Mittelfranken -

Betriebsbesuch Wir müssen das Dach reparieren …

Der bayerische Wirtschaftsminister Franz Josef Pschierer ist zu Gast in Mittelfranken.

Zwei Termine liegen schon hinter ihm, vier Termine vor ihm. Abgeschlossen wird der Tag mit einem Gespräch mit Handwerk und Industrie. Franz Josef Pschierer, bayerischer Wirtschaftsminister, drückt auf die Tube beim Betriebsbesuch im Lackierzentrum Kießling. Am 14. Oktober sind Landtagswahlen. Vorher sollen noch zahlreiche Gespräche zwischen bayerischer Wirtschaft und Wirtschaftsminister stattfinden. Jeweils einen Tag pro Woche hat er geplant, um mittelständische Firmen zu be- und das Gespräch zu suchen. Da ist der Zeitplan eng getaktet.

Gute Zusammenarbeit

Beim Rundgang mit Jürgen Kießling, Geschäftsführer Lackierzentrum Kießling, seinem Kooperationspartner Uwe Feser, geschäftsführender Gesellschafter Feser-Graf Gruppe, und Shavan Abdulrahman, Lackiermeister im Lackierzentrum Kießling, wäre Zeit, der Politik mal auf die Finger zu klopfen, doch die beiden sind mit ihren Kommunalpolitikern sehr zufrieden: „Wir haben viel Unterstützung aus dem Fürther Rathaus erhalten. Man hat mit uns gemeinsam dieses Mammut-Projekt Lackierzentrum mit immerhin 6.000 Quadratmeter überbauter Fläche gestemmt“, loben sie.

Horst Müller, Wirtschaftsreferent der Stadt Fürth, winkt ab. Schließlich profitiere auch die Stadt davon. 60 Mitarbeiter sind in der Futuriastraße angestellt, elf zukünftige Fachkräfte werden gerade ausgebildet. „Kein Jammern über Bürokratie? Das lobe ich mir. Ansiedelung gelingt da, wo sich ­Kommunalpolitiker auch einsetzen“, bekräftigt Pschierer.

Schwarz ist dankbare Farbe für Lackierer

Vor Ort lässt er sich genau zeigen, was im Betrieb alles gemacht wird. Von der Annahme mit Analyse über das Zerlegen des Autos in seine – lackierbaren – Einzelteile oder die Werkstatt des Koloristen bis zum Finish in der hochmodernen Lackierstraße. Besonders beeindruckend? Zum einen der Hagelschaden eines kleinen Weißen – „sowas kann ein Hagelschaden anrichten?“ – und der neue Kotflügel eines Porsche Targa. Während der komplett zerlegte Fiat eher wenig Anziehungskraft besitzt, kann der Minister einem kurzen Probesitzen im Porsche nicht widerstehen, bevor es weitergeht zum nächsten Termin.

Wirtschaft muss sich positionieren

Nur wenige Stunden später stellt er sich dann den Fragen der Vertreter der beiden Wirtschaftskammern Mittelfrankens. Markus Lötzsch, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Nürnberg für Mittelfranken, kann als Hausherr mit seinen beiden Kollegen aus dem Handwerk, Thomas Pirner, Präsident der Handwerkskammer für Mittelfranken, und Dr. Rainer Wolf, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, den Minister zur Gesprächsrunde in der Akademie begrüßen.

Fachkräftesicherung, digitale Transformation, berufliche Bildung, Energie und Rohstoffe – hier besonders die Frage nach der Zukunft des Diesels – und Internationalisierung stehen auf der To-do-Liste. Kurz kann Pschierer auf die einzelnen Punkte eingehen: Fachkräftesicherung? Gerne auch über Zuwanderung mit Nachqualifizierung. Ein Fachkräftezuwanderungsgesetz geht bereits seinen Weg.

Digitale Transformation? Auf jeden Fall Ausbau der Infrastruktur – sowohl Breitband als auch Mobilfunk mit 5G-Standard. Berufliche Bildung? Die Berufsschulen müssen ertüchtigt werden, denn eine moderne Ausstattung kostet Geld. Von den Auszubildenden kann dann auch eine gewisse Bereitschaft zur Mobilität erwartet werden. Dem kann Dr. Rainer Wolf nur zustimmen, merkt aber auch an, dass Gleiches für die Bildungszentren mit ihrer überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung und den – da die ÜLU häufig bereits zentral stattfindet – zugehörigen Internaten gelten muss.

Ein Lob hatte der Minister in diesem Zusammenhang für die Kammern: „International versucht man, unser duales System zu imitieren, doch ohne das Kammerwesen, ohne den organisierten Partner auf der wirtschaftlichen Seite der Berufsbildung kann das nicht funktionieren.“ Energie und Rohstoffe? „Es wird in Zukunft einen Energie-Mix geben, um die Versorgung sicher und bezahlbar zu halten.“ Dafür müsse vor allem die Infrastruktur ausgebaut werden.

Die Zukunft des Diesels? Auch hier: Mobilitäts-Mix. „Die Deutschen denken immer schwarz-weiß, aber wir werden eine Mischung brauchen. Wir fördern ­Ladestationen für E-Mobilität. Unser Ziel sind 7.000 Stationen bis 2020. Aber wir stehen auch zum Diesel.

Wir dürfen ihn nicht in die Tonne kloppen, wohlwissend, dass uns dann die CO2-Werte davonlaufen.“ Ländliche und urbane Mobilität entwickelten sich unterschiedlich. „Ich möchte Sie hier nicht in eine kollektive Depression versetzen“, winkt der Wirtschaftsminister zum Schluss ab. Aber: „Die Wirtschaft ist Schwankungen unterworfen und es wird nicht ewig so weitergehen. Wir müssen das Dach reparieren, solange die Sonne scheint.“

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