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Erholung muss sein Zehn Tipps für die perfekte Urlaubsplanung

Urlaube sind wichtige Pausen vom Arbeitsalltag. Selbstständige sollten sich das gönnen. Für zwischendurch reichen aber auch kleine Erholungsinseln. Die besten Tipps für die Urlaubsplanung.

Zehn Tipps für die Urlaubsplanung
Eine gute Urlaubsplaung ist nicht so schwierig. Es muss nicht immer der große Urlaub sein. Auch kleine Erholungsinseln im Alltag, wie eine Wanderung oder eine Paddeltour, können die Kraftreserven wieder... -

Der Mensch ist wie ein Auto: Regelmäßig gewartet, gut gepflegt und zur rechten Zeit aufgetankt läuft die Maschine. Ansonsten bleibt sie früher oder später stehen. Michael Stark verwendet gerne den Vergleich mit der Tankuhr, wenn er vom "Seelenenergiefass" spricht. "Beim Auto reagiert jeder, wenn die rote Warnleuchte kommt. Bei sich selbst bemerken es viele nicht", bleibt der Professor für Psychiatrie und Psychotherapie am Asklepios Westklinikum in Hamburg beim Bild.

Zehn Tipps für die Urlaubsplanung
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In seinem Zentrum zur Behandlung von Stress und Erschöpfung bietet der Mediziner einen kostenlosen Test an, der Warnzeichen für Erschöpfungszustände abfragt. Darin bewertet er typische Stresssymptome wie zunehmende Gereiztheit, erhöhten Alkohol- oder Nikotinkonsum, Konzentrationsprobleme und vieles mehr.

Warum eine gute Urlaubsplanung für Selbstständige besonders wichtig ist

Immer häufiger bemerken Menschen solche Symptome zu spät an sich. Zwar gibt es im Handwerk weniger psychische Diagnosen als in anderen Sektoren, doch der Trend geht nach oben, beobachtet die Innungskrankenkasse IKK classic. "Gerade Selbstständige können in den Strudel der Selbstvernachlässigung und Selbstausbeutung geraten, weil sie mit Herz und Seele dabei sind", sagt Stark. Hinzu kommt, dass sich besonders Kleinunternehmer kaum Pausen gönnen. An mindestens sechs Tagen die Woche arbeiten sie von frühmorgens bis spätabends, für Urlaub sehen sie weder den zeitlichen noch den finanziellen Raum.

Dabei ist Urlaub eine wichtige Zäsur, in der sich der Chef nicht nur erholt, sondern wo er auch neue, kreative Ideen entwickeln kann. Im Zweimannbetrieb braucht das mehr Urlaubsplanung und Organisation als im 20-Mann-Unternehmen. Für den Einstieg empfiehlt Michael Stark deswegen das Nutzen von Erholungsinseln im Alltag. Er empfiehlt, viele kleine Gelegenheiten zu nutzen: ein nettes Mittagessen, Gespräche mit der Familie oder ein ruhiger Spaziergang. Urlaub plant man von langer Hand.

Urlaubsplanung: Mit diesen zehn Tipps kein Problem

1. Der Urlaub sollte auf Zeiten gelegt werden, die im Betrieb erfahrungsgemäß ruhiger sind. Bei allen Projekten und Terminzusagen plant man die Abwesenheit ein.

2. Für Urlaubs-, aber auch Krankheitszeiten braucht der Chef einen Stellvertreter, am besten aus der Familie oder dem Betrieb. Alternativen sind ein professioneller Büro- und Telefonservice oder ein vertrauenswürdiger Kooperationspartner, mit dem man sich wechselseitig vertritt.

3. Kunden und Geschäftspartner sollten schon vorab von der geplanten Abwesenheit wissen. Auf dem Anrufbeantworter oder per Autoresponder im E-Mail-Programm erfahren sie, an wen sie sich in dringenden Fällen wenden können.

4. Zwei Tage vor offiziellem Urlaubsantritt sollte der Chef sämtliche wichtigen Arbeiten und Projekte abgeschlossen haben. So hat er noch genug Zeit für Last-Minute-Aufgaben, kann alles ordnen und im Urlaub besser abschalten. Nach der Rückkehr an den Arbeitsplatz empfiehlt sich wiederum ein dienstlicher Puffer von ein bis zwei Tagen, um Post, Anrufe und E-Mails in Ruhe abzuarbeiten. Damit Kunden und Geschäftspartner jetzt nicht schon auf der Matte stehen, ist der Unternehmer in dieser Zeit noch offiziell abwesend.

5. Nicht nur die eigentlichen ­Urlaubskosten, sondern vor allem den Verdienstausfall während der Abwesenheit muss der Unter­nehmer durch seine Einnahmen abdecken. Im Stundenverrechnungssatz sollte dies von vornherein einkalkuliert sein.

6. Am ersten Urlaubstag starten und am letzten zurückkehren heißt zwar, die Zeit maximal auszunutzen und damit den Urlaub perfekt zu planen. Der Erholung dient das aber nicht. Besser ist, ein bis zwei Tage Puffer vorher und hinterher einzuplanen, damit packen, organisieren und wieder daheim ankommen nicht unnötig viel Stress verursachen.

7. Je weniger Ferienzeit zur Verfügung steht, desto weniger Energie darf die Reise selbst kosten. Eine große Zeitzonendifferenz oder ein Klimaschock sind nur dann zu verkraften, wenn man mehrere Wochen Zeit hat. Wer sehr erschöpft in den Urlaub geht, wählt besser einen bekannten Ort, der leicht und schnell erreichbar ist und an dem er sich von Anfang auskennt.

8. Fachliteratur, geschäftliche Unterlagen, vor allem aber E-Mails und dienstliche Telefonate zerstören den Erholungseffekt und sollten möglichst ganz weggelassen werden.

Persönlicher Biorhythmus braucht zwei Wochen

9. Stark Erschöpfte sollten sich im Urlaub vor allem erholen. Dazu gehört nicht nur der Liegestuhl, sondern auch körperliche Bewegung, die dem gedanklichen Kreisen um die Arbeit ein Ende macht. Gerade Unternehmer, die viel Verantwortung tragen und laufend Entscheidungen treffen müssen, sollten sich im Urlaub nicht neue Aufgaben aufladen. Wer nicht erschöpft ist, profitiert im Urlaub vor allem von Erlebnissen, die im Kontrast zum Arbeitsalltag stehen. Entscheidend für den Grad der Erholung ist aber vor allem die zeitliche Selbstbestimmung.

  10. Für die perfekte Urlaubsplanung empehlen viele Experten einen mindestens zweiwöchigen Urlaub und mehrere Kurztrips pro Jahr. Fakt ist, dass der Mensch durchschnittlich 14 Tage braucht, um von der zeitlichen Fremdbestimmung während der Arbeitszeit auf den persönlichen Biorhythmus umzuschalten. Andererseits sinkt ab zwei Wochen die Intensität der Erholung im Urlaub. Jeder muss für sich prüfen, wie viel Tage pro Jahr er seinem Betrieb fern bleiben kann und wie er diese Zeit aufteilen muss, um für sich das Maximum an Erholung herauszuholen.

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