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Teilnahme war "Erinnerung fürs Leben" Wie ein Schreiner die WorldSkills erlebte

Der 21-Jährige Schreinergeselle Florian Meigel aus Benediktbeuern hat in diesem Jahr an den "WorldSkills" im russischen Kasan teilgenommen. Auch ohne Medaille war es für ihn eine Supersache.

Im Interview erklärt der Schreinergeselle, wie er die WorldSkills erlebt hat und wie er künftigen Teilnehmern helfen möchte.

Wie kamen Sie zu den WorldSkills?
Florian Meigel: Ich habe 2017 meine Ausbildung abgeschlossen, wurde zuerst Kammer-, dann Landes- und schließlich noch Bundessieger im Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks. Damit war ich automatisch für die Berufsweltmeisterschaften qualifiziert, die alle zwei Jahre stattfinden. Ich war bei den Bauschreinern am Start, ein Kollege bei den Möbelschreinern.

Wann hat der Bundestrainer angerufen?
Ich wurde bereits Ende 2017 informiert, dass ich in Kasan dabei bin. Aber zunächst habe ich ganz normal weitergearbeitet.

Gab es im Vorfeld auch ein Trainingslager?
So etwas Ähnliches. Anfang 2019 wurde ich fünf Wochen lang von einem persönlichen Trainer vorbereitet. Dabei haben wir uns an Wettkampfstücken der vergangenen Weltmeisterschaften orientiert. Zusätzlich gab es noch ein Ländertraining in der Schweiz. WorldSkills Germany hat u.a. Teambuilding-Maßnahmen und ein Medientraining organisiert. Außerdem habe ich nach Feierabend, an Wochenenden und im Urlaub trainiert. Das war alles sehr zeitintensiv. Mein Arbeitgeber, die Schreinerei Konrad Hundhammer aus Penzberg, hat mich dabei von Anfang an sehr unterstützt und oft freigestellt. Das ist nicht selbstverständlich.

Mit welchen Erwartungen sind Sie nach Kasan gereist?
Ich wollte dort schon etwas reißen und so gut wie möglich abschneiden. Nur dabei zu sein, war mir zu wenig.

Wer waren Ihre stärksten Konkurrenten?
Das waren Franzosen, Schweizer und Asiaten. Die werden jahrelang trainiert, um dann auf den Punkt ­ab­zuliefern. Die sind zwar gut darin, die Aufgaben zu lösen, wären aber auf einer Baustelle wahrscheinlich ziemlich hilflos. Für mich sind das mehr Leistungssportler als Hand­werker.

Wie liefen die Wettkämpfe ab?
Wir mussten eine 1 Meter hohe Haustür mit Stock und Flügel bauen. Das war, gemessen an den Aufgaben, die ich im Training bearbeitet habe, ziemlich anspruchsvoll. Wir hatten für das Werkstück insgesamt 22 ­Stunden Zeit, verteilt auf vier Tage. In der Halle war viel Publikum, wovon ich allerdings nicht viel mitbekommen habe. Ich war wie im Tunnel.

Erinnerung fürs Leben

Für eine Medaille hat es am Ende leider nicht gereicht …
... und darüber bin ich immer noch etwas enttäuscht. Am Ende haben mir zwei Punkte zur Bronzemedaille gefehlt. Der Wettkampf ist etwas unglücklich gelaufen: Mittendrin wurde plötzlich der Zeitplan gestreckt. Davon haben vor allem die Medaillengewinner profitiert. Schade, ich hätte mich für die ganzen Entbehrungen gerne mit Edelmetall belohnt.

Was bleibt von den WorldSkills?
Ich werde mich mein ganzes Leben daran erinnern. Das war eine Supersache. Vorher kannte ich die WorldSkills überhaupt nicht und bin erst durch den PLW darauf aufmerksam geworden. Ich habe durch den Wettkampf viele Erfahrungen gesammelt. Mein handwerkliches Geschick wurde gefördert, meine Selbsteinschätzung hat sich verbessert. Ich habe an meinen Schwächen gearbeitet, was mir auf der Meisterschule, die ich gerade besuche, sehr hilft. Auch der Austausch mit den anderen Teilnehmern aus 26 Nationen war hochinteressant.

Wie geht es mit Ihnen nun weiter?
Ich gehe noch bis Anfang 2021 auf die Meisterschule in Garmisch-Partenkirchen. Anschließend besuche ich vielleicht noch die Fachakademie für Raum und Objektdesign. Die Selbstständigkeit ist sicher eine Option, aber zunächst werde ich als Angestellter weiterarbeiten. Und ich würde gerne mein Wissen an andere WorldSkills-Teilnehmer weitergeben.

Woran denken Sie?
Ich könnte zum Beispiel als Co-Trainer helfen. Da bin ich noch in der Abstimmung. Die nächsten WorldSkills finden 2021 in Shanghai statt. Gerade in den ersten Trainingswochen kann man gar nicht genug Hilfe von jemandem bekommen, der das Ganze schon einmal erlebt hat.

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