Unternehmensführung -

Gesellschaftliche Verantwortung Wie soziales Engagement im Betrieb gelingt - trotz Zeitmangel

Sie sind ehrenamtlich aktiv? Halten Sie es nicht geheim. Was Kunden von gesellschaftlich engagierten Betrieben denken und wie sie es am besten nutzen.

Viele Betriebe integrieren geflüchtete oder behinderte Menschen in ihren Arbeitsalltag. Einige Handwerker sanieren in ihrer Freizeit Krankenhäuser, Kitas oder Spielplätze - für viele selbstverständlich. Laut Jan Dannenbring, Experte für Corporate Social Responsibility beim Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH), "stehen wirtschaftliche Motive beim gesellschaftlichen Engagement von Handwerksbetrieben selten im Vordergrund". So passiert es, laut Dannenbring, oft im Verborgenen. Dabei könnten Unternehmen ihre ehrenamtlichen Aktivitäten gewinnbringend für ihr Geschäft nutzen. Auch bei der Vergabe öffentlicher Aufträge gewinnt die Berücksichtigung sozialer Aspekte gemäß § 97 Abs. 3 GWB (Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen) eine zunehmende Bedeutung. Der ZDH sieht dies kritisch, da der Aufwand für mittelständische Unternehmen im Vergleich zu Großkonzernen sehr hoch ist.

Soziales Engagement fördert das Vertrauen der Kunden

Ein Beispiel für erfolgreiches gesellschaftliches Engagement ist Sven Empen. Der Augenoptikermeister aus Tettnang hat gemeinsam mit drei Schreinern und einem Schlosser die größte optische Brille der Welt gebaut. Diese verleihen sie deutschlandweit an Schulen und Optikerkollegen. Die mediale Aufmerksamkeit brachte den Handwerkern Folgeaufträge ein, weil sie sich "zeigen konnten", so Empen. Außerdem engagiert sich Empen für die Vereine in seiner Region. Neben Geld- und Sachspenden gewährt er Vereinsmitgliedern auch Rabatte auf seine Produkte. Folge: Seine Stammkundschaft wächst beständig. Mehr als 4.000 neue Kunden hat Empen so gewonnen.

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Größte optische Brille der Welt

Soziales Engagement kommt gut bei Kunden an. Laut Roland Ketterer, "wirkt es vertrauensbildend". Ketterer gewann 2016 den Goldenen Bulli für sein Hilfsprojekt in Tansania. Der Goldene Bulli zeichnet soziales Engagement im Handwerk aus. Verliehen wird der Preis von VW Nutzfahrzeuge. Ketterers Sieg gab seinem Projekt eine öffentliche Plattform und noch heute sprechen ihn Kunden darauf an. Aber Betriebe müssen keinen Preis gewinnen, um ihre Hilfe öffentlich zu machen.

Goldener Bulli 2016

Gesellschaftliches Engagement kommunizieren

In Gemeinden wird gesellschaftliches Engagement von Unternehmen oft zum Marketing-Selbstläufer. Dort ist die "Mund-zu Mund-Propaganda" die effektivste Werbung für Unternehmen. Doch in der digitalen Welt gibt es weitere Möglichkeiten potentielle Kunden zu erreichen. Der ZDH rät die sozialen Medien zu nutzen und Informationen auf der Homepage bereit zu stellen. Ein Gruppenfoto beim Renovieren einer Kita gibt Betrieben ein Gesicht. Emotionale Themen eignen sich für Social-Media-Beiträge. Flyer und Aushänge in den Geschäftsräumen erweisen sich auch als effektiv. Außerdem gibt es Wettbewerbe, bei denen die einzelnen Projekte mehr Öffentlichkeit erfahren. Ein Beispiel hierfür ist der Goldene Bulli. So erreichen Unternehmen mehr Menschen mit ihrem Projekt und als Nebeneffekt auch potentielle Kunden.

"Mir fehlen Zeit und Ideen": Ein Augenoptikermeister gibt Tipps

Sven Empen rät allen Betrieben, die sich gesellschaftlich einbringen möchten:

  1. Glaubwürdig bleiben
    "Machen Sie etwas, das man Ihnen abnimmt. Was passt zum Beispiel gut zum Betrieb oder zu Ihrer Region?"
  2. Sich zusammenschließen
    "Besonders effektiv wird soziales Engagement, wenn sich mehrere Betrieb zusammen tun. Vor allem bei Teams aus verschiedenen Branchen kommen tolle Sachen raus. Drei Schreiner, ein Schlosser und ich haben gemeinsam die größte optische Brille der Welt gebaut. Heute verleihen wir diese und stecken die eingenommenen Leihgebühren wieder in gemeinnützige Aktionen."
  3. Konkrete Zeitfenster einplanen
    "Vorrang hat immer das Kerngeschäft. Aber wer sich konkrete Zeitfenster vornimmt und in kleinen Schritten denkt, kommt auch beim sozialen Engagement ans Ziel."
  4. Mitarbeiter ins Boot holen
    "Ohne den Rückhalt im Team klappt es nicht. Also frühzeitig alle informieren und von seiner Idee begeistern."
  5. Grob-Fahrplan erstellen
    "Ein Grob-Fahrplan hilft den Überblick zu behalten. Man sollte Fragen beantworten wie: Was wollen wir machen? Bis wann wollen wir das schaffen? Gibt es andere Termine, die wir im Blick behalten müssen?"
  6. Einfach machen
    "Trotz grober Planung sollte man sich nicht zu sehr verkopfen. Viele Ideen ergeben sich beim Machen. Aus einer Idee entsteht dann die nächste."

Vorteile für ehrenamtlich engagierte Betriebe

Gesellschaftliches Engagement darf nie eine Verpflichtung sein. Positive Nebeneffekte von Betrieben, die sich in der Gesellschaft einbringen sind, laut Dannenbring:

  • Gesellschaftliche Anerkennung
  • Mögliche Kontakte zu potentiellen Auftraggebern
  • Aussicht auf Folgeaufträge
  • Besseres Betriebsklima: Leistung und Motivation der Mitarbeiter steigt



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