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Solaranlagen in der Steuererklärung Wie selbst verbrauchter Solarstrom steuerlich erfasst wird

Betreiben Sie auf dem Dach Ihres Eigenheims eine Photovoltaikanlage und speisen den erzeugten Strom gegen eine Vergütung in das Netz eines Stromunternehmens ein, sind Sie in den Augen des Finanzamts ein gewerblicher Unternehmer. Mit anderen Worten: Sie müssen eine Gewinnermittlung beim Finanzamt einreichen. Probleme tauchen meist bei der Frage auf, wie der selbst verbrauchte Strom steuerlich zu behandeln ist.

Der Direktverbrauch des erzeugten Stroms für den privaten Haushalt führt zu einer Gewinn erhöhenden Entnahme. Ob Umsatzsteuer für diese Entnahme fällig wird, hängt davon ab, ob die Photovoltaikanlage bis zum 31. März 2012 in Betrieb genommen wurde oder erst ab dem 1. April 2012.

Variante 1: Inbetriebnahme der Anlage bis zum 31. März 2012

Bei Inbetriebnahme der Photovoltaikanlage bis 31. März 2012 vergütet das Stromunterneh­men dem Eigentümer der Photovoltaikanlage den gesamten erzeugten Strom. Für den Direkt­verbrauch wird dann eine extra Rechnung an den Betreiber der Photovoltaikanlage gestellt. Steuerlich hat das folgende Konsequenzen:

  • In der Gewinnermittlung ist auf der Einnahmenseite eine Entnahme auszuweisen.
  • Umsatzsteuer wird für diese Entnahme nicht fällig, weil es sich umsatzsteuerlich streng genommen um eine Rücklieferung des Stroms vom Stromunternehmen handelt.
  • Die in Rechnung gestellten Ausgaben des Stromunternehmens für den selbst verbrauch­ten Strom stellen Betriebsausgaben des Jahres dar, in dem die Zahlung erfolgt.
  • Die hierbei in Rechnung gestellte Umsatzsteuer kann als Vorsteuer geltend gemacht wer­den.

Praxis-Beispiel für bis zum 31. März 2012 in Betrieb genommene Photovoltaikan­lage

Herr Huber hat sich im Januar 2012 auf dem Dach seines Reihenhauses eine Photovoltaik­anlage installieren lassen. Von den 4.600 kWh des erzeugten Stroms verwendet er 500 kWh für private Zwecke. Herr Huber weist Umsatzsteuer aus, ist also kein Kleinunternehmer nach § 19 UStG. Die Abrechnung des Stromunternehmens für 2016, die Herr Huber im Februar 2017 erhalten hat, sieht folgendermaßen aus (Zahlen erfunden – es soll nur die steuerliche Auswirkung dargestellt werden): 

Mustergutschrift zur Vergütung des 2016 gelieferten Stroms

Vergütung für Stromlieferung 2016: 4.600 kWh 1.700 Euro  
Umsatzsteuer 19 Prozent 323 Euro  
Gesamter Gutschriftenbetrag 2.023 Euro  
Zu zahlen nach Abzug der Abschlagszahlungen 0 Euro  

Rechnung über direkt verbrauchten Strom

Inrechnungstellung des selbstverbrauchten Stroms 500 kWh 75 Euro  
Umsatzsteuer 19 Prozent 14,25 Euro  
Gesamter Rechnungsbetrag   89,25 Euro => Zu zahlen 89,25 Euro, da keine Abschlagszahlungen geleistet wurden.  

Steuerliche Auswirkung dieser Gutschrift und dieser Rechnung

Diese beiden Abrechnungen haben auf die Gewinnermittlung und auf die Umsatzsteuererklä­rung folgende Auswirkung:

Auszug aus Gewinnermittlung 2016:

  Betriebseinnahmen

Vergütung für 2016 netto 1.700 Euro  
Umsatzsteuer auf Vergütung 2016 323 Euro  
Entnahme für Direktverbrauch   100 Euro

Da die Zahlung der 89,25 Euro für den privaten Stromverbrauch erst im Jahr 2013 erfolgt, darf diese Zahlung erst in der Gewinnermittlung 2013 als Betriebsausgabe erfasst werden.  

Auszug aus Umsatzsteuererklärung 2016:

Entgelt für Umsätze mit 19 Prozent: 1.700 Euro

Der Vorsteuerabzug aus der Rechnung über den privaten Stromverbrauch ist erst im Jahr 2017 in der Umsatzsteuererklärung einzutragen, weil zum 31. Dezember 2016 noch keine Rechnung über den Privatverbrauch vorlag.  

