Vor der Ausbildung -

Reinschnuppern und durchstarten Wie ein Konstanzer SHK-Betrieb seine Praktikanten überzeugt

In Zeiten voller Auftragsbücher ist guter Nachwuchs unverzichtbar. Entsprechend frühzeitig sollten sich Handwerksbetriebe um neue Auszubildende kümmern. Bei Dietenmeier und Harsch beginnt dies bereits in der Schule.

Durch entsprechende Kooperationen stellt sich der Heizungs- und Klimatechnikbetrieb im Unterricht bei Schülern vor. “Wir erläutern unsere Berufe und zeigen auf, welche Ausbildungsmöglichkeiten es bei uns gibt“, sagt Ausbilder Ralf Spedt. Selbstverständlich bedeute diese Art der Nachwuchswerbung einen gewissen Zeitaufwand, in Anbetracht der Erfolgsquote sei dieser jedoch zu vernachlässigen. “Wir beschäftigen zwischen 20 und 30 Praktikanten pro Jahr“, so Ralf Spedt, “das genügt, um unsere Ausbildungsstellen zu besetzen.“

Youssef Ibrahim ist einer der neuen Auszubildenden. Der 16-jährige Konstanzer wusste eigentlich schon lange, dass er einen Beruf erlernen möchte, in dem er mit seinen Händen arbeiten kann. Konkreter waren seine Vorstellungen allerdings noch nicht. “Als sich die Mitarbeiter von Dietenmeier und Harsch dann im Unterricht vorgestellt haben, war ich sofort beeindruckt“, erzählt Youssef Ibrahim. “Die Präsentation war total positiv und außerdem haben sie viele Gründe für eine Ausbildung in ihrem Betrieb genannt, die mich überzeugt haben: von Ausbildungsinhalten bis hin zu weiteren Karrierechancen.“ Youssef Ibrahim nutzte die Möglichkeit zum persönlichen Austausch und begann schon kurz darauf ein Praktikum bei Dietenmeier und Harsch.

Gleich mit auf die Baustelle

Am ersten Tag wurde er direkt einem Monteur zugeordnet, den er auf eine Baustelle begleitete. “Natürlich habe ich keine schwierigen Aufgaben übernommen, aber ich durfte Löcher bohren, Schellen montieren und auch Leitungen verlegen“, erzählt Youssef Ibrahim. Ein entscheidender Unterschied zu seinen bisherigen Praktika: “So selbständig durfte ich zuvor nirgends mitarbeiten.“

Maria Grundler, Leiterin der Nachwuchswerbung bei der Handwerkskammer Konstanz, weiß, dass alle beteiligten Parteien davon profitieren, wenn Praktikanten aktiv in die Arbeit eingebunden werden. “Das ist eine Win-win-Situation: Die Mitarbeiter können schnell erkennen, ob ein Praktikant auch langfristig ins Team passen würde. Gleichzeitig fühlen sich Praktikanten durch die Möglichkeit, selbständig anzupacken, unheimlich motiviert und können herausfinden, ob eine Ausbildung in diesem Beruf zu ihnen passen würde.“ Wer Praktika anbiete, beuge so einem bösen Erwachen in der Ausbildung vor, da beide Seiten wissen, worauf sie sich einlassen. Dazu sei es aber wichtig, dass sich Betriebe bereits im Vorfeld überlegen, was ihnen bei einem Auszubildenden wichtig ist.

Ein weiteres Argument für Praktika sei die Reichweite der Nachwuchswerbung, so Maria Grundler. Denn ein gutes Praktikum spreche sich schnell herum, sowohl im Freundeskreis als auch unter Klassenkameraden und den Lehrern der Schule.

Damit ein Praktikum rundläuft, gibt es bei Dietenmeier und Harsch einen geregelten Ablauf. Dazu zählt zunächst ein persönliches Kennenlernen vorab. Am ersten Praktikumstag lernen die Jugendlichen dann ihren persönlichen Ansprechpartner kennen und erhalten eine eigene Schutzausrüstung sowie ein Firmen-T-Shirt, das sie als Praktikanten ausweist. “Dadurch möchten wir den jungen Menschen das Gefühl geben, sofort ins Team integriert zu sein“, sagt Ralf Spedt.

