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Perspektiven im Internet der Dinge Wie sich Darmstadt zur Smart City wandelt

Darmstadt gilt als Vorreiter bei der digitalen Transformation. Davon können auch innovative Handwerksbetriebe profitieren.

Die deutschen Städte platzen aus allen Nähten. Überall wird es eng. Es fehlt an Wohnungen, Gewerbeflächen und Parkplätzen. Auf den Straßen staut sich der Verkehr. Dicke Luft und Lärm belasten die Bewohner. Die Digitalisierung könnte helfen, die Städte zu entlasten. Aber dafür müssen sie smarter werden. Über den Stand der digitalen Transformation in den Kommunen informiert der Smart-City-Atlas des Branchenverbandes Bitkom.

Die Aktivitäten in 50 Städten, von Metropolen wie München, Hamburg oder Berlin bis hin zu kleineren Städten wie Coburg, Bad Hersfeld oder Lemgo, wurden für die Analyse unter die Lupe genommen. Fazit: Sie sind auf einem guten Weg, aber im internationalen Vergleich bleibt Deutschland Mittelmaß. In Europa setzen eher London, Kopenhagen, Amsterdam, Wien oder Santander die Maßstäbe.

LoRaWAN als Funkstandard

Hierzulande etabliert sich Darmstadt als Vorreiter. Seit die Großstadt im Rhein-Main-Gebiet vor zwei Jahren den Wettbewerb "Digitale Stadt" gewonnen hat, nimmt die Entwicklung zur Smart City richtig Fahrt auf. "Darmstadt geht die Digitalisierung sehr strategisch an, hat dafür die entsprechenden Strukturen geschaffen und legt hohen Wert auf IT-Sicherheit und Datenschutz", betont Bitkom-Sprecher Bastian Pauly.

In 14 Handlungsfeldern mit zahlreichen Projekten treibt das südhessische Oberzentrum den Wandel zur Smart City voran. Davon kann auch das Handwerk profitieren, betont Anja Mendel von der Digitalstadt Darmstadt GmbH. So etabliere sich das Kompetenzzentrum 4.0, an dem auch die Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main beteiligt ist, als Anlaufstelle für kleine Betriebe.

Die Unternehmen können perspektivisch das Netzwerk für das Internet der Dinge nutzen, das die Digitalstadt Darmstadt im Funkstandard LoRaWAN aufgebaut hat. Dieses Netzwerk bildet die Basis für verschiedenste Sensoren, die dank ihrer hohen Energieeffizienz mit nur einer Batterie 14 Jahre lang funktionieren. Zahlreiche Anwendungen für das Internet der Dinge werden derzeit erprobt, etwa das Tracken von Gegenständen zur Baustellenüberwachung oder Sensoren, die Temperatur, Luftqualität sowie den Füllstand von Mülltonnen und Wassertanks überwachen. Außerdem möchte die Digitalstadt Unternehmen über Open Data den Zugang zu Daten ermöglichen, die als Grundlage für neue Anwendungen genutzt werden können. Die zentrale Plattform dafür befinde sich gerade im Aufbau.

Projekte entlasten Verkehr

Am fortgeschrittensten sind Projekte, mit denen Darmstadt die Verkehrsinfrastruktur entlasten möchte. So gibt es bereits eine Teststrecke für Ampel-Grün-Phasen oder eine öffentlich zugängliche Plattform, die Verkehrsdaten in Echtzeit bietet. Um den Parksuchverkehr zu reduzieren, soll noch in diesem Jahr eine App zur Verfügung stehen, die über freie Parkplätze informiert. Die Daten liefern Sensoren, die gerade installiert werden. Zudem soll ein digitales Luftgütemessnetz an zwölf Standorten die Schadstoffe NO2, NO, Ozon und Feinstaub messen.

City-Tree

Eine Verbesserung der Stadtluft verspricht sich Darmstadt vom City-Tree, dessen erstes Modell kürzlich vorgestellt wurde. Der als Stadtmöbel mit zwei großen Sitzbänken angelegte Bio-Tech-Filter setzt auf die luftreinigende Wirkung von Moosen, die an einer 2,6 Meter hohen Wand zwischen den Bänken Schadstoffe schlucken. Der erste City-Tree soll schon bald aufgestellt werden, für weitere Exemplare sucht die Digitalstadt noch Firmenpaten, die das Projekt unterstützen möchten.

Bürger werden beteiligt

Um den Einwohnern die Ängste vor den Zukunftstechnologien zu nehmen, setzt die Digitalstadt Darmstadt auf breite Bürgerbeteiligung – online wie offline. Neben Bürgerabenden gibt es ein Online-Portal, über das sich die Darmstädter einbringen können. " Datenschutz und Cybersicherheit sind Kernelemente der Digitalstadt Darmstadt. Wir möchten uns explizit von anderen Modellen einer Smart City wie in China, wo es stark um Überwachung geht, abheben", sagt Anja Mendel. Dass die Digitalstadt Darmstadt als ihren Sitz das Fraunhofer-Institut für Sicherheit in der Informationstechnologie gewählt hat, unterstreicht diesen Anspruch.

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