Flüchtlinge ausbilden und beschäftigen -

Zu Besuch bei Ewald Wasner und Susanne Lubos Willkommenslotsen: Integrationshilfe fürs Handwerk

Um Geflüchteten den Einstieg in den Arbeitsmarkt zu erleichtern, gibt es seit März 2016 das Programm der Willkommenslotsen in Deutschland. Bei der Handwerkskammer Ulm gibt es zusätzlich noch einen Kümmerer.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Flüchtlinge ausbilden und beschäftigen

Zimmerermeister Jürgen Schirmer aus Ehingen ist froh, endlich einen Mitarbeiter gefunden zu haben. "Ahmad ist ein Glücksgriff für mich", sagt er. Ahmad Alalialmahram ist syrischer Flüchtling und hat im Sommer 2018 den Gesellenbrief gemacht. 2014 kam der heute 29-Jährige nach Deutschland und hat sich im Folgejahr auf eigene Faust für eine Einstiegsqualifizierung beworben. Über diese hat er Schirmer und seinen Betrieb kennengelernt.

Noch kein Happy End

Doch auch mit dem Gesellenbrief in der Hand gibt es noch kein Happy End: Alalialmahram überlegt, Deutschland zu verlassen. Seine Frau lebt noch in Syrien und darf nicht nach Deutschland nachkommen, weil Alalialmahram nur einen subsidiären Schutzstatus hat. Der Familiennachzug ist für diese Gruppe auf 1.000 Personen im Monat begrenzt. Seit mehr als vier Jahren sind die beiden voneinander getrennt, telefonieren nur unregelmäßig. "Wenn ich mit meiner Frau telefoniere, höre ich im Hintergrund die Bomben explodieren." Weil er alleine nicht weiter weiß, hat sich Alalialmahram an die Willkommenslotsen der Handwerkskammer Ulm gewandt.

Ewald Wasner und Susanne Lubos setzen sich dafür ein, dass Alalialmahram bei Schirmer bleiben kann. Wasner ist Willkommenslotse und Lubos arbeitet für das Kümmerer- Projekt. Sie sind Ansprechpartner und Schnittstelle zwischen Betrieb, Geflüchtetem und Behörden und helfen bei allen Fragen zur Integration von Geflüchteten in Ausbildung, Praktikum oder Beschäftigung. "Es ist schade, eine so tolle Geschichte zu hören und dann scheitert es am Familiennachzug", sagt Wasner.

Willkommenslotse: Kein reiner Schreibtischjob

Die Willkommenslotsen sind viel unterwegs: Sie fahren zu den Betrieben, sprechen mit den Menschen vor Ort oder stellen ihre Arbeit auf Messen und in Berufsschulen vor. Nach rund zwei Jahren greifen die beiden auf ein breites Netzwerk und viel persönliche Erfahrung zurück.

Seit dem Ausbildungsbeginn im September ist es ruhiger. Trotzdem ist die Arbeit nicht vorbei. Beginnt ein Geflüchteter eine Ausbildung, ist das keine Garantie dafür, dass die Integration gelingt. Die Hindernisse sind vielfältig, viele kleine Dinge müssen stimmen. "Das ist wie bei einem Paket, alle Knoten müssen gleich fest sitzen, damit es nicht auseinanderfällt. Löst sich einer, wird es schwierig", erklärt Susanne Lubos. Sie erzählt von einem Flüchtling aus Aleppo, der in seiner Heimat morgens als Maurer und abends als Friseur arbeitete. Das gebe es öfter, in vielen Ländern seien Arbeit und Privatleben nicht strikt getrennt. Für die Flüchtlinge sei es schwer, sich an die deutsche Arbeitswelt zu gewöhnen, wo ein Arbeitstag acht Stunden und eine Ausbildung drei Jahre dauert.

Alalialmahram musste sich anfangs zudem gegenüber seiner Familie für seine Berufswahl rechtfertigen. In Syrien gibt es fast nur Flachdachhäuser, der Beruf des Zimmerers ist nicht bekannt. Ob Alalialmahram seine Frau nun zu sich holen kann und in Deutschland bleibt, ist noch offen. Wasner und Lubos unterstützen ihn, wo sie können. Denn auch so etwas zählt zu den Aufgaben der Willkommenslotsen; außerdem helfen sie bei Bewerbungen, begleiten zu Vorstellungsgesprächen und unterstützen Betrieb und Azubi während der Ausbildung.

Jetzt beginnt die Arbeit

Im Sommer haben die ersten Geflüchteten ihre Ausbildung abgeschlossen und eine neue Phase der Arbeit beginnt. Es gehe darum, die Fachkräfte in Deutschland zu halten, sagt Wasner. "Wenn wir das nicht schaffen, wandern sie nach Neuseeland oder Kanada ab. Die freuen sich über gute Handwerker."

Wo kann man Willkommenslotsen finden?

Die Handwerkskammern vor Ort beraten zur Beschäftigung und Ausbildung von Geflüchteten. Aktuell sind beim Willkommenslotsenprogramm 178 Mitarbeitern eingesetzt. 801 Ausbildungsplätze im Handwerk konnten allein im ersten Halbjahr 2018 mit Geflüchteten besetzt werden.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle stellt online eine Liste mit allen Willkommenslotsen zur Verfügung.

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