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Auszubildende sind besonders unfallgefährdet Wie gelingt der sichere Start in die Ausbildung?

Rund 20 Prozent aller meldepflichtigen Unfälle passieren in der Altersgruppe der 18- bis 25-Jährigen, so die Information der Berufsgenossenschaft Holz und Metall. Mit diesen Tipps minimieren Azubis und Ausbilder das Unfallrisiko.

Die Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM) übernimmt als ein Träger der gesetzlichen Unfallversicherung bundesweit den Versicherungsschutz von über 4,7 Millionen Beschäftigten in den mehr als 215.000 Betrieben der Branchen Holz und Metall. Ulrich Zilz, Präventionsexperte der Berufsgenossenschaft, erklärt, wie der Start der Ausbildung ohne Unfall gelingt.  

DHZ: Herr Zilz, junge Beschäftigte erleiden immer wieder Arbeitsunfälle oder Beinahe-Unfälle. Wieso sind sie besonders gefährdet?

Ulrich Zilz: Junge Beschäftigte sind zunächst einfach Berufsanfänger: Mangelnde Kenntnisse, Erfahrungen und Stress durch viele neue Aufgaben führen in jedem Alter häufig zu Unfällen gerade in den ersten Tagen an einem neuen Arbeitsplatz. Außerdem testen Jugendliche Grenzen aus, mitunter ist die Bereitschaft Risiken einzugehen höher. Sie befinden sich in einer Übergangsituation, die mit vielen Unsicherheiten verbunden ist: Sie lösen sich vom Elternhaus und müssen sich in der neuen Rolle am Arbeitsplatz behaupten. Einige wollen sich dann nicht die Blöße geben, bei Unsicherheiten nachzufragen. Daher werden unzureichende Kenntnisse bei der Arbeit nicht immer gleich sichtbar, was fatale Folgen haben kann.

DHZ: Gibt es Unfallschwerpunkte oder Situationen, die bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen besonders häufig zu beobachten sind?

Zilz: Junge Erwachsene sind beispielsweise im Straßenverkehr besonders gefährdet. Klar – sie sind unerfahrene Autofahrer, oft risikobereiter oder ungeduldiger. Quer durch alle Altersgruppen gibt es außerdem weitere Unfallschwerpunkte, wie beispielsweise Stolpern, Rutschen oder Stürzen sowie Arbeiten an Maschinen. Da Azubis in den ersten Ausbildungsjahren beispielsweise in der Holz- und Metallbranche häufig mit Handwerkzeugen arbeiten, passieren damit auch viele Unfälle, z. B. durch nicht bestimmungsgemäße Verwendung von kraftbetriebenen Handwerkzeugen. Dabei lässt sich beobachten, dass es oft bei der erstmaligen Verwendung eines Werkzeugs zu Unfällen kommt.

DHZ: Womit hängt das zusammen?

Zilz: Da kommen verschiedene Ursachen zusammen: Fehlende Arbeitsvorbereitung, Sorglosigkeit oder falsche Bedienung aufgrund fehlender Kenntnisse. Ein spezielles Problem ist, dass bei defekten Arbeitsmitteln der Schaden entweder nicht erkannt wird oder sich die Azubis nicht trauen, diesen anzusprechen. Wichtig ist auch zu wissen, dass es auch Gefährdungen gibt, die womöglich keinen Unfall nach sich ziehen, aber irreversible Schäden verursachen können, beispielsweise Schwerhörigkeit durch Lärm.

DHZ: Worauf können Verantwortliche in den Betrieben achten, wenn sie junge Berufseinsteiger beschäftigen?

Zilz: Vorab: Zahlreiche Verantwortliche, Ausbilder und junge Beschäftigte machen seit vielen Jahren vieles richtig und tragen dazu bei, Unfälle zu verhindern. Mein Tipp für Personen, denen Azubis erstmalig anvertraut werden: Nehmen Sie Kontakt zu erfahrenen Kollegen auf. Es ist wichtig, Berufseinsteiger eng zu begleiten. Bereiten Sie den Arbeitseinsatz gut vor und planen Sie eine angemessene Einarbeitungszeit ein. Der richtige und sichere Umgang mit den Arbeitsmitteln spielt dabei eine wichtige Rolle. Prüfen Sie, dass sichere Werkzeuge zur Verfügung stehen. Unterweisungen sind vor jeder neuen Arbeit notwendig – oft wird nicht bedacht, dass Azubis viele Tätigkeiten zum ersten Mal machen. Übrigens: Eine Kontrolle der Arbeiten unter Arbeitsschutz-Aspekten ist kein Misstrauen, sondern Ausdruck der Wertschätzung gegenüber der großen Herausforderung, vor der Azubis stehen.

DHZ: Haben Sie einen besonderen Tipp, wie sich Azubis für Unfallgefahren sensibilisieren lassen?

Zilz: Die Beschäftigten spüren, wenn Arbeitsschutz gelebt wird und Teil der Unternehmenskultur ist. Es ist gut, sich einen lockeren Umgang zu bewahren und sicheres und gesundes Verhalten für junge Beschäftigte nachvollziehbar und selbstverständlich werden zu lassen. Sie werden sich bewusst, dass auch Sie eine Verantwortung für ihre Sicherheit tragen und im Zweifel nachfragen sollten. Vorbildliche Betriebe stellen Azubis hierzu einen Paten oder Mentor zur Seite. Das können Sicherheitsbeauftragte oder ältere Azubis sein. Manche Unternehmen bilden die Azubis selbst zu Sicherheitsbeauftragten aus, damit der Arbeitsschutz von Anfang an für sie im Fokus steht.

DHZ: Welche Unterstützungsangebote bietet die BGHM?

Zilz: Die BGHM hat eigens eine Homepage für Azubis eingerichtet: Unter finden sie Infos und Broschüren für einen gesunden Start in den Beruf. Für Ausbilder und Azubis veranstaltet die BGHM zudem Seminare. Mit "Jugend will sich-er-leben" bieten die Landesverbände der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung außerdem ein branchenübergreifendes Präventionsprogramm an: Im vergangenen Jahr stand Lärmschutz im Mittelpunkt, ab sofort dreht sich alles um das Thema Verkehrssicherheit. dhz

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