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BIM im SHK-Handwerk "Wer nicht zu den Machern zählt, wird zum Erfüllungsgehilfen"

Nur fünf Prozent der SHK-Handwerker nutzen bisher Building Information Modeling. Dabei könnte BIM laut einer neuen Studie schon bald das Maß der Dinge sein.

Building Information Modeling (BIM) gilt als eines der wichtigsten Zukunftsthemen für Hersteller, Architekten und Handwerker in der Baubranche. Bei dieser Methode greifen alle am Projekt beteiligten Akteure mittels einer Software auf ein digitales Abbild des realen Bauprojekts zu. Die Software berechnet anhand der Abhängigkeiten automatisch, wie sich Änderungen am Bauprozess auf die benötigten Materialien und Kosten auswirken. Unter dem Strich spart das Bauhandwerk Zeit, arbeitet kosteneffizienter und wird wettbewerbsfähiger – so die Idee hinter BIM.

Nur jeder 20. SHK-Betrieb ist auf BIM vorbereitet

Doch im deutschen SHK-Handwerk ist der Trend noch nicht angekommen, wie eine repräsentative Befragung des Zentralverbands Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) und der Unternehmensberatung Munich Strategy zeigt, die bei einem Branchenkongress in Berlin vorgestellt wurde. Demnach sehen sich aktuell nur fünf Prozent der Handwerker in der Lage, BIM in der Praxis anzuwenden. 83 Prozent der befragten Betriebe geben zudem an, sich noch nie mit dem Thema BIM beschäftigt zu haben.

Aus Sicht der Analysten müssen die betroffenen Unternehmen bald handeln, um nicht den Anschluss zu verlieren. Wer nicht zu den "Machern" zählt, werde mittelfristig im Markt zu reinen Erfüllungsgehilfen zurückgedrängt, deren Tätigkeit sich hauptsächlich auf Renovierungs- und Reparaturarbeiten beschränkt, heißt es in der Studie.

Deutschland gilt beim Thema BIM im internationalen Vergleich als Schwellenland. Nur bei etwa zehn Prozent der Bauvorhaben hierzulande kommt BIM zum Einsatz, schätzt Munich Strategy. Deutlich weiter sind die Niederlande oder Großbritannien, wo viele Bauprozesse bereits heute nach BIM geplant und abgewickelt werden.

Drei von vier Bauprojekten nutzen 2030 BIM

Doch Deutschland will aufholen und BIM in den nächsten Jahren zunächst im öffentlichen Bausektor als verpflichtenden Standard einführen. Munich Strategy schätzt, dass 2025 bereits 35 Prozent der Bauprojekte BIM nutzen. Nur fünf Jahre später könnten es bereits 75 Prozent der Gebäude sein, die nach BIM erbaut werden. Der Vorteil von BIM liegt für die Analysten auf der Hand: Die Kosten eines Gebäudes über seinen gesamten Lebenszyklus könnten mit BIM um bis zu 30 Prozent niedriger ausfallen als ohne BIM.

Die Studie skizziert auch die Rolle der einzelnen Projektpartner, wenn künftig mit BIM gebaut wird. Demnach kommt den Herstellern die Rolle der Datenlieferanten zu, während die Architekten als "Gatekeeper" den Planungsprozess kontrollieren und datenbasierte Kommunikationsprozesse einfordern. Den Handwerkern fällt derweil die Rolle der Anwender zu, die die Software in ihren Arbeitsalltag integrieren.

Ob sich die SHK-Betriebe in dieses Rollenmodell jedoch kurzfristig und in großer Zahl einfügen werden, scheint momentan fraglich. So planen laut der Studie von ZVSHK und Munich Strategy in den nächsten zwei Jahren nur elf Prozent der Handwerksunternehmen, BIM einzuführen. Bis 2023 geben das 41 Prozent der Firmen an.

Klassische Dienste werden noch bevorzugt

Die Gründe für das geringe Interesse an BIM in der SHK-Branche sind vielfältig. Unter den kleinen SHK-Betrieben mit weniger als zehn Mitarbeitern geben 86 Prozent an, von ihren Projektpartnern noch nie nach dem Einsatz von BIM gefragt worden zu sein. Bei den Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern sagt hingegen mehr als die Hälfte der befragten Firmen (52 Prozent), dass sie bereits mit dem Thema BIM konfrontiert wurde.

Die Unterschiede zwischen kleinen und größeren Betrieben lassen sich darauf zurückführen, dass die mittelständischen SHK-Unternehmen sich häufiger an öffentlichen Ausschreibungen beteiligen, wo BIM schon vermehrt zum Einsatz kommt.

Auch die genutzten Kommunika­tionsmittel im Handwerk stehen ­einer schnellen Integration von BIM im Weg. So werden plattformbasierte Dienste – die Voraussetzung für BIM – bislang nur von 17 Prozent der SHK-Betriebe verwendet. Die klassischen Kommunikationsformen ­E-Mail (65 Prozent), Telefon (43 Prozent) und sogar das Fax (18 Prozent) sind bei den Unternehmen derzeit noch beliebter.

"Nur mit einer gemeinsamen Anstrengung von Handwerkern, Herstellern und Architekten kann die BIM-Transformation der SHK-Branche gelingen. Wer sich nicht aktiv auf den neuen Prozess einstellt und sein Verständnis erweitert, wird abgehängt", fasst Constantin Greiner, Studienautor und Geschäftsbereichsleiter Bau bei Munich Strategy, zusammen.

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