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Blick in die Branche Keine Einnahmen mehr: Wie die Coronakrise Messebauern zusetzt

Sie wurden abgesagt, verschoben und teilweise ganz eingestellt: Seit Monaten finden in Deutschland keine Messen mehr statt, die Umsätze der Branche gehen gegen null. Betroffen sind auch Messebauer wie Christian von den Driesch. Doch der Handwerker vertraut auf den Wandel, den die Coronakrise hervorbringen könnte.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Coronavirus

Im März 2020 war die Internationale Handwerksmesse (IHM) eine der ersten Messen in Deutschland, die aufgrund der Coronakrise nicht stattfinden konnte. "Wir waren gerade mitten in den Vorbereitungen, als die Absage kam. Da war die Unsicherheit groß", erinnert sich Christian von den Driesch von Kaufmann & Ladendorf. Gemeinsam mit Mitinhaberin Ursula Kaufmann führt er einen Betrieb für Schreinerei- und Messeservice im oberbayerischen Egling-Endlhausen. Die IHM in München ist seit 20 Jahren eine der wichtigsten Veranstaltungen für das Unternehmen, das in Messezeiten bis zu 60 freie Mitarbeiter für den Auf- und Abbau der Stände beschäftigt. "Wir waren super nervös, als die Messe abgesagt wurde. Ich musste erst einmal viele Anrufe tätigen, Hotels mussten gecancelt werden. Wir wussten auch nicht, welche Leistungen innerhalb der Vorbereitung von unseren Auftraggebern bezahlt werden. Es gab viele Diskussionen und wir waren überrascht, wer sich als fairer Partner herausstellte und wer nicht", so von den Driesch.

Messebranche leidet auch 2021

Zwar zahlten nicht alle Auftraggeber vollständig, am Ende seien die Verluste aber gering gewesen. Doch die Situation sollte sich weiter verschlechtern: Auf die Absage der IHM folgten weitere Absagen. Einige Messen wie die internationale Sportmesse ISPO Muinch – auch ein wichtiges Event für den Messebaubetrieb – fanden zwar statt, allerdings als Online-Formate. "Irgendwann sind unsere Einnahmen komplett eingebrochen", so von den Driesch. Besonders bitter für den Unternehmer: "Obwohl wir nur ein kleiner Betrieb sind, standen wir 2020 kurz davor den Millionenumsatz zu knacken."

Die Situation des Handwerkers ist kein Einzelfall. Von hohen finanziellen Ausfällen sind neben Messeveranstaltern, Messebauern und Ausstellern, auch Hotels, Gastronomie, Spediteure, Taxifahrer und der Einzelhandel in den Messestädten betroffen. Der Verband der deutschen Messewirtschaft AUMA spricht vom schwersten Geschäftseinbruch seit über 70 Jahren. Die deutschen Messeveranstalter und zahlreiche Dienstleister hätten 2020 rund 70 Prozent ihres üblichen Umsatzes verloren. Und noch immer ist nicht klar, wann die Großveranstaltungen wieder stattfinden können: "In diesem Jahr durften bisher keine Messen durchgeführt werden. Die Absagen für 2021 haben jetzt schon den Monat Mai erfasst, denn viele potentielle Aussteller zögern mit Beteiligungsentscheidungen aufgrund der fehlenden Öffnungsperspektive für ihre Messen", sagt Jorn Holtmeier, Geschäftsführer des AUMA. Es bestehe die Gefahr, dass der ursprünglich für 2021 geplante Umsatz allenfalls zur Hälfte erreicht werden. "In vielen Betrieben werden bereits Arbeitsplätze abgebaut."

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"Das Messe-Wesen wird sich verändern"

Kaufmann & Ladendorf

Von den Driesch beschäftigt in seinem Betrieb einen Auszubildenden. Bisher konnte er ihn und sein Geschäft mit Ersparnissen und Schreineraufträgen über Wasser halten. Denn eigentlich ist von den Driesch Schreinermeister. "Ich weiß aber, dass viele andere Messebauer das nicht können", so der Unternehmer. Trotzdem könne er unter diesen Bedingungen finanziell nur noch bis Ende des Jahres durchhalten, schätzt er.

Deshalb setzt der Handwerker in der Coronakrise auf ein zweites Standbein: Aktuell absolviert er eine Ausbildung zum Coach. Dafür nimmt er in den Abendstunden an einem Online-Training teil. "Ich nehme Herausforderungen lieber an, statt den Kopf in den Sand zu stecken", so der Messebauer. Mit seiner positiven Sicht auf die Dinge, will er in Zukunft auch anderen Unternehmern dabei helfen, schwierige Situationen zu überwinden.

Die Krise sieht er deshalb nicht nur negativ, sondern auch als Chance für seine Branche und seinen Berufsstand: "Ich glaube, dass sich das Messe-Wesen grundlegend verändern wird. Es wird nachhaltiger", so der Unternehmer. Momentan würden auf Messen noch Berge von Müll anfallen, auch aufgrund von Messeständen, die nur einmalig verwendet werden. "Ich denke aber, es werden in Zukunft mehr Standsysteme verwendet, die man immer wieder aufbauen kann", so der Handwerker. Ein Bereich, auf das sich der Unternehmer bereits seit Jahren konzentriert: "Wir haben Stände, die mittlerweile seit zwanzig Jahre am Stück aufgestellt werden, weil die Qualität so gut ist."

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Messe-Neustart kein Thema bei Bund-Länder-Konferenz

Trotz seiner positiven Einstellung hofft von den Driesch, dass es mit den Messen bald wieder losgeht. Aufgrund der fehlenden Perspektive sei es aktuell sowohl für ihn als auch seine Auftraggeber schwer zu planen, denn eine Messe benötige viel Vorbereitungszeit. "Da ist immer noch großes Bangen, wann es wieder losgeht", so der Unternehmer.

Auch der Branchenverband AUMA forderte aufgrund der langen Planungszeiten, eine kurzfristige Entscheidung von Bund und Ländern, ob Messen wieder stattfinden dürfen. "Durch die fehlenden Präsentations- und Vertriebsplattformen werden in großem Umfang Geschäftschancen vor allem für den Mittelstand und Kleinbetriebe verhindert", so Geschäftsführer Holtmeier. Bei der Ministerpräsidentenkonferenz am 22. März 2021 wurde jedoch kein Plan für ein Neustart der Messen vorgestellt.

Zuvor hatten die deutschen Messen basierend auf den Erfahrungen aus dem Herbst 2020 ein Leistungspaket aus acht Bausteinen definiert, um einen sicheren Re-Start der deutschen Messen zu garantieren. Dazu gehört eine systematische Überprüfung der Einhaltung von Abstandsregeln und Maskenpflicht, eine vorübergehende Begrenzung der Besucherzahl sowie eine Kontaktnachverfolgung.

2021 bereits 133 Messen abgesagt

Laut des Verbands der deutschen Messewirtschaft AUMA konnten im ersten Quartal 2021 aufgrund der andauernden Pandemie rund 133 Messen nicht stattfinden, auch vom zweiten Quartal sei nicht mehr viel übrig. Rund 380 Messen sollten nach den Planungen der Veranstalter im Jahr 2021 in Deutschland durchgeführt werden.

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