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Zwei Beispiele aus der Praxis Wie sich Handwerksbetriebe für Nachhaltigkeit einsetzen

Von neu entstandenen Wäldern bis hin zu biologisch abbaubaren Handtüchern: Diese Beispiele eines Betriebs für Klima- und Heiztechnik sowie eines Friseursalons zeigen, wie viel Handwerker zum Umweltschutz beitragen können.

KlimaShop: Nachhaltiger Betrieb für Klima- und Heiztechnik

Dass bei KlimaShop Nachhaltigkeit keine Modeerscheinung ist, belegt bereits der Name des Betriebs für Klima- und Heiztechnik in Friedberg. "Wir setzen uns schon seit vielen Jahren dafür ein", sagt Geschäftsführer Peter Spengler. Ihm und seinem Bruder Armin Spengler liegt es als Unternehmer am Herzen, auf nachhaltige Lösungen im Bereich der Klimatechnik zu setzen und auf den Klimaschutz zu achten. Vor gut 13 Jahren haben sie gemeinsam mit ihren Mitarbeitern beim Neubau des Firmengebäudes ein Konzept erarbeitet, wie sie den Betrieb klimaneutral ausrichten können. "Unser Strom kommt von einer Photovoltaikanlage auf dem Dach und wir verzichten auf fossile Brennstoffe", so Peter Spengler. Außerdem bestehe ein Teil der Fahrzeugflotte bereits aus E-Fahrzeugen. "Leider noch nicht alle, aber vor allem bei kurzen Fahrten setzen wir auf E-Autos."

Bäume pflanzen für CO2-Neutralität

Um die CO2-Emissionen ihres Betriebs zu kompensieren, haben die Spenglers die Aktion "Klimawald" ins Leben gerufen. "Alles was wir an Strom und Energie verbrauchen, wollen wir auch wieder zurückgeben", sagt Peter Spengler. Das Prinzip hinter der Aktion ist einfach: Von jeder Person im Betrieb wird der CO2-Ausstoß ermittelt. Aus diesem Verbrauch lässt sich dann umrechnen, wie viele Bäume als Ausgleich gepflanzt werden müssen. Auch für jedes Kilowatt Leistung, das neu installierte Klima und Heizanlagen bei den Kunden verbrauchen, wird ein Quadratmeter mit Bäumen bepflanzt. Die Städte Friedberg und Augsburg stellen dafür Flächen zur Verfügung, auf denen die Brüder für ihre Klimawälder Bäume pflanzen. Sie unterstützen außerdem den Verein Prima-Klima, der weltweit Aufforstungsprojekte organisiert. Mittlerweile kompensieren sie nicht nur die Emissionen ihres Betriebs. Sie unterstützen auch die jährliche Oldtimer-Rallye in Augsburg und pflanzen für die dort ausgestoßenen Schadstoffe Bäume.

Jährliche Workshops im Betrieb

Über die Jahre sind schon 150.000 Quadratmeter Mischwald entstanden. "Auch die 200.000 Quadratmeter werden wir bald schaffen", sagt Peter Spengler. "Das ist wirklich eine Herzenssache von uns. Wir wünschten, viel mehr Unternehmer würden sich an solchen Aktionen beteiligen". Denn es sei eine einfache und gute Möglichkeit, der Umwelt etwas zurückzugeben. Um das Bewusstsein für Umweltschutz auch innerhalb des Betriebs immer wieder zu schärfen, findet bei KlimaShop ein jährlicher Workshop mit der gesamten Belegschaft statt. Schon Kleinigkeiten, wie der Verzicht auf Pappbecher, die richtige Mülltrennung oder keine unnötigen Autofahrten, würden viel zum Schutz der Umwelt beitragen.

Le Salon Deluxe: Grüner Friseursalon

Wer Plastikmüll vermeidet oder den Wasserverbrauch reduziert, kann Energie sparen und der Umwelt etwas Gutes tun. Marcus Hertel, Inhaber des Friseursalons "Le Salon Deluxe" in Stuttgart, hat vor vielen Jahren damit angefangen. Schon vor gut 20 Jahren bot er seinen Kunden an, leere Shampoo-Flaschen wieder aufzufüllen. "Mir ist es einfach wichtig ressourcenschonend zu arbeiten, da unsere Umwelt nicht alles verzeihen wird", sagt der Friseurmeister. Daher versucht er, im Rahmen seiner Möglichkeiten einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten.

Biologisch abbaubare Handtücher

Das zahle sich für ihn auch auf unternehmerischer Seite aus. "Ich merke, dass vor allem die junge Generation immer größeren Wert auf Umweltschutz legt", so Hertel. Immer häufiger würden sich junge Leute bei ihm bewerben, weil sie das Nachhaltigkeitskonzept des Salons überzeugt. Auch Kunden schätzen Hertels Einsatz für den Klimaschutz. Ein Beispiel sind die biologisch abbaubaren Einmal-Friseur-Handtücher im "Le Salon Deluxe". Diese werden zu 100 Prozent aus ökologischem, europäischen Eukalyptus- und Zedernholzanbau hergestellt und kompostieren innerhalb von acht Wochen. "Jeder Kunde bekommt bei uns sein eigenes Handtuch, das nach der Nutzung entsorgt wird", sagt Hertel. Gerade in der Corona-Krise würden seine Kunden das sehr schätzen, denn sie können sicher sein, dass die Handtücher absolut keimfrei sind. Auch für die Mitarbeiter von Hertel haben die Einmal-Tücher einen großen Vorteil: Sie müssen nicht mehr täglich fünf Ladungen Wäsche waschen. Das erleichtert die Arbeit und spart viel Zeit, in der sie sich um Kunden kümmern können. Gleichzeitig reduziert der Salon seinen Wasser-, Strom- und Waschmittelverbrauch erheblich. "Das zeigt auch, dass sich Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit gut verbinden lassen", sagt Hertel.

Online-Lesezirkel

In der Corona-Krise ist der Friseurmeister außerdem von Zeitschriften auf einen digitalen Lesezirkel umgestiegen. "Friseure durften wegen der Coronaschutzverordnung keine Lektüre mehr ausgeben. Da musste eine andere Lösung her", sagt Hertel. Diese hat er in "Sharemagazines" gefunden. Der Kunde kann sich im Salon per QR-Code in die Plattform einwählen und hat Zugriff auf 500 Zeitungen und Zeitschriften. Sobald der Nutzer den Friseurladen verlässt, wird er wieder ausgeloggt. "Wir finden das klasse, weil es ein sehr innovatives Angebot ist. Und wir sparen Papiermüll ein", so Hertel. 

Marcus Hertel und sein Team unterstützen zudem ein Projekt ihres Produktlieferanten "La Biosthetique". Dabei geht es um die Aufforstung eines durch Rodung bedrohten Gebiets in Perú. Der CO2-Ausstoß der teilnehmenden Betriebe wird ermittelt und entsprechend viele Bäume werden als Ausgleich gepflanzt. Seit gut einem Jahr ist "Le Salon Deluxe" nun ein klimaneutraler Betrieb. Aber auch in Zukunft will Marcus Hertel, wann immer er die Möglichkeit und eine Idee hat, die Nachhaltigkeit in seinem Salon vorantreiben.

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