Meinung -

Nachfolgeregelung Betriebsübergabe: Zeit zur Besinnung

Über die Reform der Erbschaftsteuer herrscht weiter Uneinigkeit. Die Wartezeit sollten Betriebe aber nicht tatenlos verstreichen lassen und sich frühzeitig über die Nachfolgeregelung Gedanken machen.

Das Geschäft im Handwerk brummt. Viele Betriebe haben alle Hände voll zu tun. Gedanken an die Erbschaftsteuer, an die Nachfolge verschwenden da nur wenige. Und die Finanzpolitiker haben angesichts ihrer unterschiedlichen Grundüberzeugungen noch keinen Kompromiss gefunden. Dabei sollte die Erbschaftsteuerreform eigentlich schon längst in trockenen Tüchern sein.

Ein gutes Jahr ist es her, seit das Bundesverfassungsgericht sein Urteil zur Erbschaftsteuer gefällt hat. Mitte Dezember 2014 hatte es die bisherigen Ausnahmen für Erben kleiner oder großer Unternehmen gegenüber anderen Erben für zu großzügig erklärt und eine Reform des Erbschaftsteuergesetzes bis spätestens 30. Juni 2016 angemahnt.

Bundesfinanzminister Schäuble hat zwar Mitte des Jahres ein Konzept vorgelegt, das auch vom Kabinett beschlossen wurde. Aber seither streiten sich die Koalitionäre. Die CDU befürchtet eine zu starke Belastung der Betriebe und den Verlust von Arbeitsplätzen. Die SPD würde dagegen die Unternehmenserben lieber noch stärker zur Kasse bitten.

Betriebsübergaben werden teurer

Nicht ganz so viele Handwerksbetriebe wie bisher werden sicherlich künftig von der Erbschaftsteuer vollständig verschont. Dazu trägt bei, dass das so genannte Verwaltungsvermögen stärker als bisher berücksichtigt werden soll. Unter dem Strich werden viele Betriebsübergaben künftig mit gewissen Belastungen einhergehen. In den nächsten Wochen kommt es darauf an, diese Mehrbelastung in Grenzen zu halten.

Das gilt nicht nur für die Steuer an sich. Das gilt auch für die Berechnung des Unternehmenswertes. Hier sind praktikable Lösungen gefragt, die nicht alles noch komplizierter machen. Der Gesetzgeber muss dafür sorgen, dass ein solcher Wert nicht durch eine extreme Kapitalmarktsituation verzerrt wird. Gerade im Handwerk ist es wichtig, dass das für realistische Bewertungen bekannte so genannte AWH-Verfahren bundesweit anerkannt und genutzt wird.

Für eine gelungene Unternehmensnachfolge ist die Erbschaft- oder Schenkungsteuer nur ein Baustein. Auch der Unternehmer selbst muss rechtzeitig die Weichen stellen. Er muss schon früh mit Familien­angehörigen oder Mitarbeitern sprechen, sie auf die Aufgaben vorbe­reiten und Perspektiven bieten. Auch die Suche externer Nachfolger braucht ihre Zeit. Ganz zu schweigen von steuerlichen und rechtlichen Fragen. Fünf Jahre Vorlauf sind da realistisch. Auch darauf sollte man sich rechtzeitig besinnen.

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