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Eröffnung der Internationalen Handwerksmesse Zypries: "Wir brauchen Ausnahmeregeln fürs Handwerk"

Keine Fahrverbote für Handwerker mit Dieselfahrzeugen, ein klares Bekenntnis zum Meisterbrief und eine Stärkung des dualen Ausbildungssystems - Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries hat die Internationale Handwerksmesse mit klaren Versprechen an das Handwerk eröffnet.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Internationale Handwerksmesse

Kein Thema umtreibt das Handwerk derzeit so stark wie die drohenden Fahrverbote für Dieselfahrzeuge. Auch auf der Internationalen Handwerksmesse 2018 in München ist das Thema in aller Munde.

Zur Eröffnung der Messe betonte die noch geschäftsführende Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries, dass es unbedingt Ausnahmeregeln für das Handwerk geben müsse. Es dürfe nicht sein, dass Handwerker ihre Kunden in Innenstädten wie München oder Stuttgart nicht mehr erreichen könnten. Es müsse auf jeden Fall eine Lösung geben, die jenseits der Tatsache liegt, dass die Menschen, insbesondere die Unternehmer, die Handwerker, der Mittelstand, ihre Autos verlieren. "Die aktuelle Situation schadet der Glaubwürdigkeit der ganzen deutschen Wirtschaft", so Zypries.

Zypries sagte aber auch, dass die Debatte um Diesel-Fahrverbote derzeit "heißer gekocht als gegessen" werde. Schließlich ginge es um Einschränkungen im Straßenverkehr für maximal 20 Städte und dort auch nur für einzelne Straßen. Das klare Ziel müsste es sein, Fahrverbote zu verhindern.

Abgaben-Vizeweltmeister Deutschland

Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer forderte von der Politik verbesserte Rahmenbedingungen für das Handwerk in allen Bereichen - ob beim Thema Steuer, Arbeits- oder Sozialpolitik. "Das Handwerk braucht gute Rahmenbedingungen wie die Luft zum Atmen", so Wollseifer.

Deutschland sei bislang Vizeweltmeister bei den Abgaben und Gebühren. Das müsse sich ändern und der Leistungsträger der deutschen Wirtschaft - insbesondere das Handwerk und weniger die Großindustrie - entlastet werden. Mehr als 40 Prozent an Sozialabgaben könnten die Handwerksunternehmen, aber auch ihre Mitarbeiter, nicht verkraften, um weiter in die Wettbewerbsfähigkeit investieren und auch angemessen Löhne zahlen zu können. Mit den Ergebnissen der Koalitionsverhandlungen zeigte sich Wollseifer nicht in allen Punkten zufrieden und verwies als Beispiel auf steigende Belastungen beim Thema Mütterrente.

Unterstützung bekam Wollseifer von Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner, die klar machte, dass das Handwerk sein Geld zum Investieren in die eigene Zukunftsfähigkeit und nicht für höhere Abgaben benötigen würde.

"Ein erster Schritt zu weniger Abgaben ist mit dem geplanten Abbau des Soli bereits gemacht", erklärte Wirtschaftsministerin Zypries und verwies in Ihrer Rede auf die vielen guten Ergebnisse für das Handwerk in der vergangenen Legislaturperiode. Ob beim Thema EU-Dienstleistungspaket, der Verteidigung des Meisterbriefs oder dem Schutz des Kammerwesens - die Bundesregierung habe sich für die Belange des Handwerks eingesetzt. "Wir stehen zum Meister und das wird auch in der neuen Bundesregierung so bleiben", betonte Zypries.

Das größte Problem des Handwerks sei sein derzeitiger Erfolg, sagte Zypries. Die gute Konjunktur und die vollen Auftragsbücher würde vielen Betrieben die Zeit nehmen, sich auf die Herausforderungen der Zukunft vorzubereiten.

Digitalisierung des Handwerks

Zypries markierte die Digitalisierung als größte Herausforderung für das Handwerk der Zukunft. "Die Art zu Wirtschaften verändert sich fundamental", sagte Zypries. Unterstützen will die Politik das Handwerk etwa mit stärkeren Investitionen in die Berufsbildungszentren unter dem Schlagwort Berufsbildung 4.0. Außerdem verwies die Ministerin auf die neu geschaffenen bundesweiten Kompetenzzentren des digitalen Handwerks, wo sich Handwerker anbieterneutral über die Möglichkeiten der Digitalisierung informieren können.

Als weitere wichtige Säule für die Zukunft des Handwerks nannte Zypries die Einführung eines Berufsabiturs, die die Attraktivität des dualen Ausbildungssystem zusätzlich steigern könnte. "Es hilft der Wirtschaft nicht, wenn jeder Jugendliche meint, studieren zu müssen", so Zypries. Bayerns Wirtschaftsministerin Aigner sagte, dass gerade im Bereich der Studienabbrecher noch ein großes ungenutztes Fachkräftepotential für das Handwerk vorhanden ist. Eine gezielte Fachkräftestrategie müsse auch dazu führen, dass sich künftig mehr Frauen in Handwerksberufen ausbilden lassen, ergänzte Zypries.

Die Internationale Handwerksmesse ist noch bis zum 13. März für Besucher geöffnet.

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