Stuttgart -

Ziele gesetzt und das Beste gegeben

Bundes- und europaweite Spitzenplätze für drei junge Handwerker aus Donzdorf.

Immer wenn Michael Varga und seine Kollegen gut gearbeitet haben, sieht man das eigentlich nicht. "Für Ziseleure ist es das Ziel, das Metall und den Guss so zu bearbeiten und die Oberfläche so zu gestalten, dass die vom Künstler gewollte Formensprache und Linienführung zur Geltung kommen", erklärt der 20-Jährige aus Donzdorf im Kreis Göppingen. Seit kurzem hat er aber doch einen sichtbaren Beweis für die Qualität seiner Arbeit: Er wurde Bundessieger beim Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks.

Wichtig: Spaß am Beruf ...

Gelernt hat er das Handwerk als Metallbildner Fachrichtung Ziseliertechnik bei der Strassacker GmbH in Süßen. Dort hängt seit seinem Abschluss auch sein Gesellenstück, mit dem er sich den Titel holte. Die Engelsfigur hat ursprünglich ein anderer Künstler entworfen. Seine Aufgabe für die Prüfung war es, sie zunächst in Wachs abzugießen und leicht zu verändern, zum Beispiel die Hände oder die Struktur des Mantels. Dazu musste er sämtliche erlernte Techniken wie zum Beispiel Schweißen, Löten oder Polieren einsetzen – und das mit meist selbst geschmiedetem Werkzeug, perfekt angepasst an seine Bedürfnisse. Zwischen 60 und 80 Stunden Zeit erlaubt die Prüfungsordnung für das Gesellenstück.

Noch ist er für ein Jahr bei Strassacker angestellt, danach will er vielleicht seinen Meister machen oder studieren – "wenn, dann auf jeden Fall etwas Gestalterisches“. Er hat schon als Jugendlicher gern gezeichnet – allerdings wie heute nur als Vorstufe. "Mir gefällt es, wenn ich später etwas in den Händen halten kann.“ Spaß am Beruf sei deshalb auch sein einziges Rezept, wie er es bis zu den Titeln brachte. "Und dann reinhängen und das Beste geben.“

Das macht auch Christian Lampart – sogar bei Minustemperaturen. Er arbeitet und wohnt jeweils nur wenige Minuten entfernt von Michael Varga und ist ebenfalls Bundessieger seines Fachs geworden. Kurz hat sich der Beton- und Stahlbetonbauer gerade mit seinen Kollegen in einer Bäckerei aufgewärmt. Als Erster ist er wieder raus, um aufzuräumen und mit den anderen die von Leonhard Weiss GmbH betriebene Baustelle am Süßener Bahnhof aufzulösen. "Ich konnt’s gar nicht fassen“, beschreibt er seine Gedanken nach der Bekanntgabe des Sieges.

... Ziele ...

Sieben Stunden Zeit hatte er beim Bundeswettbewerb im schleswig-holsteinischen Bad Segeberg, um eine Holzschalung für einen achteckigen Stützenkopf zu bauen, wie man ihn für Brückenpfeiler braucht. Speziell für die Mammutaufgabe üben konnte er während seiner Ausbildung nicht. Dennoch war er sich schon nach getaner Arbeit bewusst, dass sie ihm "ziemlich gut gelungen“ war – am Ende erreichte er 94 von 100 möglichen Punkten, zehn mehr als der Zweitplatzierte. "Da war die Freude doch ziemlich groß“, sagt er. Ein Geheimrezept für einen Sieg hat er nicht – wohl aber für Erfolg im Beruf allgemein: "Man muss sich seine Ziele setzen, damit man weiterkommt.“

Das hat Christian Lampart bereits getan: Er will ein Bauingenieurstudium beginnen. Finanzieren wird er es sich durch die Begabtenförderung und eine Stelle als Werkstudent bei seinem bisherigen Arbeitgeber. Seine jüngeren Kollegen hat er mit dem Sieg zusätzlich motiviert: Ein Azubi im zweiten Lehrjahr steht neben ihm und erklärt, dass auch er Bundessieger werden möchte.

... und Talent

Bis Lissabon reiste der ebenfalls aus Donzdorf stammende Armin Hummel für seinen Wettbewerb, um sich bei den EuroSkills mit Stuckateuren anderer Länder zu messen. Am Ende holte er Silber. Und das mit aufwändigen Stuckarbeiten, wie er sie beim Kunden selten einsetzen kann. Deshalb war er zuvor für einige Tage ins "Trainingslager“ im Ausbildungszentrum für Stuckateure in Leonberg gegangen.

Doch der 21 Jahre alte Vizeeuropameister hat auch bislang schon gezeigt, dass er selbst weiß, wie er etwas erreichen kann. Sein Ausbilder Jürgen Hofele wollte ihn zunächst aufgrund seiner Noten nicht einstellen. "Aber er war hartnäckig“, berichtet der Stuckateurmeister. Und als Armin Hummel erfuhr, dass der eigentlich vorgesehene Lehrling abgesagt hatte, bewarb er sich erneut bei Hofele und durfte probearbeiten. "Da hat sich dann gezeigt, dass er großes Talent hat“, schwärmt sein Chef. Während der Ausbildung startete Armin Hummel dann durch und schloss mit 1,2 im praktischen und der Note 1,4 im theoretischen Teil ab.

Sein Erfolgsrezept? "Einfach aufpassen in der Lehrzeit“, sagt er. Und ehrgeizig sein: Schon in den ersten Tagen habe ihn sein neuer Azubi gefragt, wie weit er es denn einmal bringen könne, erzählt Hofele. Vier Jahre später kann Armin Hummel es sogar weiter bringen, als es ihm sein Chef damals gesagt hatte: Im Herbst messen sich die Besten Europas mit Stuckateuren aus der ganzen Welt. Für Armin Hummel ist das Ziel bei den WorldSkills klar: "Natürlich Gold!“

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