Menschen + Betriebe -

Karriere im Handwerk Wie das Leben manchmal spielt: Nicole Jäkels Weg zur Fleischermeisterin

Viele Jahre stand sie hinter der Fleischtheke als Fachverkäuferin und koordiniert nun als Fleischermeisterin die Abläufe bei der Mörsdorfer Landhof Fleischerei GmbH in Bad Blankenburg. Nicole Jäkels Karrierewerg ist ein perfektes Beispiel dafür, dass mit Ehrgeiz, Fleiß und Mut alles möglich ist.

Die 39-Jährige sprüht vor Elan und liebt ihren Beruf. Familiär geprägt, stand für Nicole Jäkel schon früh fest: Ich möchte Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk, speziell in der Fleischerei, werden. So begann sie 1996 ihre Lehre in der Fleischerei Grüner, die sie drei Jahre später erfolgreich abschloss und anschließend dem Standort (1998 wurde in der Rudolstädter Straße ein Neubau errichtet) stets treu blieb. Ihr Können als Fachverkäuferin, besonders ihre perfekt hergerichteten ­Platten, konnte sich schon damals sehen lassen. Nicht ohne Grund wurde sie dreimal bei Wettbewerben zum ­Thüringer Wursttag Thüringer Meisterin im Plattenlegen.

"Ich hab nicht lange überlegt und sofort ja gesagt"

Im Jahr 2016 die erste große Veränderung. Die Fleischerei Grüner wurde von der Mörsdorfer Landhof-Fleischerei übernommen und die Thüringer Herzland GmbH mit EU-Zulassung fungiert in Bad Blankenburg seitdem als Franchisenehmer. Das Unternehmen hat damals unbedingt einen Fleischermeister als handwerklichen Betriebsleiter gebraucht. In der Mörsdorfer Landhof Fleischerei hat es Tradition, dass das Handwerk das Fundament aller Thüringer Wurstwaren ist. "Ich habe nicht lange überlegt und sofort ja gesagt, als es darum ging, ob ich die Meisterfortbildung absolvieren möchte. Ich wollte unbedingt, dass das Geschäft hier am Standort weitergeht. Schließlich ist die Fleischerei nach nunmehr 23 Jahren wie mein zweites zu Hause", gibt Nicole Jäkel zu. Es begann mit einem Praktikum im Mörsdorfer Stammbetrieb beim Geschäftsführer und Fleischermeister Hendrik Burgold.

Was dann auf die zweifache Mutter zukam, war wirklich nicht einfach. Sie begann im Oktober 2018 ihre Meisterausbildung. Innerhalb eines Dreivierteljahres schaffte sie alle vier Teile der Meisterprüfung. "Haushalt, Mann, Kinder und die weitere Arbeit in der Fleischerei unter einen Hut zu bekommen, ist eine extreme Herausforderung", blickt sie zurück und ist froh, dass sie diese stressige Zeit geschafft hat. "Während andere auch mal zur Party gingen, war für mich Büffeln für die Prüfung angesagt."

Von Wurst, Rinderhälften und blauen Flecken

Zwar hatte sie als Fachverkäuferin schon viele Jahre mit Fleisch- und Wurstwaren zu tun und auch die Herstellung von Wurst fiel ihr relativ leicht. Dennoch ist der Meisterbrief noch einmal eine ganz andere Herausforderung – auch körperlich. "Die schwierigste Aufgabe war für mich das Zerlegen einer Rinderhälfte", gibt sie unumwunden zu und erzählt von manch blauen Flecken und einem tüchtigen Muskelkater. Kein Wunder – schließlich wiegt solch eine Rinderhälfte gut und gerne 80 Kilo. Doch nun ist sie stolz, diese Zeit im wahrsten Sinne des Wortes gemeistert zu haben.

Als Filialleiterin steht sie heute nur noch selten hinter der Verkaufstheke. "Mehr Kalkulation und Einkauf sind gefordert. Es ist halt viel Büroarbeit", sagt sie. Dennoch geht sie auch weiter gerne in die Produktion, um stets up to date zu bleiben.

Nicole Jäkel liebt ihren Beruf und kann sich eine andere Arbeit nicht vorstellen. "Ich bin hier groß geworden, habe viele tolle Kunden. Das ist mein Leben!" Mit so viel Power und Liebe zum Beruf ist es nicht verwunderlich, dass sie den Karrieresprung von der Fachverkäuferin zur Fleischermeisterin gewagt und erfolgreich gemeistert hat. Fleischermeisterin Nicole Jäkel zeigt eindrucksvoll, welches Potenzial das Ostthüringer Handwerk zu bieten hat und welch doch recht ungewöhnliche Karrierewege möglich sind.

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten