Finanzen + Geld -

Buchführung Wie Sie Ihre Finanzen im Überblick behalten

Wissen Sie genau, was Sie im Monat einnehmen und vor allem ausgeben? Wer jedoch regelmäßig etwas fürs Alter, eine größere Anschaffung oder den nächsten Urlaub zurücklegen will, kommt ohne diesen Überblick kaum aus. Informieren Sie sich über die wichtigsten Tipps zu einer übersichtlichen Finanzführung.

Wie Sie Ihre Finanzen im Überblick behalten
Anstatt dem klassischen Sparschwein raten Experten eine Reserve auf einem Tagesgeldkonto aufzubauen. -

Wer sich bei Sascha Straub zum Thema Altersvorsorge beraten lässt, muss erst einmal den eigenen Haushalt unter die Lupe nehmen. Der Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bayern verschickt vor der Beratung stets Formulare, in die die Ratsuchenden ihre monatlichen Einnahmen und Ausgaben eintragen müssen. „Das führt immer zum Aha-Effekt, wenn man auf einen Blick sieht, wie viel Geld reinkommt – und was alles rausgeht“, berichtet Straub. Mit den folgenden Tipps können Sie solche Überraschungen vermeiden:

Haushaltsplan aufstellen

Sämtliche Einnahmen und Ausgaben zu sammeln und gegenüber zu stellen, ist zunächst zwar mühsam. "Der Nutzen daraus ist aber enorm groß", sagt Stefanie Kühn, unabhängige Finanzberaterin aus Grafing bei München. Erst wer sich systematisch vor Augen führt, wofür Monat für Monat das Geld weggeht, kann erkennen, wo er etwas einsparen kann. "Ein Haushaltsplan hilft, Schwachstellen aufzudecken", sagt Verbraucherschützer Straub. Soll heißen: Ausgaben zu finden, die unnötig oder zu hoch sind.

Hilfreich ist dabei ein Haushaltsbuch. Das gibt es in jedem Zeitschriftenladen. Auch die Verbraucherzentralen bieten eines an (für 5,90 Euro plus 2,50 Porto). Dort sind Einnahmen und Ausgabenkategorien vorgegeben, in die man die einzelnen Posten einträgt. "Man sollte sich einen Monatsersten als Startpunkt setzen und ab da jeden Kassenzettel und jede Buchung sammeln und auflisten", rät Stefanie Kühn. Um einen Überblick über laufende Einnahmen und Ausgaben zu bekommen, sind drei Monate nötig. Für den Gesamtüberblick braucht es ein Jahr. "Im Idealfall wird das Buch jedoch zur Dauereinrichtung", sagt Kühn.

Ausgaben überprüfen

Steht die Auflistung, sollte man sich jeden Posten genau anschauen. Das gilt vor allem bei den Ausgaben. "Die wichtigste Frage dabei lautet: Ist eine Ausgabe wirklich nötig und wenn ja, geht es auch günstiger?", meint Helga Gabler, Schuldnerberaterin bei der Caritas München. So gebe es in vielen Haushalten überflüssige Versicherungen. Oft seien die Policen überteuert (siehe Info). Aber auch in kleinen Dingen steckt Sparpotential. Etwa im Vereinsbeitrag, der Monat für Monat abgebucht wird, obwohl man kaum noch hingeht. Oder das fertige Frühstück, das man sich jeden morgen beim Bäcker leistet: "Da kommen jeden Monat schnell 60 Euro zusammen", meint Stefanie Kühn. Wer 50 Euro monatlich sparen will, kann da schon etwas abzweigen. Der Gesamtüberblick über solche Ausgaben macht deutlich, "wo die Geldfresser stecken", so Kühn.

Sparrate festlegen

Von der Höhe der Einnahmen und Ausgaben hängt ab, wie viel man im Monat zu Seite legen kann. „Den Betrag sollte man nicht zu hoch ansetzen“, meint Sascha Straub. Die Sparrate muss auch dann noch bezahlbar sein, wenn eine größere Anschaffung nötig wird. „Sie sollte jedenfalls nie so hoch sein, dass man mit dem Girokonto ins Minus gerät“, sagt Finanzplanerin Kühn. Sie rät dazu, mit dem Ersparten zunächst eine Reserve von drei Nettomonatsgehältern auf einem Tagesgeldkonto aufzubauen. Damit lässt sich im Notfall ein Minus auf dem Konto ausgleichen.

Anschließend gilt es, Monat für Monat einen festen Betrag zurückzulegen. „Bei einem Banksparplan etwa geht immer ein gleich bleibender Betrag vom Konto weg – das hilft, sich zu disziplinieren“, sagt Finanzexperte Straub. Wer nicht sicher ist, welche Sparform die richtige ist, kann den Betrag zunächst einmal auf ein Tagesgeldkonto einzahlen. „Auch da ist ein Dauerauftrag sinnvoll“, empfiehlt Finanzberaterin Kühn. „Damit tatsächlich jeden Monat etwas auf die Seite kommt.“

Bei diesen Ausgaben können Sie sparen

Versicherungen: Fast in jedem Haushalt finden sich überflüssige Policen. Faustregel: Alles, was nicht existenziell wichtig ist, sollte man überdenken. Paradebeispiel ist die Glasversicherung. Für den Rest sollte man prüfen, ob es günstigere Tarife gibt. Bei der Kfz-Versicherung etwa sind mehrere hundert Euro drin. "Auch bei der Haftpflichtversicherung gibt es enorme Unterschiede", meint Helga Gabler von der Schuldnerberatung der Caritas.

Energie: Strom und Heizung sind große Ausgabenposten. Stromfressende Geräte sollte man dabei gegen energiesparende austauschen. Das bringt langfristig Einsparungen. Fernseher oder DVD-Player, die ständig auf Standby laufen, treiben die Stromrechnung hoch. "Im Zweifel den Stecker ziehen", rät Helga Gabler. "Und das Licht ausschalten, wenn man nicht im Zimmer ist." Auch ein Wechsel des Stromanbieters kann Einsparungen bringen. Bei der Heizung gilt unter anderem: Nicht jedes Zimmer muss voll geheizt werden. Im Schlafzimmer kann es kühler sein.

Telefon und Internet: Telefonverträge sollten Verbraucher immer wieder überprüfen. Altverträge sind meist deutlich teurer als aktuelle Angebote – sei es beim Festnetz, beim Handy oder im Internet. „Meist gibt es sogar beim selben Anbieter einen günstigeren Tarif“, sagt Verbraucherschützer Straub. Wer übers Handy besonders oft mit einigen wenigen Personen telefoniert, sollte zum selben Anbieter wechseln. Dann ist das Telefonieren untereinander oft deutlich billiger.

Lebenshaltung: Auch im täglichen Einkauf steckt Sparpotential. Zuallererst gilt hier: Nur so viel besorgen, wie man wirklich braucht. "Ganz oft werden Lebensmittel weggeworfen, weil zu viel eingekauft wurde", berichtet Helga Gabler. "Man sollte lieber etwas knapper einkaufen", rät sie daher. "Dafür aber Dinge von besserer Qualität." Vergleichsweise teuer sind Fertigprodukte. Wer viel selber zubereitet, kommt daher in aller Regel günstiger davon.

Kredite: Wer ohnehin knapp bei Kasse ist, sollte auf keinen Fall Käufe auf Pump finanzieren. "Der Kredit ist die teuerste Form, etwas zu kaufen", sagt Schuldnerberaterin Gabler. Im Zweifel lieber verzichten, meint sie: "Wer tatsächlich sparen will, sollte sich in solchen Fällen immer fragen: Geht es nicht auch ohne oder tut es das alte nicht auch noch?"  Andreas Jalsovec / dhz

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2019 - Alle Rechte vorbehalten