Unternehmensführung -

Erfolgsfaktor Familienfreundlichkeit Wie Betriebe bei Arbeitnehmern punkten

Für Thomas Becker ist die Sache klar: "Mein Unternehmen ist nur so erfolgreich, weil wir so familienfreundlich sind", sagt der Hamburger Goldschmied mit Blick sein Schmuck-Atelier und seine sieben Mitarbeiter. Als eine Mitarbeiterin vor fünf Jahren ein Kind bekommen habe und bald wieder einsteigen wollte, habe er selbst in der Nachbarschaft seines Betriebes nach einer Tagesmutter gesucht.

Familienbewusste Handwerksbetriebe
Das Handwerk will Vorreiter sein bei der Umsetzung einer familienbewussten Arbeitswelt. -

Nicht jeder Handwerksunternehmer wird eigenhändig für seine Mitarbeiter die Kinderbetreuung organisieren können. Klar ist aber, wer sich als familienfreundlicher Betrieb aufstellt, kann bei seinen Mitarbeitern punkten. Diese Erfahrung hat auch Matthias Krieger, Geschäftsführer eines 70 Mitarbeiter starken Bauunternehmens aus Dingelstädt gemacht. Dabei hängt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf seiner Ansicht nach stark von der Unternehmenskultur ab.

"Vor sechs Jahren gab es bei mir einen Paradigmenwechsel in der Firma“, erzählt der Unternehmer beim ZDH-Forum "Familienfreundlichkeit – Erfolgsfaktor für Handwerksunternehmen". Geführt werde heute nach Zielen. Nicht die Arbeitsprozesse, sondern die Ergebnisse würden vorgegeben. "Dies gibt den Mitarbeitern auch deutlich mehr Entscheidungsfreiheit, auch für die Familie", sagt er.

Mitarbeiter besser binden

Im Prinzip ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf "handwerklicher Alltag", wie  ZDH-Präsident Otto Kentzler sagt. Mehr als drei Viertel aller Handwerksbetriebe seien Familienbetriebe. "Das ist ein Pfund, mit dem wir angesichts der Fachkräftesituation wuchern können und das wir gezielt ausbauen müssen", sagt Kentzler. Denn so ließen sich nicht nur neue Mitarbeiter gewinnen, so ließen sich auch bisherige Mitarbeiter besser binden.

Hermann Kues, Staatsekretär im Bundesfamilienministerium, wies darauf hin, dass rund 90 Prozent aller Beschäftigten mit Kindern die Familienfreundlichkeit der Arbeitgeber mindestens so wichtig sei wie das Gehalt. Als entscheidende Faktoren für eine familienfreundlichere Arbeitswelt bezeichneten deshalb Kentzler und Kues eine ausreichende Kinderbetreuung in den Kommunen und flexible Arbeitszeiten in den Betrieben sowie Teilzeitarbeitsmodelle und die Möglichkeit von Teilzeitausbildungen.

Nach Ansicht Kentzlers müssen sich Arbeitgeber sich noch genauer mit ihrer Mitarbeiterstruktur und den Bedürfnissen ihren Mitarbeiter auseinandersetzen. Dies gelte sowohl für die Zeit als junge Eltern als auch für die Zeit als pflegende Angehörige. Hilfestellung, wie familienfreundliche Maßnahmen im Einzelnen aussehen könnten, bekämen die Unternehmen auch von den zahlreichen Betriebsberatern der Kammern.

Schon einige Teilzeitarbeitsplätze im Handwerk

Als Beispiel für eine familienfreundliche Personalpolitik nannte der Präsident des Zentralverbands des Deutschen  Dachdeckerhandwerks, Karl-Heinz Schneider, Zuschüsse für Plätze in Kindertagesstätten. "Mütter sind so loyal, dass man alles hundertfach zurückbekommt."

Verbesserungen gibt es, wie eine Untersuchung des Ludwig-Fröhler Instituts für Handwerkswissenschaften zeigt: So bieten heute 19 Prozent der Handwerksbetriebe Teilzeitarbeitsplätze an. 2003 waren es nur elf Prozent. Die Zahl der Betriebe mit Arbeitszeitkonten ist mittlerweile von 31 auf 38 Prozent gestiegen. Für  Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland, Heinz-Gert Schlenkermann, sind weitere Anstrengungen allerdings überlebenswichtig: " Betriebe sind sehr weit, einige haben es noch nicht begriffen", sagt er. "Doch wenn sie es nicht bald tun, dann hat es sich erledigt mit der Selbstständigkeit", bringt er es auf den Punkt.

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