Halle (Saale) -

Quelle für qualifizierten Nachwuchs Zurück zur Meisterpflicht in bestimmten Berufen

Erfreut zeigte sich der Präsident der Handwerkskammer Halle, Thomas Keindorf, über die Vorschläge der Koalitionsfraktionen im Bundestag, die 2004 abgeschaffte Meisterpflicht für verschiedene Handwerksberufe wieder einzuführen.

Dazu erklärte Keindorf: „Bereits 2004 haben wir auf die negative Konsequenz der Abschaffung der Meisterpflicht hingewiesen, dass kleinere und weniger leistungsfähigere Betriebe kaum ausbilden. Es gab zwar einen enormen Anstieg an neuen Unternehmen, jedoch mit einer geringeren Beschäftigtenzahl.“

Exemplarisch wird diese Entwicklung am Fliesen-, Platten- und Mosaiklegerhandwerk deutlich: Ende 2002 gab es 182 Betriebe im Kammerbezirk Halle, aktuell sind es 1284. Die Unternehmen haben neben dem Inhaber im Durchschnitt nur noch einen weiteren Beschäftigten. Vor der Abschaffung der Meisterpflicht waren es noch etwa zehn Mitarbeiter. Die Zahl der Lehrlinge ist in dieser Zeit von 96 Auszubildenden auf acht gesunken.

„Die damalige Erwartung der Politik, dass sich durch Abschaffung der Meisterpflicht mehr Fachkräfte gewinnen ließen, hat sich nicht erfüllt“, stellt Keindorf fest. Neben den geringeren Ausbildungszahlen hat die Zahl der Meisterprüfungen in den meisterpflichtbefreiten Gewerken abgenommen. „Je weniger Handwerksunternehmer eine Meisterausbildung absolvieren, desto stärker ist die Weitergabe von Wissen und Fertigkeiten gefährdet. Wir geraten somit in einen Kreislauf, der zu immer weniger Fachkräften führt“, macht Keindorf deutlich.

Hintergrund

Die beiden stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden von CDU und SPD im Bundestag, Carsten Linnemann und Sören Bartol, haben die Wiedereinführung der Meisterpflicht in bestimmten Handwerksberufen gefordert, da die Qualität der Arbeit als auch die Nachwuchsgewinnung durch das Aufheben der Meisterpflicht gelitten hätte. Der Zentralverband des Handwerks (ZDH) hat darauf reagiert und zwei Gutachten in Auftrag gegeben, wie eine europa- und verfassungskonforme Neuregelung aussehen könnte.

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