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Spannende Fragen und Antworten 10 außergewöhnliche Fragen an eine Gebäudereinigerin

Sie reinigen Innenräume, Fassaden und andere Außenbereiche von Gebäuden und sind doch viel mehr als nur die "Saubermacher": Gebäudereiniger. Mit ein bisschen Putzen ist es in diesem Beruf nicht getan, denn Gebäudereiniger müssen tief gehende Kenntnisse in Sachen Technik und Chemie erlernen. Gebäudereinigermeisterin Marion Presek-Haster aus Langenhagen räumt mit Vorurteilen auf und verrät, ob sie zuhause noch gerne putzt.

1. Sind Sie eigentlich so etwas wie eine Putzfrau?

Marion Presek-Haster: Sind wir das nicht irgendwie und irgendwann alle? Ich bin im Gegensatz zu anderen ausgebildet und weiß dadurch im Bereich Gebäudereinigung, was ich tue. Gebäudereiniger sind für mich in aller erster Linie zaubernde Problemlöser.

  • Sie haben eine mit Taubendreck verunreinigte Fassade? Wir reinigen sie und vergrämen die Tauben.
  • Sie möchten Ihren uralten Parkettboden wieder auf Vordermann gebracht haben? Wir schleifen ihn ab und versiegeln/ölen ihn neu.
  • Sie möchten, dass Ihre Mitarbeiter sich jeden Morgen in ihren Büros sauwohl fühlen und motiviert arbeiten? Wir sorgen dafür, dass Ihre Büros jeden Morgen perfekt gereinigt sind.
  • Sie möchten auf den natürlichen Sonnenschutz (Dreck) auf Ihren Fenstern verzichten und wieder klaren Durchblick haben? Wir kümmern uns.

Die Gebäudereinigung ist ein so umfangreicher Bereich. Die Reinigung einer Kfz-Werkstatt läuft anders ab als die Reinigung in einem Krankenhaus oder in einer Alten-und Pflegeeinrichtung. Die Anforderungen an Umweltschutz und Qualitätsmanagement steigen ständig. Wir arbeiten mit modernen Maschinen, die Reinigungsverfahren entwickeln sich stetig weiter. Unsere Aufgabe ist es uns auf die unterschiedlichen Bedürfnisse und Wünsche des Kunden einzustellen, um für ein glückliches Gefühl, Hygiene und Wohlbefinden zu sorgen. Das geht dann schon über den Begriff "Putzfrau" hinaus

2. Haben Sie zu Hause überhaupt noch Lust zu putzen?

Presek-Haster: Das ist ein heißes Thema. Da fällt mir gleich das Sprichwort "Der Schuster hat die schlechtesten Schuhe" zu ein. Denn wir sind in unserem Haushalt gleich zwei Gebäudereinigermeister, auch mein Mann ist ein zaubernder Problemlöser. Demnach müsse es bei uns ja eigentlich völlig versifft sein – aber nein, so schlimm ist es nicht. Sie dürfen gerne vorbeikommen und sich ein Bild davon machen (lacht).

3. Haben Sie bei Ihrer Arbeit schon Mal etwas Wertvolles gefunden?

Presek-Haster: Na klar, zu Hauf sogar: Tolle Mitarbeiter, freundliche Kollegen und Mitbewerber, Auszubildende, die sich während der dreijährigen Lehrzeit zu super Gesellen entwickeln. Kurz gesagt: einzigartige Menschen. Gibt es denn überhaupt etwas Wertvolleres?

4. Haben Sie als Kind Ihr Zimmer gerne aufgeräumt?

Presek-Haster: Es gibt da keine Zeugen mehr, aber ich bin trotzdem mal ehrlich: Ich habe mein Zimmer nicht gerne aufgeräumt, ganz und gar nicht. Eher im Gegenteil. Wobei alles andere für ein Kind wahrscheinlich auch völlig ungewöhnlich wäre?

5. Wieso wollten Sie dann Gebäudereinigerin werden?

Presek-Haster: Nach der Schulzeit habe ich Groß-und Außenhandelskauffrau gelernt. Aber mir war schnell klar, dass mir dieser Beruf zu eintönig ist. Jeden Tag acht Stunden im Büro? Das ist nichts für mich. Durch meine Tante und meinen Onkel, die ein Gebäudereinigungsunternehmen führen, habe ich die Vielseitigkeit des Berufs des Gebäudereinigers kennengelernt und war fasziniert. Deshalb habe ich mich entschlossen, die Ausbildung zu machen.

