Wiesbaden -

Betriebsnachfolge Wie der nahtlose Übergang gelingen kann

Wie eine Betriebsübergabe/-übernahme von der zweiten in die dritte Familiengeneration in beispielhafter Weise und unter Mitwirkung der Betriebsberatung der Handwerkskammer Wiesbaden ablaufen kann, zeigt das am Beispiel des handwerklichen Sanitär-, Heizungs- und Lüftungs-Fachbetriebs Rechtenbach-Buttron in Hungen.

Im Laufe der nächsten Jahre stehen auch im hessischen Handwerk Tausende von Betriebsübergaben an. Wenn sie denn zustande kommen. Der in die Jahre gekommene Meister und Betriebs­inhaber erreicht das Rentenalter und sucht für die Fortführung seines Betriebs schon mehr oder weniger lange einen Nachfolger – aus der Familie oder extern. Beides ist, so die Erfahrung, nicht immer einfach.

Nicht selten mit der Folge, dass der alte Meister noch einige aktive Jahre in der Hoffnung dranhängt, nach dem Motto „kommt Zeit, kommt Nachfolger“ einen Übernehmer zu finden. Und sollte dies trotz aller Bemühungen nicht gelingen, bleibt als traurige Folge am Schluss nur die Aufgabe des Betriebs, der vielfach schon von Vater, Groß- oder gar Urgroßvater gegründet wurde. Wie eine Betriebsübergabe/-übernahme von der zweiten in die dritte Familiengeneration in beispielhafter Weise und unter Mitwirkung der Betriebsberatung, in diesem Falle jener der Handwerkskammer Wiesbaden, ablaufen kann, wird am Beispiel des handwerklichen Sanitär-, Heizungs- und Lüftungs-Fachbetriebs Rechtenbach-Buttron in Hungen deutlich.

Arno Rechtenbach, Klempner von Beruf, eröffnete seinen eigenen Betrieb im Jahre 1949 in einer ehemaligen Schmiedewerkstatt mitten in dem Kleinstädtchen Hungen im Osten des Landkreises Gießen. „Mit 48 Mark in der Hand“, wie seine Nachfahren berichten. 1953 zogen die Eheleute Rechtenbach ein paar Häuser weiter an den heutigen Standort in die Kaiserstraße, bauten ein Nebengebäude zu Werkstatt, Lager und Garage um. Hier verlegte Arno Rechtenbach – mit dem Meisterbrief in den Sparten Wasser und Klempnerei in der Tasche – seine Tätigkeit zunehmend in den Bereich Heizungsbau, nachdem die reine Klempnerarbeit immer weniger gefragt war.

Karl-Heinz Buttron, Jahrgang 1951 und gelernter Elektriker, wechselte in den 1970er Jahren in die Dienste der Firma Rechtenbach, sattelte beruflich um und erwarb schließlich den Meisterbrief in den Gewerken Gas- und Wasserinstallation sowie im Zentralheizungs- und Lüftungsbauer-Handwerk. Und wurde zudem als Schwiegersohn auch Teil der Familie Rechtenbach. 1982 übernahm er mit Ehefrau Brigitte, geborene Rechtenbach den Handwerksbetrieb von seinem Schwiegervater, erweiterte das Betätigungsfeld des Betriebs und stellte zudem die Weichen für den Fortbestand des Familienunternehmens.

Beratung, Vorbereitung und Planung für Führungswechsel

Und nun kommt Sohn Kim Buttron, Jahrgang 1986, „ins Spiel“. Dieser erlernte den Beruf des Anlagenmechanikers SHK, erwarb 2011 die Meisterqualifikation und stieg mit dieser sowie mit großem Elan und Engagement in den großväterlichen und väterlichen Betrieb ein. Von Vater Karl-Heinz wurde er von Stund an in die Führung des Unternehmens eingebunden.