Ertragsteuerlich ist die Entnahme für den selbst genutzten Stroms mit dem Teilwert nach § 6 Abs. 1 Nr. 4 EStG anzusetzen. Zur Ermittlung gibt es folgende Möglichkeiten:

  • Ermittlung des Teilwerts anhand der angefallenen Kosten
  • Ermittlung des Teilwerts durch Ableitung aus dem voraussichtlich am Markt erzielbaren Verkaufspreis.
  • Aus Vereinfachungsgründen erkannt die Finanzverwaltung in der Vergangenheit 20 Cent je kWh als Eigenverbrauchswert an.
  • In neueren Leitfäden findet man zu dieser Vereinfachungsregelung nichts mehr, doch viele Finanzämter gewähren sie immer noch.

Variante 2: Inbetriebnahme der Anlage ab dem 1. April 2012

Wurde eine Photovoltaikanlage dagegen erst ab dem 1. April 2012 in Betrieb genommen, zahlt das Stromunternehmen nur noch die tatsächlich gelieferte Menge an Strom. Für den selbst verbrauchten Strom des Eigentümers der Photovoltaikanlage erfolgt keine Vergütung mehr. Steuerlich gelten deshalb für ab dem 1. April 2012 in Betrieb genommene Anlagen folgende Grundsätze:

  • In der Gewinnermittlung ist auf der Einnahmenseite eine Entnahme auszuweisen. 
  • Auf diese Entnahme wird Umsatzsteuer fällig, weil eine unentgeltliche Wertabgabe vor­liegt (keine Rücklieferung des Stroms mehr).

Praxis-Beispiel für ab dem 1. April 2012 in Betrieb genommene Photovoltaikanlage

Herr Huber hat sich im Mai 2012 auf dem Dach seines Reihenhauses eine Photovoltaikan­lage installieren lassen. Von den 4.600 kWh des erzeugten Stroms verwendet er 500 kWh für private Zwecke. Herr Huber weis Umsatzsteuer aus, ist also kein Kleinunternehmer nach § 19 UStG. Die Abrechnung des Stromunternehmens für 2016, die Herr Huber im Februar 2017 erhalten hat, sieht folgendermaßen aus (Zahlen erfunden – es soll nur die steuerliche Auswirkung dargestellt werden):

Mustergutschrift zur Vergütung des 2016 gelieferten Stroms:

Vergütung für Stromlieferung 2016: 4.100 kWh 1.500 Euro  
Umsatzsteuer 19 Prozent 285 Euro  
Gesamter Gutschriftenbetrag 1.785 Euro  
Zu zahlen nach Abzug der Abschlagszahlungen   0 Euro

Steuerliche Auswirkung dieser Rechnung

Diese Abrechnung hat auf die Gewinnermittlung und auf die Umsatzsteuererklärung folgende Auswirkung:

Auszug aus Gewinnermittlung 2016:

Betriebseinnahmen

Vergütung für 2016 netto 1.500 Euro  
Umsatzsteuer auf Vergütung 2016   285 Euro
Entnahme für Direktverbrauch 100 Euro  
Umsatzsteuer auf Entnahme 19 Prozent (siehe nächste Berechnung) 25,80 Euro  

Ermittlung der Umsatzsteuer auf die Entnahme:

Anschaffungskosten für die Photovoltaikanlage 25.000 Euro verteilt auf 20 Jahre 1.250 Euro  
1.250 Euro x 10,86 Prozent (Prozentsatz = Verhältnis Direktverbrauch zur gesamten Strom­erzeugung x 100) 135,75 Euro  
19 Prozent Umsatzsteuer auf die Entnahme   25,80 Euro

Auszug aus Umsatzsteuererklärung 2016:

Entgelt für Umsätze mit 19 Prozent 1.700 Euro  
Entgelt für unentgeltliche Wertabgaben   135 Euro

Ertragsteuerlich ist die Entnahme für den selbst genutzten Stroms mit dem Teilwert nach § 6 Abs. 1 Nr. 4 EStG anzusetzen. Zur Ermittlung gibt es folgende Möglichkeiten:

  • Ermittlung des Teilwerts anhand der angefallenen Kosten
  • Ermittlung des Teilwerts durch Ableitung aus dem voraussichtlich am Markt erzielbaren Verkaufspreis.
  • Aus Vereinfachungsgründen erkannt die Finanzverwaltung in der Vergangenheit 20 Cent je kWh als Eigenverbrauchswert an.
  • In neueren Leitfäden findet man zu dieser Vereinfachungsregelung nichts mehr, doch viele Finanzämter gewähren sie immer noch.
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