Gebäudereinigermeisterin Marion Presek-Haster

Ich habe dann meine Gesellenprüfung abgelegt, danach die Meisterprüfung bestanden und angefangen, mich nebenbei ehrenamtlich für den besten Beruf überhaupt zu engagieren. So bin ich für die Landesinnung Niedersachsen des Gebäudereiniger-Handwerks auf Berufsfindungsmärkte gegangen, habe mich im Prüfungsausschuss beschäftigt, bin Lehrlingswartin geworden. Vor kurzem wurde ich zur Vorsitzenden des Ausschuss Berufsbildung auf Bundesebene gewählt. Mir ist diese Sache eine Herzensangelegenheit. Wir haben eine interessante, spannende Ausbildung, mit allen Perspektiven. Die Unternehmen benötigen gut ausgebildete, pfiffige Gesellen, da ergibt es doch nur Sinn, das Beides zusammenzuführen.

6. Mit welchen Vorurteilen haben Gebäudereiniger zu kämpfen?

Presek-Haster: Viele wissen nicht, dass der Beruf Gebäudereiniger ein anerkannter Ausbildungsberuf ist und wie viele Technik- und Chemiekenntnisse während der Ausbildungszeit vermittelt werden. Aber auch welche Aufstiegschancen es im Beruf gibt. Und dann gibt es diese Vorurteile – wie in Ihrer ersten Frage – dass wir "nur" Putzfrauen wären. Oder die Frage, was wir ekliges oder unappetitliches bei unseren Reinigungen gefunden haben. Dazu habe ich als Antwort übrigens immer nur ein Achselzucken übrig, denn das ist natürlich sehr individuell.

Bei all diesen Vorurteilen: Es gibt so tolle positive Seiten dieses Berufs. Ich könnte unendlich davon berichten und Ihnen vorschwärmen.

7. Wie werden Sie von Ihren Auftraggebern behandelt?

Presek-Haster: Wie man in den Wald ruft, so schallt es auch heraus. Wir haben da aber Glück und unsere Auftraggeber wissen, was wir leisten und wie wichtig unsere Arbeit für sie ist. Ich denke, dass basiert vor allem darauf, dass wir Respekt vorleben. Das kommt dann auch bei unseren Kunden an und sie behandeln uns auch dementsprechend respektvoll.

8. Was macht Ihnen im Job am meisten Spaß?

Presek-Haster: Mir macht alles sehr viel Spaß. Vor allem die Vielfältigkeit der Aufgaben macht den Beruf aus. Das denkt man vielleicht gar nicht so sehr. Aber es wird nie langweilig, es ist großartig einen Auftrag abzuschließen und bei der Übergabe von gereinigten Objekten staunende Kunden zu sehen, die vollauf begeistert, vielleicht sogar überrascht, sind.

Dazu kommt der Umgang mit den unterschiedlichen Menschen, das Arbeiten an allen möglichen Orten, die täglichen Herausforderungen, die erzielten Ergebnisse. Ich komme schon wieder völlig ins Schwärmen, ich hoffe man merkt mir die Leidenschaft für den Beruf an. Vor allem bietet der Beruf auch für junge Menschen gute Karrierechancen, interessante Tätigkeiten, wechselnde Einsatzgebiete und eine attraktive Entlohnung.

9. Gab es Verunreinigungen, die Sie nicht entfernen konnten?

Presek-Haster: Die gab es sicherlich. Wobei das dann eigentlich keine Verunreinigungen mehr sind, sondern Beschädigungen. Da kommen dann auch wir an unsere Grenzen: Wenn Werkstoffe beschädigt sind, können wir leider nicht mehr alles retten.

10.  Wie bekommt man zu Hause streifenfrei, sauber geputzte Fenster hin?

Presek-Haster: Gar nicht so einfach (lacht). Am besten gönnen Sie sich ein bisschen Freizeit und Ihren Fenstern Wellness – engagieren Sie einen Gebäudereiniger. Denn er hat die professionelle Glasreinigung während seiner dreijährigen Ausbildung gelernt. Und bevor Sie sich den Feierabend oder das Wochenende vermiesen, ist das doch die wesentlich angenehmere Alternative.

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