Panorama -

Ein Kfz-Mechanikermeister ist auf Tour Zurück in die Zukunft: Weltreise mit dem DeLorean

Der Film "Zurück in die Zukunft“ hat den DeLorean bekannt gemacht. Drei Jahrzehnte später sorgt ein Kfz-Mechanikermeister für Aufsehen. Wolfgang Hank will im DeLorean einmal die Welt umrunden.

Frühjahr 2010. Wolfgang Hank sieht einen Bericht über zwei Motorradfahrer, die mit ihren Maschinen die Welt umrundet haben. Da kommt dem Kfz-Mechanikermeister aus Augsburg spontan der Einfall. Er tippt in sein Handy: "Was hältst du von der Idee, mit zwei DeLoreon um die Welt zu fahren?“ 

Senden. Empfangen. Lange kommt erst einmal nichts. Doch Hank hat einen Nerv getroffen: Sein Freund präsentiert ihm Tage später seine ersten Recherche-Ergebnisse, wie man den Plan in die Tat umsetzen könnte. Damit war die Idee geboren: Einmal um die Welt mit dem DeLorean DMC-12, dem Sportwagen aus den 1980-Jahren mit den markanten Flügeltüren.

Die Idee: vier Kontinente, drei DeLorean, ein Ziel

Fünf Jahre später haben Hank und seine zwei Freunde, Klaus Steiner und Andre Springer, Nägel mit Köpfen gemacht. Der Start: 5. September 2015, Kfz-Innung Schwaben in Augsburg. Das große Ziel: 26. Mai 2016, Nordirland.

Dazwischen liegt eine Weltreise über den Balkan nach Arabien, von Indien nach Singapur, mit der Fähre nach Australien, einmal über den Pazifik nach Vancouver, ein Abstecher nach Nordamerika, mit dem Schiff nach Island und weiter nach Nordirland. So eine Tour will gut geplant sein. Deshalb standen vor dem Start etliche Testphasen und Probetouren nach Spanien, Frankreich und sogar einmal rund um den Polarkreis an.

Die Fahrzeuge mussten für die Strapazen vorbereitet werden: Umbauten beim Fahrwerk, der Kühlung oder im Kraftstoffsystem.

"Ich kannte alle Modelle auswendig"

Hanks Herz schlägt seit der Schulzeit für den Sportwagen aus rostfreiem Edelstahl. Den Keim pflanzte sein Lehrer, als er dem damals 12-Jährigen einen Katalog mit den neuen Modellen von 1981 schenkte. "Als heranwachsender Autofan begleitete mich der Hochglanzkatalog tagtäglich. Bald kannte ich alle 1.200 Modelle mit sämtlichen technischen Daten auswendig.“, erzählt der 47-Jährige heute.

Das Kultfahrzeug mit den Flügeltüren hatte es ihm ganz besonders angetan: "Edelstahlkarosse, Türen, die nach oben öffnen, scharfes Design. Wow!“ Und diese Begeisterung hat sich bis heute gehalten. Somit war es nach Abschluss der Ausbildung zum Kfz-Mechaniker nur noch eine Frage der Zeit, wann der erste DMC-12 den Weg in die eigene Werkstatt nach Augsburg fand.

Fotoshooting vor der Skyline Dubais

Auf ihrer Weltreise treffen die drei immer wieder auf DeLorean-Fans. Einer davon ist Fotograf James Hutchinson, ein Engländer, der jetzt in Dubai, Vereinigte Arabische Emirate, lebt. Er und die Weltumrunder trafen sich am Tag 21 der Tour für ein ganz besonderes Fotoshooting. Entstanden sind beeindruckende Aufnahmen vor der Skyline von Dubai. Damit ging auch für Hutchinson ein Traum in Erfüllung: "Ich bin ein Kind der 1980er-Jahre und liebte die Filme, die den DeLorean so bekannt gemacht haben. Als ich dann so nah an den Fahrzeugen war, entstand eine emotionale Verbindung. Das werde ich nie in meinem Leben vergessen.“

Die Leidenschaft zum DeLorean verbindet Menschen auf der ganzen Welt. Deshalb verwundert es nicht, dass vor Hanks Werkstatt in Augsburg des Öfteren DeLorean mit ausländischen Kennzeichen stehen. „Unser Haus ist international als professioneller Fachbetrieb rund um den DMC-12 bekannt“ sagt Hank. Seit 15 Jahren kümmert er sich mit seinem "Team Deloman“ um die Sorgen und Nöten des DeLoreans.

