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Trend zur abhängigen Beschäftigung Zahl der Solo-Selbstständigen sinkt

In Deutschland gibt es immer weniger Unternehmer - vor allem weil die Zahl der Solo-Selbstständigen laut einer aktuellen Studie sinkt. Und noch ein Trend scheint bei den Ein-Mann-Betrieben gebrochen.

In Deutschland gibt es immer weniger Gründer. Während die Zahl der neu gegründeten Unternehmen bereits seit 2007 stagniert, nimmt seit 2012 auch die Anzahl der Selbstständigen ab. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Deutschen Institutes für Wirtschaftsforschung (DIW). So lag die Zahl der Selbstständigen im zweiten Quartal 2015 um fast 100.000 niedriger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres – das entspricht einer Verringerung um 2,2 Prozent.

Dieser Trend erstreckt sich über alle Branchen. Lediglich im Baugewerbe verzeichneten die Forscher aufgrund der guten Konjunktur einen kräftigen Anstieg der Selbstständigkeit.

Besserer Verdienst bei Solo-Selbstständigen

Zurückzuführen ist der Rückgang der Zahl der Selbstständigen in den vergangenen Jahren laut Studienautoren fast ausschließlich auf die Anzahl Solo-Selbstständigen, die ebenfalls geschrumpft ist. Denn insbesondere Unternehmer, die ohne Angestellte arbeiteten, waren in den Vorjahren für den Anstieg der Gründerzahl verantwortlich.

Auffällig ist hier auch: Solo-Selbstständige verdienen immer besser. Der Anteil der Geringverdiener ist bei den Ein-Mann-Betrieben seit 2011 gesunken. Die Zahl der Solo-Selbstständigen, die mehr als 25 Euro die Stunde verdienen, ist zugleich gestiegen.

Entwicklung nicht überbewerten

"Man sollte das aber nicht überbewerten und darin eine Anpassung des Einkommensniveaus der Selbstständigen an frühere Zeiten sehen", sagt DIW-Arbeitsmarktexperte Karl Brenke. Derzeit erzielten immer noch etwa ein Viertel aller Selbstständigen einen Bruttoarbeitslohn, der unter dem Mindestlohn von 8,50 Euro liegt. "Der zeitweilig höhere Anteil der Geringverdiener dürfte auch mit dem Wegfall der Subventionen zusammenhängen, die nicht selten zu einer Selbstständigkeit angeregt haben, bei der es nicht viel zu verdienen gab", erläutert Brenke.

Mit dem Rückgang der Selbstständigenzahl seit 2012 ist ein Trend gebrochen, der als Element eines Strukturwandels auf dem Arbeitsmarkt gesehen wurde. Angesichts der guten Lage auf dem Arbeitsmarkt ziehen inzwischen gerade jüngere Leute die abhängige Beschäftigung vor – es wachsen weniger Gründer nach. Einen eigenen Betrieb zu führen, hat an Attraktivität verloren.

Ob diese Entwicklung anhält, ist noch nicht abzusehen. Nicht auszuschließen ist laut den Studienautoren, dass "infolge der Einführung des allgemeinen Mindestlohns Unternehmen versuchen werden, bisher abhängige in selbstständige Beschäftigung umzuwandeln." dhz

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