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Warenauslieferung Wie Bäckereien ihre Logistik mitarbeiterfreundlich gestalten

Logistik spielt im Handwerk eine Nebenrolle. Allerdings eine tragende, denn wenn Ware nicht zur passenden Zeit auf der Baustelle oder in der Filiale eintrifft, geht der Umsatz verloren. Dass dabei der Faktor Mensch eine entscheidende Rolle spielt, belegen Beispiele aus der Bäckerbranche.

Zweimal pro Tag, sieben Tage in der Woche 42 Filialen mit frischem Brot und Kuchen versorgen oder tiefgekühlte Brötchen nach Hongkong verschiffen – Bäcker Mack meistert täglich Logistikfragen unterschiedlichster Art. Vom württembergischen Westhausen aus ist der Handwerksbäcker mit 550 Mitarbeitern bis nach Asien aktiv. Ein Augenmerk legt Chef Hans-Günther Mack dabei auf eine reibungslose Logistik. Deshalb steuern 15 eigene Kleintransporter die Filialen im Umkreis von 60 Kilometern an. Eingekaufte Kurierfahrer kommen für den Bäckermeister nicht infrage. Der Grund: Lebensmittel benötigen eine spezielle Behandlung.

Der Zeitplan ist ausgeklügelt. Jedes Mack-Fahrzeug beliefert im Schnitt drei Filialen. Jeder der 23 Fahrer weiß, wann er wo sein muss, denn die Öffnungszeiten variieren. Bei Filialen an Ortsdurchfahrten sollte die frische Backware um fünf Uhr morgens vor der Türe stehen. Beliefert der Bäcker einen Laden im Supermarkt, ist sieben Uhr als Zeitpunkt anvisiert. Und weil Bäcker sonntags öffnen dürfen und Mack auch Cafés in seinen Filialen betreibt, muss die Lieferkette selbst am Wochenende lückenlos funktionieren.

"Dafür braucht man ein Händchen"

"Das Schwierigste ist, passende Mitarbeiter zu finden", sagt Mack. Denn Backwaren erfordern achtsamen Umgang. So dürfen etwa die Kisten in den Transportbussen nicht hin und her rutschen. Sonst wird die empfindliche Ware beschädigt. "Dafür braucht man ein Händchen", weiß der Chef. Genauso wie für den Umgang mit den Kollegen in den Filialen, die die Waren entgegennehmen. Ein kollegialer Gruß und gegenseitige Hilfe seien in einer Branche unverzichtbar, die bis 13 Uhr 80 Prozent des Umsatzes erzielt.

Ganz ähnlich sieht das Adam Blumenfelder. Der Personalleiter der Bäckerei Sickinger im oberbayerischen Gräfelfing kümmert sich um das Wohlbefinden von 100 Mitarbeitern, die am Hauptstandort und in sechs Filialen beschäftigt sind. Die Stelle des Personalleiters wurde vor drei Jahren neu geschaffen, um die Mitarbeiterbindung zu erhöhen. "Zuerst standen strukturelle Schritte an", berichtet der studierte Wirtschaftspsychologe, etwa die Einführung von Dienstplan- und Urlaubssystemen, die möglichst alle Bedürfnisse der Mitarbeiter bedienen und an ein Bonussystem gekoppelt sind. Gleichzeitig sorgen sie für Transparenz und garantieren, dass alle tariflichen Zuschläge, etwa für Nacht- und Sonntagsarbeit, vergütet werden.

Das Familienunternehmen punktet mit Verlässlichkeit

Gerade in einem Wirtschaftsbereich, der mit Industrielöhnen nicht mithalten kann, punktet das Familienunternehmen mit Verlässlichkeit. So gibt es bei Sickinger keine befristeten Arbeitsverträge oder man mietet auch mal Wohnraum für Beschäftigte an, wenn diese auf Anhieb keinen im Münchner Speckgürtel finden. Auch Arbeitgeberdarlehen gewährt das Unternehmen, erklärt der Personalleiter. In puncto Arbeitsplatzzufriedenheit sieht Blumenfelder bei der Logistik gut gewartete Fahrzeuge für selbstverständlich an, genauso die Tatsache, dass Strafzettel nicht grundsätzlich an die Fahrer weiterberechnet werden.

Markus Droth von der Münchner Bäcker-Innung sieht ebenso den Aspekt Arbeitsplatzzufriedenheit als wichtig an. So hat die Innung eine Kooperation mit VW Nutzfahrzeuge geschlossen. Die Bäcker können elektrobetriebene Caddys und Crafter testen oder spontan Ersatzfahrzeuge mieten, wenn eigene ausfallen. Das sei vor allem für mittelgroße Betriebe von 50 bis 100 Mitarbeitern interessant, verdeutlicht Droth, der ebenso beobachtet, dass Innungsmitglieder filigrane Querverbindungen hätten und diese nutzen. "Das ist dem Einzelnen vielleicht gar nicht bewusst", sagt der Innungsgeschäftsführer. Aber vor allem in Logistikfragen unterstützen sich kleine Bäckereien traditionell. Da werde bei Engpässen eine Tour übernommen oder mit Ware ausgeholfen, so Droth. Es menschelt halt – auch oder gerade in der Nebenrolle Logistik.

So klappt die Verteilung

  • Bei Lebensmitteln und anderen empfindlichen Gütern lohnt sich die Vergabe der Logistik kaum. Fremden Fahrern fehlt oft das behutsame Händchen für die Ware.
  • Wer mit eigenen Leuten Waren liefert, sollte Dienst- Urlaubspläne erstellen. Das regelt Zuständigkeiten und gibt Fahrern Verlässlichkeit. Außerdem sollten Springer paratstehen, die im Notfall aushelfen.
  • Ebenfalls für den Notfall sollte der Draht zum Kollegenbetrieb im Ort gut sein. Fallen Fahrer oder Fahrzeug einmal aus, können diese die Touren übernehmen.
  • Kulanz lohnt sich. Wenn der Chef die Knöllchen bezahlt, können Fahrer stressfreier arbeiten. Dann kommt die Ware besser und heil an.
  • Gut gewartete und saubere Fahrzeuge sollten selbstverständlich sein. Sie sind das Aushängeschild des Betriebes.
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