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Fachkräftemangel Wollseifer wünscht sich Ablösesumme für Azubis

Ein Auszubildender kostet seinen Ausbildungsbetrieb viel Geld. Ärgerlich wird es dann, wenn der Lehrling direkt nach der Ausbildung von einem anderen Arbeitgeber abgeworben wird. ZDH-Präsident Wollseifer bringt für solche Fälle eine Ablösesumme ins Spiel.

"Unsere gut ausgebildeten jungen Leute werden abgeworben", sagte Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), der Nachrichtenagentur dpa. Zwei von drei Fachkräften, die im Handwerk qualifiziert werden, würden im Laufe ihres Berufslebens in anderen Wirtschaftsbereichen arbeiten. Er denke deshalb über eine Entschädigung für Ausbildungsbetriebe nach, die ihre Lehrlinge in den ersten Jahren nach Ausbildungsende verlieren.

Seinem Vorschlag zufolge könne diese so ausgestaltet sein, dass Arbeitgeber, die eine ausgebildete Fachkraft abwerben, eine angemessene "Ablösesumme" an den Ausbildungsbetrieb bezahlen müssen. Wie ZDH-Pressesprecherin Beate Preuschoff auf Twitter mitteilte, habe Wollseifer mit seiner persönlichen Idee eine Debatte anstoßen wollen, wie die hohe Ausbildungsleistung von Handwerksbetrieben besser anerkannt und wertgeschätzt werden könne.

Das Handwerk ist mit 27,3 Prozent aller neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge der zweitgrößte ausbildende Wirtschaftsbereich nach Industrie und Handel. Preuschoff verwies auf den gesellschaftlichen Nutzen ausbildender Handwerksbetriebe. "Was ist uns das wert, auch finanziell?", schrieb sie.

IG Bau kritisiert: Ablösesumme löst Probleme nicht

Kritik für seinen Vorschlag erntet Wollseifer etwa von der IG Bau. "Damit kommt das Handwerk der Lösung seiner eigentlichen Probleme keinen Schritt näher", sagte Bundesvorstandsmitglied Carsten Burckhardt. Viel wichtiger ist seiner Ansicht nach, dass junge Menschen schon in der Ausbildung fair behandelt und ihnen Perspektiven aufgezeigt werden. "Wer sich wohlfühlt, wechselt nicht", so Burckhardt. Er rät Handwerksbetrieben dazu, den eigenen Beschäftigten gute Tarif- und Arbeitsbedingungen einzuräumen. "Nur wenn die Basis stimmt, klappt es auch mit dem Nachwuchs."

Azubi kostet durchschnittlich 5.400 Euro pro Jahr

Ein Auszubildender kostet seinen Betrieb in der Regel mehr als er ihm einbringt – durchschnittlich entstehen dem Ausbildungsbetrieb jährliche Kosten in Höhe von 5.400 Euro, wie das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) berechnet hat. Mit einbezogen wurden dabei auch Leistungen, die der Azubi während seiner Lehre zum wirtschaftlichen Erfolg des Betriebs beisteuert.

"Die Ausbildung kostet im ersten und zweiten Jahr Geld – im ersten Jahr viel, im zweiten Jahr etwas weniger. Im dritten Lehrjahr kommt dann auch ein bisschen was rein", sagte Wollseifer. Letztlich macht sich die Investition erst dann bezahlt, wenn der Azubi nach der Lehre als Fachkraft im Betrieb erhalten bleibt. In diesem Fall müssen ausbildende Betriebe nicht mehr auf dem Arbeitsmarkt nach Fachkräften suchen und diese zusätzlich einarbeiten. fre

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