Die DeLorean-Welttour

Mit der Militäreskorte von Kathmandu nach Indien

Hanks Weltreise fällt auf ein ganz besonderes Datum. 2015 ist das Jahr der Zukunftsvision des Kultfilms „Zurück in die Zukunft II“ aus den 80ern. Darin reist Marty McFly mit seinem DeLorean in die Zukunft und landet am 21. Oktober 2015 in Kalifornien. "Die Bedeutung des Datums war uns bekannt. Das hatte aber keinen Einfluss auf unsere Reise“, erzählt Hank. Deshalb sollte dieser Tag wie jeder andere sein mit dem Ziel, die Tagesetappe zu meistern. Doch es kam anders als geplant. 

Am Morgen des 21. Oktober startete er von der Hauptstadt Nepals, Kathmandu, in Richtung Indien. Aufgrund von Unruhen in einem nepalesischen Bezirk war an Weiterfahren nicht mehr zu denken. Fahrverbot bis Mitternacht. Erst danach konnte die Tour fortgesetzt werden – begleitet von einer Militäreskorte.

Für Hank war das aber kein verlorener Tag: "Wir haben einige angenehme Gespräche mit Nepali und Indern geführt, es wurden zahllose Handybilder geknipst und jede Menge Fragen zur Tour, den Autos und Land und Leute erörtert. Somit war dieser Tag im Sinne des Untertitels der Tour ‚worldwide encounters‘ – weltweite Begegnungen – ein voller Erfolg. Auch ganz ohne Doc Brown, Marty McFly und den Flux-Kompensator.“

"Busfahrer mit suizidalem Gen": Aus dem Tagebuch eines Weltreisenden

Auf einem Blog halten Hank und seine zwei Mitreisenden online die Erlebnisse in einem Reisetagebuch fest – gespickt mit Bildern, Videos und einer tagesaktuellen Weltkarte, die den genauen Standort angibt. Nahezu täglich erfahren die Leser, welche Grenzübergänge Hank passiert, welche unerwarteten Ereignisse das Tagesziel gefährden und was Hank über Land und Leute berichtet. So einen Bericht verfasste er auch für den 21. Oktober, an dem der Augsburger erleben konnte, was Straßenverkehr in Indien bedeutet:  

Indische beziehungsweise  nepalesische Busfahrer müssen ein suizidales Gen besitzen. Anders ist deren Fahrweise nicht erklärbar: Eine zweispurige Straße mit Gegenverkehr, drei Deloreans hintereinander auf der linken Spur (Linksverkehr!). Dann ein Minibus auf der zweiten Spur daneben, weiter rechts ein den Minibus überholender Reisebus, mit einem Rad schon auf der Grasnarbe, und wenn es hart auf hart kommt, drängelt sich noch ein einheimischer Wellblechbus irgendwo dazwischen. Und das alles unter ohrenbetäubendem Dauergehupe aller beteiligten Fahrzeuge.

Unfall in Indien

"Nach einem Unfall soll man als Fremder nie anhalten, sondern bis zum nächsten Polizisten weiterfahren", erklären die Weltreisenden. Dank der Dashcam in der Windschutzscheibe, konnten sie dem indischen Polizeischef ihre Unschuld beweisen.

Party in Belfast: Happy Birthday, DeLorean!

Wenn der Weltreisende Hank mit seinem DeLorean durch die Zeit reisen könnte wie im Film „Zurück in die Zukunft“, würde er auf diese Zusatzfunktion verzichten und die Gegenwart vorziehen: "Das Jahr 2015 erscheint mir aktuell als das Genialste überhaupt. Meine Tochter hat ihre Ausbildung begonnen, unser Betrieb ist fest im Markt etabliert, ich bin mit zwei guten Freunden und drei genialen Fahrzeugen auf einer extremen Weltreise unterwegs. Wer möchte da aus dieser Zeit verschwinden?“

Das Ziel der Welttour liegt in Belfast, Nordirland – nach mehr als 35.000 Kilometer und 264 Tagen. Das ist kein Zufall, denn am 26. Mai 2016 werden einige der geschätzt 5.000 DeLorean-Besitzer aus aller Welt zur Geburtsstätte des Fahrzeugs reisen, um gemeinsam den 35. Geburtstag des DeLoreans zu feiern. Etwa 9.000 Fahrzeuge entstanden in dem Werk der  DeLorean Motor Company LTD unweit von Belfast – bis der Hersteller knapp ein Jahr später 1982 Konkurs anmeldete. Der DMC-12 ist heute eine Ikone seiner Zeit und wird diesen Titel wohl auch noch bis lange in die Zukunft behalten – nicht zuletzt allein wegen seiner Erscheinung. Da ist sich Hank sicher.

Begleiten Sie Wolfgang Hank auf seiner Weltreise

Reisetagebuch, Fotos, Videos, Eindrücke, Live-Karte: Täglich berichten Wolfgang Hank und seine zwei Freunde von ihren Erlebnissen auf www.deloreanworldtour.com oder auf Facebook facebook.com/deloreanworldtour.

Mehr zum Thema
© deutsche-handwerks-zeitung.de 2019 - Alle Rechte vorbehalten