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Arbeitssucht Workaholics: Darum leben sie ungesund

Als Workaholic bezeichnet man sich gerne selbst - oft spaßeshalber, mit einem Augenzwinkern. Doch das Phänomen der Arbeitssucht ist weit verbreitet. Wer süchtig nach Arbeit ist, kann in seiner Freizeit nicht loslassen, denkt immer und überall an den Betrieb — und kann krank werden.

Laut einer AOK-Studie aus dem Jahr 2013 ist jeder neunte Deutsche arbeitssüchtig. Eine norwegische Studie kam ein Jahr später zu dem Ergebnis, dass 8,3 Prozent der Erwerbstätigen in Norwegen Workaholics sind. Das Phänomen ist in der westlichen Welt also kein Randproblem, sondern ein weit verbreitetes.

Arbeitssucht: Wer ist betroffen?

"Arbeitssucht kann jeden treffen, sogar Arbeitslose", sagt die promovierte Kommunikationspsychologin und Karriere-Trainerin Ute Rademacher der Deutschen Handwerks Zeitung. "Denn auch diese können sich exzessiv und ständig der Aktivität im Haushalt, Garten, Vereinen oder Ehrenämtern widmen." Besonders häufig betroffen seien aber Manager, Führungskräfte im Allgemeinen, Ärzte, Lehrer oder Krankenpfleger - Berufsprofile also, in denen Arbeitsdichte und emotionale Belastung hoch sind, die Grenzen zwischen Beruf und Privatleben verschwimmen. Dazu können auch - wenngleich nicht überproportional vertreten - Handwerker zählen.

Aber: Nicht jeder, der viel und hart arbeitet, ist automatisch arbeitssüchtig, so Rademacher. Es komme vielmehr darauf, welchen Stellenwert die Arbeit im Leben einnimmt. Wenn sie der einzige Lebensinhalt, die ausschließliche Quelle von Sinn, Freude und Selbstbestätigung ist, dann kann Arbeit süchtig - und auf Dauer krank machen.

Arbeitssucht: Warum ist sie gefährlich?

Eine Studie der Universität Bergen in Norwegen bestätigt diese Einschätzung. Demnach leiden Workaholics deutlich häufiger unter psychischen Problemen als "Normalos". Während fast 33 Prozent der Workaholics von der Aufmerksamkeitsdefizitstörung ADHS betroffen sind, leiden von den Nicht-Arbeitssüchtigen nur rund zwölf Prozent darunter. Auch haben Arbeitssüchtige wesentlich höhere Quoten bei Zwangsstörungen, Angstzuständen und Depressionen.

Andererseits ist Arbeitssucht kein klinisch anerkanntes Suchtverhalten. Es gibt nur wenige fundierte Fragebögen, mit denen sich Arbeitssucht diagnostizieren lässt. Doch lassen oft schon einfache Checklisten Rückschlüsse zu.

Dazu zählt zum Beispiel die von der Uni Bergen entwickelte Bergen Work Addiction Scale. Sieben Testfragen sollen die Probanden im Selbstversuch beantworten; stets mit der Frage im Hinterkopf, wie oft das jeweilige Szenario im vergangenen Jahr der Realität entsprach - von 1 (nie), selten (2), manchmal (3), oft (4) bis 5 (ständig).

Test: Sind Sie ein Workaholic?

  • Sie denken darüber nach, wie Sie mehr Zeit für die Arbeit freimachen können.
  • Sie arbeiten länger als ursprünglich geplant.
  • Sie arbeiten, um Gefühle von Schuld, Angst, Hilflosigkeit und Depression loszuwerden.
  • Sie wurden von anderen bereits aufgefordert, weniger zu arbeiten, haben aber nicht auf sie gehört.
  • Sie fühlen sich gestresst, wenn Sie nicht arbeiten können oder dürfen.
  • Hobbys, Freizeitaktivitäten und Sport wandern auf Ihrer Prioritätenskala der Arbeit wegen nach unten.
  • Sie arbeiten so viel, dass es Ihren Gesundheitszustand negativ beeinflusst.

Wer hier bei mindestens vier Antworten eine 4 oder 5 vergibt, fällt laut Uni Bergen in die Kategorie eines Workaholic und sollte sich um Hilfe bemühen.

Arbeitssucht: Was dagegen hilft

Dabei kommt vor allem den Unternehmen eine wichtige Rolle zu. Sie sind es, die Workaholics in ihrem Arbeitseifer bremsen sollten. In der Realität aber geschieht häufig das genaue Gegenteil. Workaholics gelten - nicht immer zu Unrecht - als hochgradig engagiert, als Leistungsträger.

Aber die Sache hat mehr als einen Haken. Arbeitssüchtige werden auf Dauer nicht nur krank, sagt Ute Rademacher, sondern können sich im Arbeitsalltag schlechter konzentrieren, bringen weniger Mitgefühl auf, sind ungeduldig. Auch fällt es ihnen schwer, Aufgaben zu delegieren. Kurzum: Teamwork, Kooperation und Atmosphäre im Betrieb können massiv unter ihnen leiden.

"Wir haben herausgefunden, dass Workaholics Probleme haben, wenn sie sich alleingelassen fühlen oder ständig gegen Widerstände ankämpfen müssen", sagt Wayne Hochwarter von der Florida State University, die das Thema ebenfalls wissenschaftlich unter die Lupe genommen hat. Man müsse Arbeitssüchtigen einerseits Resourcen bereitstellen, ihnen Unterstützung anbieten.

Andererseits aber sollten Unternehmen Arbeitswütige nicht übermäßig belasten. "Realistische Erwartungen zu haben, sowohl in Bezug auf die Arbeit als auch auf den Mitarbeiter, ist entscheidend", so Hochwarter. Andernfalls könne es zum Leistungsabfall oder gar zum ausgewachsenen Burnout kommen.

Genau hingucken sollten Betriebe übrigens bei jungen weiblichen Mitarbeitern, die nicht in einer Beziehung sind und eine Führungsposition bekleiden. Dieser Typus sei laut Uni Bergen unter Arbeitssüchtigen besonders häufig anzutreffen.

Checkliste: Was Betriebe gegen Arbeitssucht tun können

  • Zu regelmäßigen Pausen ermuntern
  • Überstunden nur in Ausnahmefällen einfordern
  • Fehlerkultur im Betrieb fördern
  • Aufgaben delegieren und das Gleiche von den Mitarbeitern erwarten
  • Die Mitarbeiter zur Priorisierung ihrer Aufgaben auffordern
  • Realistische Ziele (im Mitarbeitergespräch) setzen
 
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