Kim eröffnete neben der breiten Angebotspalette des klassischen Sanitär-, Heizungs- und Lüftungsbauer-Gewerks unter den Stichworten Wasserschäden-Komplettabwicklung einschließlich Bautrocknung und Trinkwasser­hygiene (Beprobung, Nachuntersuchung) weitere Tätigkeitsfelder. Ist in diesem laut Kim Buttron „hochprofessionellen Dienstleistungsportfolio“ die Zusammenarbeit mit anderen Gewerken wie Malern, Fliesenlegern und anderen erforderlich, geschieht dies nur mit meistergeführten Betrieben.

Mit Kim Buttron in der Leitung hat sich die Auftragslage der Rechtenbach-Buttron GmbH – unter diesem Namen firmiert das Unternehmen seit dem 1. Januar 2017 – verdreifacht. Aufgebaut und initiiert von einem gesprächs- und kontaktfreudigen jungen Mann. So nimmt es nicht Wunder, dass Vater und Sohn die Übergabe und Übernahme des Betriebs lange vorbereitet und geplant haben. Es war der Wunsch von Karl-Heinz Buttron, zum 1. Januar 2017 die Verantwortung in Form eines nahtlosen Überganges abzugeben. Die „heiße Übergangsphase“ dazu dauerte zwei Jahre. Denn für eine „saubere Lösung“ müssen viele Faktoren beachtet werden, das war beiden klar: innerbetriebliche Notwendigkeiten, Aspekte, die die Mitarbeiter betreffen, rechtliche und steuerliche Erfordernisse und anderes mehr.

Hierbei, so Karl-Heinz und Kim Buttron, leistete die Handwerkskammer Wiesbaden in der Person des Betriebsberaters Michael Steinert wertvolle und im Nachhinein als unverzichtbar einzustufende Dienste – bis hin zu einem anlässlich der Neugründung des Familienunternehmens als GmbH zu erarbeitenden Business-Plans. „Unter dem Strich ist alles sehr gut gelaufen, genau so, wie wir uns einen gelingenden Übergang von der zweiten in die dritte Generation vorgestellt haben“, freuen sich Vater Karl-Heinz und Sohn Kim Buttron.

Und knapp zwei Jahre nach der erfolgten Übergabe ziehen beide eine positive Zwischenbilanz: „Das Unternehmen läuft gut, wir haben unsere Ziele, die wir mit der Betriebsübergabe verknüpft hatten, erreicht.“ Dabei freut sich der Vater über die innovativen Ideen, mit denen der Sohn den SHK-Handwerksbetrieb nach vorne gebracht hat und bringt, insbesondere über seine Motivation und den „Mumm“, seine Vorstellungen auch um- und durchzusetzen.

Das gesamte Rechtenbach-Buttron-Team besteht derzeit aus zehn Köpfen, darunter ein Anlagenmechaniker-SHK-Lehrling. Das Einsatzgebiet des Hungener SHK-Fachbetriebs erstreckt sich aktuell auf den gesamten Großraum Mittelhessen, in dem sich private wie gewerbliche Kunden der Dienste der Rechtenbach-Buttron GmbH bedienen.

Dass mittlerweile auch die Stadtwerke Gießen, die Wohnungsbaugesellschaft Horlofftal, die Uni-Klinik und auch der Landkreis Gießen zu den Geschäftspartnern zählen, führt Kim Buttron auf die Tatsache zurück, dass 80 Prozent seiner Arbeit für den Familienbetrieb in der Auftragsakquise bestehen, ständiges „Auf-Achse-Sein“ inbegriffen. Vater Karl-Heinz hat sich derweilen noch immer nicht aufs Altenteil zurückgezogen. Und Mutter Brigitte ist nicht nur für den kaufmännischen Part zuständig, sondern vor allem, so Vater und Sohn unisono, „die gute Seele des Betriebes“.

Ansprechpartner Betriebswirtschaftliche Beratung: Michael Steinert, Tel. 0611/136-146, michael.steinert@hwk-wiesbaden.de, rechtenbach-buttron.de

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