Während des Praktikums erhalten die Jugendlichen dann Einblicke in die Unternehmensbereiche Elektro, Heizung und Sanitär. “Wir fordern unsere Praktikanten gleich zu Beginn auf, viel zu fragen. Unsere Monteure sind entsprechend unterwiesen“, so Ralf Spedt. “Außerdem halten wir die Monteure dazu an, unsere Praktikanten auch einfach einmal machen zu lassen.“ In den Abschlussgesprächen am Ende der Praktika erfährt Ralf Spedt häufig, dass die Praktikanten begeistert sind, so viel anpacken zu dürfen. “Viele sind überrascht, wie viel Mühe wir uns geben und ihnen alles erklären und zeigen“, erzählt der Ausbilder.

Zwei Wochen mit Aha-Effekt

Youssef Ibrahim hatte während seines Praktikums einen Aha-Effekt: “Ich wusste gar nicht genau, was ein Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik macht. Aber auf der Baustelle wusste ich schnell, dass mir die Arbeit Spaß macht.“

Genau mit diesen authentischen Einblicken ins Handwerk können Betriebe punkten, weiß Maria Grundler. “Gute Praktika helfen Unternehmern, die idealen Auszubildenden zu finden und langfristig auch Fachkräfte zu binden“, so die Nachwuchswerberin.

Um Anregungen für Praktikainhalte zu schaffen, hat Maria Grundler gemeinsam mit Kollegen anderer Handwerkskammern in Baden-Württemberg eine neue Broschüre erarbeitet. Diese enthält eine Sammlung von Best-Practice-Projekten für zwölf Gewerke, die in verschiedenen Bildungsakademien bereits erfolgreich umgesetzt wurden. Dank detaillierter Anleitungen und zahlreicher Fotos bietet die Broschüre konkrete Tipps für die praktische Berufsorientierung im Praktikum.

So wird das Praktikum zum Erfolg – die zehn wichtigsten Tipps auf einen Blick

1. Informieren Sie vor Praktikumsbeginn alle Mitarbeiter über den neuen Praktikanten und darüber, wie lange er im Unternehmen sein wird. Es ist wichtig, dass die Belegschaft dafür sensibilisiert ist, den Praktikanten kennenzulernen.
2. Halten Sie gegenüber dem Praktikanten Informationen zu Ausbildung und Ausbildungsinhalten parat.
3. Heißen Sie Ihren Praktikanten am ersten Tag herzlich willkommen und nennen Sie ihm einen festen Ansprechpartner im Betrieb.
4. Informieren Sie den Praktikanten über die kommende Woche. Wichtig zu wissen sind beispielsweise Arbeitsbeginn, Pausenzeiten, Handyregelung, aber auch die Erwartungen Ihrerseits.
5. Nehmen Sie sich Zeit, den Praktikanten anzuleiten und ihn dann praktisch arbeiten zu lassen.
6. Ermutigen Sie Ihren Praktikanten dazu, Fotos von der Arbeit bei Facebook oder Instagram hochzuladen – natürlich nur, wenn die Eltern einverstanden sind.
7. Laden Sie am letzten Tag die Eltern des Praktikanten ein, damit sie sich ein Bild vom Betrieb machen können.
8. Führen Sie am Ende ein ehrliches und wertschätzendes Feedbackgespräch. Zuvor bietet es sich an, die Mitarbeiter nach ihren Eindrücken zu befragen.
9. Zeigen Sie auf, wie es weitergehen kann. Wenn Sie einen Auszubildenden suchen, nennen Sie Ihrem Praktikanten den zeitlichen Rahmen für die Bewerbung und welche Schritte er konkret gehen kann.
10. Wer mit seinem Praktikanten zufrieden war, kann ihm auch ein kleines Geschenk machen, etwas Geld geben oder ihn zum Sommerfest oder zur Weihnachtsfeier einladen.

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