Ausbildung -

Berufsbildungsbericht Zahl der Ausbildungsverträge auf Rekordtief

Trotz Fachkräftemangel nimmt die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge weiter ab – auch im Handwerk. Die Bundesregierung will jetzt möglichst früh gegensteuern und den Übergang von der Schule die duale Ausbildung flächendeckend fördern.

Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt verschärft sich zusehends. Noch nie seit der Wiedervereinigung hat es so wenig neue Ausbildungsverträge gegeben. "Die Zahl der neu abgeschlossenen Verträge ist auf 522.200 gesunken", sagte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) zu den im Berufsbildungsbericht veröffentlichten Zahlen zum 30. September 2014. Gleichzeitig hat sich die Zahl der offenen Stellen auf 37.100 erhöht.

Verbessert hat sich dagegen die Lage der unversorgten Bewerber. Ihre Zahl ist leicht auf 20.900 gesunken. Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) räumte ein, dass es trotz demografischen Wandels immer noch Probleme im Übergang zwischen Schule und Beruf gebe. Mit einem 1,3 Milliarden Euro umfassenden Förderprogramm bis 2018 wollen die beiden Ministerinnen jetzt den Berufseinstieg in die duale Ausbildung mit "frischem Geld" unterstützen. Auch das Handwerk soll davon profitieren.

Weniger Ausbildungsverträge auch im Handwerk

Denn auch im Handwerk hat sich die Lage weiter verschlechtert. So ist die Zahl der neu abgeschlossenen Verträge laut Berufsbildungsbericht um 0,6 Prozent auf 141.234 zurückgegangen. Dabei bezieht sich der Rückgang allein auf den Westen. Im Osten hat die Zahl der neu abgeschlossenen Verträge nach einer Talsohle in den vergangenen Jahren sogar wieder etwas zugenommen.

Allerdings konnten auch im Handwerk laut Berufsbildungsbericht bis Ende September 8,4 Prozent der Lehrstellen nicht besetzt werden. Zum Jahresende waren im Handwerk 20.000 (Vorjahr: 15.000) Stellen offen. Ein Höchststand. Wie ZDH Präsent Hans-Peter Wollseifer sagte, hätten immer mehr Handwerksbetriebe Schwierigkeiten, ihre Stellen zu besetzen, gleichwohl bleibe die Ausbildungsbereitschaft hoch. Dabei haben laut Berufsbildungsbericht insbesondere kleine Betriebe Probleme, ihre Stellen zu besetzen.

Prävention statt Reparatur

Noch stärker als bisher sollen potenzielle Auszubildende schon in der Schule individuell angesprochen und bis in die Ausbildung hinein begleitet werden. "Wir setzen damit auf Prävention statt auf Reparatur", sagte Wanka.

Die bestehende Berufseinstiegsbegleitung solle nicht wie bisher nur in Modellprojekten, sondern künftig flächendeckend angeboten werden, sagte Nahles. Schüler sollten dabei schon früh ihre Stärken erkennen lernen. Entsprechende Berufsbilder sollten vorgestellt und die Lehrlinge in die Lehre hinein begleitet werden. Dabei sollten die Aktivitäten auf rund drei Viertel der betroffenen Schulen ausgeweitet und die Arbeit von Jobcenter, Kammern, Schulen, Kommunen gut aufeinander abgestimmt werden.

Darüberhinaus sollen rund 10.000 Schüler vor und während der ganzen Ausbildungszeit durch einen Ausbildungscoach unterstützt werden. Daneben soll es weiter ausbildungsbegleitende Hilfen etwa zur Sprachförderung geben. Auch das Programm MobiPro solle für 2.000 zusätzliche Stellen weiterlaufen, versicherte Nahles.

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