Meinung -

Leitartikel Worten müssen Taten folgen

Wie geht es weiter in Sachen Breitbandausbau, Meisterbrief und Berufsbildung? Das waren die großen Fragen und Themen beim Spitzendialog der Bundesregierung mit dem Handwerk.

Die Vollversammlungen der Spitzenorganisationen des Handwerks in Berlin waren einmal mehr Gelegenheit zum Dialog mit Spitzenvertretern der Bundesregierung. Beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, Alexander Dobrindt, gab es die Möglichkeit, neben der Maut insbesondere die Themen Breitbandausbau sowie die Vergabepraxis bei großen Infrastrukturprojekten anzusprechen. Bei Letzteren wird immer mehr die Vergabe an Generalunter- oder Generalübernehmer praktiziert.

Der Haken dabei: Das Handwerk kommt damit nicht nur beim eigentlichen Bauvorhaben nicht mehr zum Zuge, sondern auf viele Jahre auch bei Wartungsarbeiten nicht. Hier müssen mittelstandsfreundliche Lösungen gefunden werden, damit Handwerksbetriebe nicht mehr nur als Subunternehmer eine Chance haben. Das ist nicht nur wirtschafts-, sondern auch gesellschaftspolitisch eine wichtige Frage. Sonst kann das Handwerk den so genannten ÖPP-Projekten nicht zustimmen.

Bildungsministerin steht hinter dem Handwerk

Bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Prof. Johanna Wanka, bestand Gelegenheit, all die Fragen anzusprechen, die dem Handwerk bei der Gewinnung von Berufsnachwuchs auf den Nägeln brennen. Das Handwerk hat die Bundesministerin auf seiner Seite; auch bei seinen Initiativen, attraktive Bildungs- und Karrierewege zu ermöglichen und neue Zielgruppen, wie Studienabbrecher, für sich zu gewinnen.

Wichtig auch die Zusage der Bundesministerin, die beruflichen Bildungszentren zu unterstützen, dass sie sich fit für die Herausforderungen der Digitalisierung machen. Und ganz entscheidend: Frau Wanka sieht ein, dass es nach den Initiativen und vielen Geldern für die Hochschulen nun angebracht ist, sich verstärkt der beruflichen Bildung zu widmen.

Altmaier will Meisterbrief verteidigen

Kanzleramtsminister Peter Altmaier hatte die vermeintlich undankbare Aufgabe, die Bundeskanzlerin zu vertreten, die in Paris zu Spitzengesprächen in Sachen Ukraine und Syrien weilte. Er hat diese Aufgabe mit Bravour gemeistert und sich gleich die Herzen der Zuhörer erobert, als er vom besten Handwerk, das wir je hatten, sprach. Er erläuterte dies insbesondere mit dem Beitrag des Handwerks zum Gelingen der deutschen Einheit und den aktuellen Initiativen dieses Wirtschaftsbereichs für die Integration von Flüchtlingen und Asylbewerbern. Sehr positiv aufgenommen wurden auch das Bekenntnis Altmaiers zum Meisterbrief sowie seine Zusage, diesen auch in Brüssel zu verteidigen.

Der Bundeskanzleramtsminister zeigte auch ungeschönt die Herausforderungen auf, vor denen wir stehen. Dabei warnte er zu Recht eindringlich davor, in unserem Land den Kurs der Konsolidierung aufzugeben. Auch die aktuellen Herausforderungen sollten nicht als Begründung dafür herhalten, leichtfertig wieder Schulden zu machen oder Steuern zu erhöhen. Jeder Handwerker wird Peter Altmaier auch zustimmen, wenn er mit Blick auf die Mindestlohnbürokratie sagt, man solle den Menschen zutrauen, dass sie vernünftig mit Gesetzen umgehen.

Bekenntnis zum Standort trotz VW-Skandal

Zustimmen muss man Minister Altmaier, wenn er darauf hinwies, dass sich die Politik gerade jetzt zum Automobilstandort Deutschland bekennen muss. Vom VW-Abgas-Skandal hängt schließlich auch das Schicksal vieler Kfz-Betriebe und vieler Zulieferer ab. Die Treffen des Handwerks mit den Ministern sollten allerdings nicht nach dem Motto erfolgt sein „Gut, dass wir darüber gesprochen haben“. Den Worten müssen jetzt auch Taten folgen.

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