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Finanzierung: Das Handwerk investiert verstärkt Wie Handwerker an günstige Kredite kommen

Wer zusätzliche Darlehen für Neu- oder Ersatzinvestitionen will, hat heute mehrere Chancen an Geld zu kommen. Neben der Hausbank locken Leasing und Schwarmfinanzierungen.

Das hat gute Gründe: Denn eine Finanzierung für eine neue Backmaschine oder die Renovierung der Abbundhalle sind langfristige Angelegenheiten. Die im Idealfall für die Zeit der Abschreibungsdauer finanziert sein sollten. Die liegt bei Transportern bei rund fünf, bei Maschinen bis zu zehn Jahren. Erneuerungen an Gebäuden können auch mit Zinsbindungen von bis zu 15 Jahren kalkuliert und abgeschlossen werden.

Die aktuelle Marktlage zeigt zudem, dass Zinsen nach wie vor auf einem historischen Tiefstand verharren. Nebenkosten wie Provisionen lassen sich kaum mehr senken – dann verzichten die Kreditinstitute lieber auf das Geschäft, so die Einschätzung des HWK-Beraters. Stattdessen lohnt es sich, Alternativen zu prüfen. So bieten etwa Hersteller von Maschinen oder Fahrzeugen aktuell ebenfalls Spitzenkonditionen an. Oft unter denen der Hausbank. Besonders günstig werden Auslaufmodelle finanziert. Manchmal subventionieren Hersteller über niedrige Kaufkonditionen sogar den Absatz.

Investitionsneigung 2018

Leasing schont die Kreditlinie bei der Hausbank

Etliche Bäcker oder Zimmerleute denken im Zuge einer Ersatzinvestition über Leasing nach. Etwa, wenn sie kein Eigenkapital für den anstehenden Bedarf einsetzen möchten. Auch hier werden derzeit günstige Konditionen für den Erwerb der Nutzungsrechte angeboten. Hintergrund kann ein Schonen der Kreditlinie bei der Hausbank sein, die möglicherweise für eine größere Investition aufgespart werden soll.

Alternativ testen Handwerker inzwischen neue Finanzierungsformen wie Crowdlending – wenn es etwa um Betriebsmittel oder Wachstum geht. Klaus Schneider von der Solar Haustechnik Bischofswerda (SHB) GmbH hat 40.000 Euro Betriebsmittelkredit über die Online-Plattform kapilendo eingesammelt. Das Projekt wurde innerhalb von 33 Sekunden von 84 Anlegern finanziert. Schneider nutzt das Geld, um bei Großhändlern bessere Konditionen zu erzielen.

"Sie gewähren uns bei sofortiger Zahlung Vergünstigungen beim Einkauf von Waschbecken, Dichtstoffen, Geräteventilen und anderen Utensilien", erklärt der Geschäftsführer des Handwerkbetriebes aus der sächsischen Oberlausitz. Mit 8,1 Prozent Festzins und einer Laufzeit von einem Jahr bezahlt SHB vermutlich mehr, als andere Handwerker bei ihrer Hausbank. Dennoch wählt der Betrieb die Finanzalternative, vermutlich, um seine Kreditlinie bei der Hausbank nicht auszunutzen.

Zusätzliche Geldgeber können Banker vom Geschäftsmodell überzeugen

Banker berichten, dass die Suche nach weiteren Finanzierungsformen – und damit auch eine gewisse Risikostreuung – nicht nur negativ gesehen wird. Im Gegenteil. Wer nicht alles bei seiner Hausbank finanziert, zeigt damit, dass sein Geschäftsmodell auch andere Geldgeber überzeugt. Oft geschieht es überdies, dass Banken Großinvestitionen nicht komplett übernehmen wollen. Wenn etwa ein Viertel nicht klassisch über Kredit finanziert wird, lohnt es sich umso mehr, am Markt nach Varianten zu suchen. Schlussendlich kann die Hausbank dann wiederum für den niedriger angefragten Kredit die besseren Konditionen aufrufen.

Einen zusätzlichen Hinweis gibt Ex-Banker Drexel noch: Bevor mit der Bank um neue Kredite gerungen wird, sollten Handwerker prüfen, wie viel Geld sie auf der hohen Kante liegen haben. Denn dort bringe es aktuell nichts, weil kaum oder keine Zinsen gezahlt würden. Der HWK-Berater rät stattdessen, diese Mittel für Neu- und Ersatzinvestitionen einzusetzen. Die Rücklage also aufzulösen und mit dem Kapital aktiv zu arbeiten.

Auch lohne sich jährlich der Blick auf die Gesamtsituation. Wird etwa deutlich, dass der Kontokorrentkredit umgeschuldet werden kann, sinken für so eine längerfristige Umlagerung die Zinsen automatisch. Ebenso rät der Berater ab, den Kontokorrentrahmen über Bedarf ungenutzt stehen zu lassen. Manche Bank überlegt bereits, für die Zurverfügungstellung eines Limits Gebühren zu erheben. Ähnlich wie früher für einen gewährten und nicht in Anspruch genommenen Avalrahmen, für das inzwischen ausgestorbene Wechselgeschäft.

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