Für Ausbilder -

Berufe der Zukunft Wie die Digitalisierung Ausbildungen verändert

Mit dem zunehmenden Einfluss digitaler Techniken im Berufsleben ändert sich dieses nachhaltig. Betroffen sind auch die Ausbildungen an sich, deren Verlaufspläne geändert werden müssen. Und über allem schwebt die Frage: Sterben alte Berufe aus?

Im Vorstellungsgespräch hatte Lukas Röhrich, 20, keine Antwort auf die Frage, ob er wisse was ein Produktionstechnologe sei. Eigentlich hatte er sich für eine Ausbildung zum Mechatroniker beworben. Der Ausbildungsleiter riet ihm, sich zu informieren. Jetzt absolviert er die Ausbildung zum Produktionstechnologen.

"Gereizt hat mich, dass man in der Ausbildung größere Zusammenhänge lernt als beim Mechatroniker", sagte Röhrich. Es ist ein Beruf, den es so erst seit 2008 gibt. Auszubildende werden hier darauf vorbereitet, Produktionsprozesse zu planen und zu betreuen. Zudem richten sie Produktionsanlagen ein. Industrie und Verbände sahen die Notwendigkeit für den Beruf, da mit einer zunehmenden Digitalisierung auch die Prozessoptimierung eine immer größere Rolle spiele.

Die voranschreitende Digitalisierung wird nicht nur einzelne Berufe nachhaltig verändern, sondern auch die gesamte Branche. In der Ausbildung werden sich die Berufe immer mehr an den neuen Techniken und Produktionsweisen orientieren. Dabei entstehen auch neue Berufe.

Anpassung bestehender Ausbildungsberufe

Mittelfristig werden sich alle Berufe durch die Digitalisierung verändern, so Siegfried Czock, Leiter Aus- und Weiterbildung bei Bosch. Aber nicht immer würden dadurch auch neue Berufe entstehen. Die Ausbildungspläne, die mit Verbänden, Kammern und Ministerien erarbeitet werden, lassen immer noch eine gewisse Anpassung zu. Die Ausbildungsordnungen seien "zukunftsoffen formuliert", so Friedrich Esser, Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung in Bonn.

Notwendige Qualifikationen würden von den Betrieben selbst vermittelt. Erst wenn sich eine gewisse Relevanz für die ganze Branche ergebe, würden Ausbildungspläne erweitert oder über neue Berufe nachgedacht. Eine Abschaffung vieler der aktuell 328 staatlich anerkannten Ausbildungsberufe stehe nicht bevor.

Mehr Informatik

Allerdings komme man um Veränderungen nicht herum: "Wir erwarten, dass vor allem bei den Berufsbildern Kfz-Mechatroniker und Kfz-Elektroniker weitere Inhalte verändert werden", sagt Oskar Heer, Leiter Arbeitspolitik bei Daimler. Dabei werde der Informatikanteil steigen: Zunächst durch Elektronik, später auch durch das Einbinden von Echtzeitinformationen aus dem Verkehr.

Eine Anpassung der Ausbildung erfordere immer die Abstimmung mit Kammern und Berufsschulen. Eine größere Herausforderung als das Ändern von Ausbildungsinhalten könnte jedoch die Weiterbildung der übrigen Mitarbeiter in einem Betrieb sein. dpa

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten