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Corona-Krise Wollseifer fordert Zuschuss für Ausbildungsbetriebe

Jeder vierte Handwerksbetrieb beabsichtigt im neuen Lehrjahr weniger Lehrlinge einzustellen. Für jene, die sich weiterhin in der Ausbildungsarbeit engagieren, fordert Handwerkspräsident Wollseifer eine spezielle Hilfe.

Die Corona-Krise hinterlässt Spuren auf dem Ausbildungsmarkt. Dies zeigt nicht nur die aktuelle Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA), sondern auch die jüngste Konjunkturumfrage des Handwerksverbandes. Danach beabsichtigt ein Viertel der Betriebe im neuen Lehrjahr weniger Lehrlinge einzustellen. In der gegenwärtigen Krisenphase müsse deshalb alles getan werden, Ausbildungsbetriebe über Wasser zu halten, fordert Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer. "Die betriebliche Ausbildung muss unbedingt weiter gestärkt werden", betont er. Ausbildungsbetriebe sollten deshalb einen einmaligen Zuschuss bekommen.

Bundesagentur für Arbeit: Ausbildungsmarkt noch in Bewegung

Die Verunsicherung und Zurückhaltung auf den Ausbildungsmarkt zeigen auch die jüngsten Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Danach meldeten sich über alle Branchen hinweg von Oktober 2019 bis April 2020 bei den Agenturen für Arbeit und den Jobcentern 384.000 Interessenten für eine Ausbildungsstelle. Das waren rund acht Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. 241.000 von ihnen waren auch im April noch auf der Suche. Gleichzeitig waren 455.000 Ausbildungsstellen gemeldet, 39.000 oder knapp acht Prozent weniger als im Vorjahr. Wobei hier bis April noch 274.000 Stellen unbesetzt waren. Wie es bei der BA weiter heißt, ist es für eine fundierte Bewertung noch zu früh. Derzeit sei der Ausbildungsmarkt noch sehr in Bewegung. Das gilt auch für das Handwerk.

Wollseifer: Bei Berufsorientierung Digitalisierung nutzen

Gerade deshalb hält es Wollseifer für wichtig, die duale Ausbildung zu stimulieren. Trotz Corona sollten möglichst viele Interessenten eine für sie passende Lehrstelle finden und möglichst viele Betriebe Ausbildungsstellen zur Verfügung stellen. Im Zuge des gegenwärtigen Digitalisierungsschubes könnten hier neue Wege der Berufsorientierung helfen. Dies gilt umso mehr, da in den vergangenen Wochen entsprechende Veranstaltungen in den Schulen ausfallen mussten. Außerdem sollten die Betriebe eine finanzielle Anerkennung für ihre Ausbildungsleistung erhalten. Dieser einmalige Zuschuss sollte sich "an 75 Prozent einer durchschnittlichen tariflichen oder Mindestausbildungsvergütung über einen Zeitraum von drei Monaten orientieren".

Viele Handwerksbetriebe wollen an ihrer Ausbildungsleistung festhalten

Wie die Konjunkturumfrage des Handwerks weiter deutlich macht, beabsichtigen fast 45 Prozent der befragten Handwerksbetriebe für das kommende Ausbildungsjahr genauso viele (38 Prozent) oder sogar mehr (5 Prozent) Auszubildende einzustellen. Die Umfrage wurde vom 22. bis 24. April durchgeführt, rund 2.700 Betriebe haben sich beteiligt. Ein knappes Drittel der Befragten sind keine Ausbildungsbetriebe.

Die Umfrage macht zudem deutlich, dass die Corona-bedingten Umsatzausfälle leicht zurückgehen. Waren zuvor noch 74 Prozent der befragten Betriebe betroffen, sind es jetzt 68 Prozent. Dabei haben sich die Umsätze um durchschnittlich 53 (52) Prozent verringert. Dabei sind die Gesundheitshandwerke und das persönliche Dienstleistungshandwerk mit jeweils 97 Prozent am meisten betroffen. Aber auch das Lebensmittel- und das Kfz-Handwerk sind mit 87 beziehungsweise 84 Prozent überdurchschnittlich berührt.

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