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TV-Kritik: WDR – "Servicezeit" über Notdienst-Abzocke Wie unseriöse Notdienst-Vermittler dem Handwerk schaden

Wenn der Handwerker zum Notdienst-Einsatz kommt, kann es für den Kunden mitunter teuer werden - gerade am Wochenende fallen dann eben auch Zusatzkosten an, und das ist per se auch nichts Schlimmes. Recherchen der ARD legen jedoch nahe, dass nicht nur seriöse Handwerker unterwegs sind - und eine bestimmte Firma schon eine ganze Zeit lang besondere Mondpreise aufruft.

Mitunter tauschen Fernseh-Redaktionen Beiträge aus oder überlassen sie anderen Redaktionen im gleichen Senderverbund, um sie zu einem späteren Zeitpunkt nochmals zu senden. Dass nun der WDR im Rahmen der "Servicezeit" einen Beitrag des SWR-Magazins "Marktcheck" vom Herbst 2019 noch einmal brachte, in dem es um die Machenschaften einer Firma aus Regensburg ging, spricht also dafür, dass die geschilderten Probleme noch immer existieren – und es sind Probleme, die eine ganze Branche in Verruf bringen können.

Das Szenario ist eigentlich immer mehr oder weniger gleich: Ein Notfall in den heimischen vier Wänden – entweder ist beispielsweise der Abfluss verstopft oder der Strom fällt aus – lässt die Betroffenen bei einem Notdienst für solche Fälle anrufen. Das Telefonat verläuft noch bestens, meistens kommen die Handwerker wie die Retter in der Not auch nach ein oder zwei Stunden und machen sich an die Arbeit – doch dann kommt’s. Mehr als 2000 Euro wollte beispielsweise ein Elektriker-Gespann, das sich nach einem Stromausfall am Sicherungskasten einer Frau verdingt hatte, als der Strom wieder floss. Für diese Zeit auch am Wochenende ein stattliches Sümmchen, doch die Frau zahlte trotz einer gewissen Verwunderung, die sie nun vor der Kamera zum Ausdruck brachte.

Guter Handwerker /böser Handwerker

Zwar betont ein Vertreter der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, dass die meist zu zweit auftretenden Abzocker oft die Masche guter Handwerker/böser Handwerker - einer plaudert, der andere macht Druck – spielten, was die Bereitschaft der Kunden zu zahlen nach dem alten Prinzip von Zuckerbrot und Peitsche erhöht. Doch neben der Dreistigkeit des Vorgehens der (vermeintlichen) Handwerker zeigte diese Episode auch eines: Damit so eine Masche funktioniert, gehören oft zwei dazu – einer, der sie durchzieht, und ein anderer, der sie mitmacht. Bei einem zweiten geschilderten Fall allerdings, bei dem eine Frau lange auf den Notdienst wartete, der ein verstopftes Abflussrohr in der Küche beackern sollte, konnte sie eher wenig dafür. Sie schickte den Handwerker, der nach einigen Stunden erst an die Tür klopfte, obwohl sie gesagt hatte, dass sie keinen Notdienst nach Feierabend wünsche, kurzerhand wieder weg, und wurde hinterher mit einer Rechnung über 150 Euro konfrontiert – für die Auftragserteilung, nach der die Aufträge in voller Höhe in Rechnung gestellt werden könnten. Das hatte nun mit Seriosität nichts mehr zu tun.

Rechnungen mit falschen Firmennamen, mit falschen oder ganz ohne Steuernummern – mögliche Maschen gibt es viele. Da stellt sich schon die Frage: Wie kommen die Leute überhaupt auf diese Firmen, die doch so oft unseriös arbeiten? Im Falle der Firma DHE, die in der Reportage beleuchtet wurde, laufen alleine 400 Telefon- und Mobilnummern auf sie, und die Bekanntheit bei Google ist häufig auch sehr gut. Bedeutet: Wer nur oberflächlich sucht, stößt oft gerade auf solche Unternehmen. Natürlich versuchten die ARD-Journalisten, mit den Verantwortlichen der Firma zu sprechen, erhielten aber kein Interview, sondern wurden teils barsch weggeschickt. Nur eine schriftliche Stellungnahme gibt es, in der alle Vorwürfe bestritten werden.

Schlechte Bewertungen – und auch die Innung teilt aus

Und es sind ja nicht nur die Recherchen der ARD, die dieses Bild stützen. Die einschlägigen Bewertungsportale im Netz zeigen ein klares Bild: DHE kommt dort im Durchschnitt äußerst schlecht weg. Und darüber hinaus wird man sogar noch in weiteren Medienberichten aus dem Jahr 2017 fündig, wo aufgrund eines undichten Toiletten-Dichtungsrings ein kompletter Ersatz von Rohr und Schüssel im Wert von 650 Euro vorgenommen wurde. Die schiere Menge an negativen Bewertungen und Schlagzeilen spricht eine eindeutige Sprache. In der etwas längeren Ausgabe der Reportage, die der SWR im Herbst 2019 ausgestrahlt hatte, kam schließlich auch noch ein Vertreter des Landesinnungsverbands für das Bayerische Elektrohandwerk zu Wort – und auch hier Klartext: Menschen in Not würden über den Tisch gezogen – und das falle aufs Handwerk zurück, doch das Handwerk sei nicht so, sondern geradlinig, anständig, ehrlich, sagte Gerhard Gröschl vom Landesinnungsverband seinerzeit, nur um der Firma DHE noch eine mitzugeben: "Es gibt überall schwarze Schafe, aber dieses schwarze Schaf ist schon sehr groß und läuft in ganz Deutschland frei herum." Das saß.

Doch ist dem Schaf und dessen Gebaren auch beizukommen? Eher schwierig, heißt es schließlich von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Denn solche Firmen seien aufgrund ihrer Eigenschaft als Vermittler der Leistungen nur schwer zu belangen, da letztlich der Vertrag zwischen dem Kunden und dem vor Ort eingesetzten Handwerker zustande komme, der natürlich auch für immer und ewig beim Kunden als unseriös im Gedächtnis bleibt. Da kann man nur sagen: Finger weg von solchen Vermittlern – und das gilt nicht nur für Verbraucher, sondern auch für Handwerker, die ihren guten Ruf für den einen oder anderen schnellen Euro nicht aufs Spiel setzen und mit den Abzockern in einen Topf geworfen werden wollen.

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