zu kreieren.
9. Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?
Als erstes gehe ich in den Laden, öffne den Tresor und räume den Schmuck in die Vitrinen. Dann öffne ich den Laden und – ganz wichtig – mache mir erst einmal einen Kaffee. Danach setze ich mich an mein Werkbrett und schaue, was alles ansteht: Reparaturen fertigstellen, neue Anfertigungen, zwischendurch kommen die Kunden, die beraten werden wollen. Es ist also immer sehr abwechslungsreich.
10. Welche Trends gibt es momentan im Goldschmiedehandwerk?
Das kann ich gar nicht so ganz genau sagen, da ich mich von diesen Trends ziemlich abhebe. Wie gesagt: Ich möchte meinen Schmuck machen – und nicht anderen nachahmen. Es gibt häufig Anfragen nach Edelstahl oder Carbon, aber dafür gibt es andere, die sich darauf spezialisiert haben und mit denen ich dann zusammenarbeite.