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Neue Technologien im Handwerk Wie die Digitalisierung die Ausbildung verändert

Ob CNC-Fräse oder 3D-Drucker: Die Digitalisierung hat Einzug in die Handwerksberufe gehalten. Für die traditionsreichen Gewerke ist dies nicht die erste technologische Neuerung, der sie sich stellen müssen. Stets hat das Handwerk es geschafft, sich anzupassen – nicht durch starre Konzepte, sondern durch flexible Prozesse. Das gilt auch und besonders in Fragen der Ausbildung.

Die Digitalisierung betrifft heute alle Lebensbereiche und so auch Berufe und Arbeitsaufgaben. Die Veränderung lässt sich vor allem an den Werkzeugen ablesen, die wir benutzen – seien es Smartphones, oder aber Maschinen und Geräte wie Scanner oder 3D-Drucker. Die technische Entwicklung stellt auch das Handwerk und seine Gewerke vor neue Herausforderungen, auf die bereits in der Ausbildung eingegangen werden muss. Denn um den Handwerker-Nachwuchs fit für die Zukunft zu machen, muss man ihn auf dem aktuellen Stand der Technik auszubilden.

Digitalisierung auf zwei Ebenen

Digitalisierung findet in der Ausbildung auf zwei Ebenen statt. Als erste Ebene sind die Medien zu nennen, mit denen die Lehrlinge Inhalte in der Berufsschule lernen. Beispiele sind das gemeinsame Lernen in der Cloud oder Online-Kurse (Massive Open Online Courses), die Methoden eines Fernunterrichts mit interaktiven Elementen verbinden. Daneben gibt es auch spezialisierte digitale Angebote, zum Beispiel die virtuellen Schweißtrainersysteme. Bislang wurde den Auszubildenden das Schweißen in den Schweißkabinen der Bildungseinrichtungen des Deutschen Verbandes für Schweißen und verwandte Verfahren (DVS) beigebracht. Nun kann der Schweißprozess auch in einer Augmented-Reality-Umgebung erlernt werden, in der das Schweißen simuliert wird. So können sich Lehrlinge eine grundlegende Handfertigkeit mit digitalen Mitteln aneignen – noch dazu ressourcenschonend und ohne Sicherheitsrisiken.

Digitale Angebote, wie die virtuellen Schweißtrainersysteme, machen Sinn und setzen sich in der Praxis zunehmend durch, berichtet Markus Klemmt vom Kompetenzzentrum Digitales Handwerk, das zum durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderte Mittelstand-Digital gehört. Ein weiterer Vorteil: Auf diese Weise können alle Auszubildenden, unabhängig von der Ausstattung ihres Betriebs, mit digitalen Medien in Berührung kommen. Die zweite Ebene der Digitalisierung sind die Werkzeuge, mit denen tagtäglich gearbeitet wird. Und da fällt die Ausstattung der Betriebe sehr unterschiedlich aus. In manchen Schreinereien wird etwa mit CNC-Maschinen gearbeitet, in anderen noch analog.

Auf den Betrieb und den Ausbilder kommt es an

Wie stark also die Ausbildung in den Handwerksberufen bereits von der Digitalisierung geprägt ist, hängt vom jeweiligen Beruf, vom einzelnen Betrieb und vom Ausbilder ab, bestätigt auch Markus Klemmt. Daher ist es besonders wichtig, die Weiterbildung der Ausbilder wertzuschätzen und zu fördern. In den Rahmenlehrplänen der Ausbildungsgänge schlägt sich der digitale Wandel kaum oder nur sehr langsam nieder. Das liegt vor allem daran, dass die darin verankerten, zu erlernenden Kompetenzen technologieneutral und gestaltungsoffen formuliert sind. So muss nicht bei jeder technischen Neuerung der Lehrplan geändert werden – schließlich ist die Digitalisierung nicht die erste technologische Herausforderung, die das Handwerk in seiner langen Geschichte gemeistert hat.

Berufe auf dem Prüfstand

Für viele Handwerker ist auch ein wichtiger Faktor, dass sie erst einmal abwarten wollen, ob es sich bei einer Entwicklung um einen kurzlebigen Trend oder eine nachhaltige Veränderung handelt. Ist letzteres der Fall, entsteht manchmal sogar ein neuer Beruf. So wurden die fahrzeugtechnischen Berufe im Jahr 2003 neu geordnet und dabei die Berufe Automobilmechaniker, Kfz-Elektriker und den Kfz-Mechaniker durch den Beruf Kfz-Mechatroniker abgelöst. Wesentliche Treiber des neuen Berufsbildes war die damals stark zunehmende Fahrzeugvernetzung.

Mittlerweile werden marktverändernde Phänomene wie die Digitalisierung auch durch modifizierte Berufsbildpositionen und eine Änderung der Prüfungsinhalte stärker aufgegriffen. So steht aktuell in einem Reallabor unter Leitung des Zentralverbands der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) der Beruf des Elektronikers Energie- und Gebäudetechnik auf dem Prüfstand. In diesem Pilotprojekt werden seit Anfang 2017 digitale Ausbildungsinhalte zu Smart Home, Smart Grid und Fernwartung mit modernen Lernmethoden an Auszubildende im dritten Lehrjahr vermittelt. Verläuft das Projekt erfolgreich, soll dieses Modell auch auf andere Gewerke übertragen werden.

Für alle Berufe gilt, dass es digitale Kernkompetenzen gibt, die heute und vor allem in Zukunft unerlässlich sind. Dazu gehört der Umgang mit Software, sei es nun für den Betrieb von Maschinen oder für die Buchhaltung. Für die Betriebe gilt: Die Digitalisierung verbessert nicht nur zahlreiche Prozesse, sondern lockt auch gute Auszubildende mit Weitsicht an. dhz

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