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Stufe für Stufe zum Eigenheim Wie sich ein Zimmermann sein Traumhaus baut

Wenn sein Arbeitstag auf der Baustelle des Kunden endet, geht es auf der eigenen Baustelle weiter. Der Zimmermann Fabian Rabenstein ist beim Bau des Eigenheims auch nach Feierabend und am Wochenende im Einsatz – und setzt auf Eigenkreationen. Die selbst gefertigte Treppe ist dabei nicht das einzige Unikat, das seinen Weg in das neue Zuhause findet.

Ein intensiver Geruch nach Holz, Sägespäne fliegen durch die Luft und tauchen alles in einen leichten Nebel. Als das Kreischen der Säge stoppt und sich die Sägespäne legen, ist Fabian Rabenstein am hinteren Ende der Werkstatt zu sehen. Der blonde Zimmermann trägt einen Gehörschutz und eine dicke Jacke. In seinen Händen hält er einen großen Holzblock aus Eiche, den er gerade zugeschnitten hat. Dieser wird später die Stufe einer Treppe bilden. Doch nicht irgendeiner Treppe, sondern seiner eigenen, in seinem eigenen Haus. Gemeinsam mit seiner Freundin Lea Nagler erfüllt sich der 27-Jährige den Wunsch eines Eigenheims.

Seit seinem Ausbildungsende 2014 arbeitet Fabian im Betrieb seines Vaters, der Zimmerei Rabenstein im unterfränkischen Nenzenheim. Dort ist er zurzeit auch außerhalb seiner Arbeitszeiten anzutreffen und fertigt unter anderem die Treppe für sein zukünftiges Haus. Es wird eine Faltwerktreppe, die durch geschlossene Stufen und ihre gefaltete Struktur wirkt, als wäre sie aus einem einzigen Stück Holz gefertigt. Die Zimmerei Rabenstein ist eine der wenigen in der Branche, die Treppen noch selbst baut. Trotzdem ist es für Fabian das erste Mal, dass er diese Art von Treppe fertigt. Für das eigene Haus soll es etwas Besonderes sein. "Wir wissen noch nicht genau, ob es funktioniert, so wie wir es uns vorstellen. Wir werden es einfach ausprobieren", lacht er und legt die fertige Stufe zu den anderen.

Nach Feierabend geht es auf die eigene Baustelle

In der Werkstatt ist die Arbeit für diesen Tag beendet, doch auf der Baustelle geht es für Lea Nagler und Fabian Rabenstein weiter. Der Bauplatz des jungen Paars liegt keine zwei Minuten Autofahrt von dem Zimmereibetrieb entfernt. Seit dem Spatenstich vor knapp 14 Monaten sind die beiden fast täglich dort. Die Erzieherin und der Zimmermann haben sich für den Hausbau keine berufliche Auszeit genommen. Dennoch haben sie beinahe alles selbst gemacht – mit der tatkräftigen Unterstützung von Familie und Freunden. Durch seine Arbeit in der Zimmerei, die auch eine vollständige Planung von Häusern anbietet, war das meiste für Fabian nichts Neues. Außerdem packt er für das eigene Haus auch nach Feierabend gerne nochmal an. "Die Motivation ist eine ganz andere", erklärt er. "Vor allem in der Anfangsphase habe ich mir viele Gedanken gemacht und abends auf dem Sofa Entwürfe gezeichnet. Manchmal konnte ich nicht einschlafen, weil ich so viele Ideen hatte." Die Maße berechnete er alle frei, nicht wie sonst üblich mit Hilfe seines Planungsprogramms. "So hat man einen anderen Bezug zu den Maßen", sagt er. Aus seinen Plänen ist inzwischen ein beinahe fertiges Haus entstanden. 

Nagler öffnet die provisorische Bautür. Die zukünftige Haustür fehlt noch, sie wird gerade von einem Schreiner maßgefertigt. "Bei unserem Nachbarn haben wir eine Scheune abgerissen", erklärt Fabian. "Die Tür wird aus Teilen der Holzbalken gefertigt, die dort verbaut waren."

