IT + Kommunikation -

Messenger-Marketing WhatsApp verbietet Newsletter: Was Betreiber jetzt tun müssen

Der klassische WhatsApp-Newsletter steht vor dem Aus. Ab dem 7. Dezember 2019 riskieren Accounts, die Nachrichten automatisiert an größere Verteiler verschicken, von WhatsApp gesperrt zu werden. Für Betreiber von Newslettern bedeutet das: Sie müssen umdenken. Tipps vom Messenger-Experten Michael Elbs.

Immer donnerstags verschickt die Metzgerei Haslacher im oberbayerischen Langenpreising ihren WhatsApp-Newsletter. Darin nachzulesen: Die Angebote der Woche, die aktuellen Gerichte von der heißen Theke und ein "Sommelier-Tipp" von Metzgermeister Georg Schmid. Das Informationsangebot kommt bestens an, mehrere hundert Kunden haben sich für den Newsletter registriert. Dennoch könnte bald Schluss damit sein. Der Grund: WhatsApp hat in seinen Richtlinien klargestellt, dass der automatisierte Massenversand von Nachrichten verboten ist. Wer gegen die Nutzungsrichtlinien verstößt, müsse ab dem 7. Dezember 2019 mit einer Sperrung des Kontos rechnen. Auch rechtliche Konsequenzen seien denkbar.

Messengerpeople: WhatsApp-Marketing seit Jahresbeginn eingestellt

Für den WhatsApp-Experten Michael Elbs kommt die Nachricht nicht überraschend. Das Münchner Softwareunternehmen Messengerpeople, über das viele Unternehmen ihren Versand organisieren, biete schon seit Januar kein Newsletter-Marketing mehr für WhatsApp an. Lediglich Bestandskunden wie die Metzgerei Haslacher können die Technologie aktuell noch nutzen. In einer Stellungnahme gab der verifizierte Business-Solution-Partner bekannt, den Dienst zum 7. Dezember komplett einzustellen. Elbs vermutet, dass ab dann auch jene Unternehmen und Publisher eine Sperrung riskieren, die ihren Verteiler derzeit noch über Broadcastlisten organisieren.

Weg von Massenmailings hin zu echtem Service

"Es ist eine klare Richtung, die WhatsApp mit dieser Strategie vorgibt", sagt Elbs. Unternehmen müssten Abstand von unpersönlichen Massenmailings nehmen und stattdessen echten Service über den Messenger bieten. Die passenden Werkzeuge liefert WhatsApp direkt mit. Im vergangenen Jahr brachte die Facebook-Tochter mit "WhatsApp Business" einen kostenlosen Messenger speziell für kleine und mittlere Betriebe auf den Markt.

Kurze Zeit später kam zusätzlich die kostenpflichtige WhatsApp Business Solution (API) hinzu, über die auch größere Unternehmen – mit Unterstützung verifizierter WhatsApp-Partner – professionell über den Messenger kommunizieren können. Zu den Funktionen zählen wie bei WhatsApp Business ein umfangreiches Unternehmensprofil sowie automatische Abwesenheits- oder Begrüßungsnachrichten. Darüber hinaus können über die Business Solution unter anderem auch Chatbot-Funktionen genutzt werden. Vor allem diese werden ab Dezember noch deutlich an Bedeutung gewinnen, ist sich Elbs sicher.

So sollten Newsletter-Betreiber jetzt handeln

"Wenn jemand bislang Newsletter-Marketing betrieben hat, dann ist jetzt die Aufgabe, diesen Dienst in einen Service umzuwandeln, den der Leser oder Kunde aktiv anfragen kann", sagt Elbs. Am Beispiel der Metzgerei Haslacher erklärt er: Statt wie bisher das Wochenangebot donnerstags an alle, die sich für den WhatsApp-Newsletter angemeldet haben, zu verschicken, könnte künftig ein Chatbot definiert werden, der auf bestimmte Anfragen automatisiert reagiert. Möchte der Kunde das aktuelle Angebot per WhatsApp zugeschickt bekommen, könnte er beispielsweise eine Nachricht mit dem Stichwort "Angebot" an die Metzgerei schicken. Der Chatbot registriert die Anfrage und schickt dem Kunden automatisch das vorher hinterlegte Wochenangebot zu.

"Die Reichweite wird dadurch reduziert", weiß Elbs. Wer es clever anstelle, könne aber dennoch weiterhin große Zielgruppen mit vordefinierten und gleichzeitig individuellen Inhalten ansprechen. "Die Status-Funktion könnte beispielsweise genutzt werden, um auf ein neues Informationsangebot hinzuweisen, das dann auf Abruf bereit steht", sagt er. Da immer wieder die Rede von Werbung im WhatsApp-Status ist, vermutet Elbs jedoch, dass Unternehmen künftig für eine Positionierung weiter oben bezahlen müssen.

WhatsApp: Kommunikation wird kundenorientierter

"WhatsApp eignet sich nicht für klassisches Marketing, so wie wir es kennen", sagt der Messenger-Experte. Vielmehr gehe es bei WhatsApp um Kommunikation. "Langfristig werden Unternehmen über WhatsApp besser und individueller mit ihren Kunden kommunizieren als sie es bisher tun", ist er überzeugt. Gerade die teilautomatisierte Kommunikation biete hierfür viele Möglichkeiten, Unternehmen seien nun am Zug, diese für ihre Zwecke zu nutzen.

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2019 - Alle Rechte vorbehalten