Beim Betreten des Hauses ist er wieder da, der intensive Geruch nach Holz. Ein Blick nach oben zeigt die Sichtbalkendecke. Durch eine Deckenhöhe von beinahe sieben Metern wirkt der Eingangsbereich hell und gibt den Blick auf die Galerie im ersten Stock frei. Dem Paar war es wichtig, sich beim Betreten des Hauses nicht eingeengt zu fühlen. "Die Enge im Eingangsbereich unserer aktuellen Wohnung hat mich immer gestört", erklärt Lea. Dort, wo jetzt noch eine einfache Leiter steht, soll in wenigen Tagen die Treppe eingebaut werden. Ein großer Moment, denn dann wird sich zeigen, ob alles wie geplant funktioniert.

Sichtbetonboden eine Herausforderung

Auf den Eingangsbereich folgt der Wohnbereich mit offener Küche. Dort ist alles schon bereit für den Einzug. Die größte Herausforderung war der Sichtbetonboden. Diese Art von Boden wird nur selten angewendet, da sie sehr anfällig für Risse ist. Entgegen vieler Empfehlungen und nach intensiver Recherche entschieden sich Lea und Fabian dennoch dafür und sind sehr zufrieden mit dem Resultat. Und nicht nur hier setzten sie ihre eigenen Vorstellungen durch. Der Ofen im zukünftigen Wohnzimmer ist eine Eigenkreation von Leas Vaters. Trotz anfänglicher Skepsis des Ofenbauers ummauerte Uwe Nagler ihn mit speziellen Handformziegeln und integrierte ein Holzfach und eine Sitzbank. So fand ein weiteres Unikat seinen Platz im neuen Haus.

Anders als im Erdgeschoss gibt es im oberen Stockwerk noch viel zu tun. Das Paar klettert die Leiter nach oben. Auf der linken Seite liegt das Badezimmer. Dort müssen noch die Fliesen verlegt und die Armaturen montiert werden. Eine der wenigen Aufgaben, die Rabenstein nicht selbst übernimmt. Doch auch für ihn gibt es genug Arbeit. In den drei weiteren Zimmern und im Flur muss der Holzboden verlegt werden. Dabei ist Teamwork angesagt. Die Zusammenarbeit des Paars verläuft harmonisch. Auch bei der Planung gab es kaum Unstimmigkeiten. Nagler vertraute auf die Fachkenntnisse des Zimmermanns, ihre eigenen Ideen kamen jedoch ebenfalls nicht zu kurz. "Es gab nur selten Diskussionen. Wir waren uns eigentlich immer schnell einig", erklärt sie.

Natürlich denkt das Paar auch über die Zukunft im eigenen Haus nach. In einigen Jahren möchte Rabenstein die Meisterausbildung machen und später voraussichtlich die Zimmerei übernehmen. Nicht immer war er sich sicher, ob er in den familieneigenen Betrieb einsteigen und Zimmermann werden will. " Aber heute kann ich sagen, dass es mein Traumberuf ist", sagt er lächelnd, während Lea ihm das nächste Brett für den Holzboden reicht. Bislang kann Fabian sich jedoch noch nicht vorstellen, mehr Zeit mit Büroarbeit als auf dem Bau zu verbringen. "Die Frage ist, was vom Traumjob übrigbleibt, wenn man als Chef wochenlang nicht mehr auf der Baustelle ist," zweifelt er. Doch vorerst kann er diese Frage unbeantwortet lassen, denn für ihn gibt es gerade genug Baustellen – allen voran die eigene.

In wenigen Wochen soll das Haus bezugsfertig sein, und die beiden können es kaum erwarten. Am meisten freuen sie sich darauf, gemütlich auf dem Sofa zu sitzen, ein Feuer im Kamin, und durch die großen Fenster nach draußen zu blicken. "Und die neue Küche einzuweihen, mit einem guten Abendessen", ergänzt Nagler lächelnd. Obwohl sie noch nicht dort wohnen, fahren die beiden schon jetzt manchmal auf dem Heimweg an ihrem zukünftigen Haus vorbei. Dann können sie sich kurz vorstellen, wie es sich anfühlt, dort anzukommen. Im eigenen Haus, in das sie in den letzten Monaten so viel Zeit und Energie gesteckt haben. Und das in wenigen Wochen nicht mehr der Geruch nach Holz und frischer Farbe, sondern der nach gutem Essen und Kaminfeuer erfüllen wird.

Dieser Beitrag ist im Rahmen eines Reportage-Projekts des Master-Studiengangs Fachjournalismus und Unternehmenskommunikation an der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt entstanden. Kooperationspartner war die Deutsche Handwerks Zeitung.

 
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