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Die Kunst der Selbstmotivation Wer motiviert eigentlich den Chef?

Stecken Mitarbeiter im Motivationsloch, ist der Vorgesetzte gefordert. Fehlt jedoch dem Chef der Antrieb, ist er meist auf sich allein gestellt. Die gute Nachricht: Tatendrang lässt sich trainieren.

Sich in schwierigen oder unangenehmen Situationen aufzuraffen, fällt nicht immer leicht. Das gilt in Krisenzeiten genauso wie im ganz alltäglichen Arbeitsleben. Wer kann schon von sich behaupten, immer bei 100 Prozent zu sein? Dennoch gibt es Menschen, die allen Widerständen zum Trotz immer wieder einen Weg zu finden scheinen, sich selbst zu motivieren – ganz gleich wie groß die Herausforderung oder nervig die Aufgabe ist. Die genetische Veranlagung spielt dabei eine Rolle, aber nicht nur. Motivation lässt sich steuern – wenn man weiß, wo man ansetzen muss.

Motivationsprobleme: So finden Sie heraus, woran es liegt

Eine Möglichkeit, genau das herauszufinden, bietet das Drei-Komponenten-Modell des Motivationspsychologen Hugo Kehr. Vereinfacht gesagt müssen sich Unternehmer folgende Fragen stellen: Bringt mich die Aufgabe meinem Ziel näher? Erledige ich die Aufgabe gerne? Und: Verfüge ich über die erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten, um sie auszuführen? Sind alle drei Komponenten erfüllt, können Menschen den optimalen Zustand der Motivation erreichen – das Flow-Erleben. Ein Zustand, in dem alles mühelos von der Hand geht und sich das Gefühl einstellt, alles sei unter Kontrolle.

Fehlt jedoch mindestens eine Komponente, fällt es schwer, eine Aufgabe motiviert umzusetzen. Sie macht entweder keinen Spaß, andere Dinge sind wichtiger oder man fühlt sich überfordert. Je nachdem, woran es mangelt, gibt es unterschiedliche Strategien zur Problemlösung. Nimmt die Person ihre eigenen Fähigkeiten als unzureichend wahr, müssen Wissen und Erfahrung in diesem Bereich ausgebaut werden. Eine Lösung kann auch sein, die Aufgabe intern oder extern zu delegieren.

Willenskraft kann fehlende Motivation kompensieren

Mangelt es dagegen an Freude bei der Tätigkeit, bedarf es Willenskraft, um die Handlung dennoch auszuführen. "Ein starker Wille beinhaltet die Fähigkeit, Unlust zu überwinden und Störfaktoren zu unterdrücken", erklärt Sportpsychologe Peter Gröpel. Die gute Nachricht: Willenskraft lässt sich trainieren, ähnlich wie einen Muskel. "Suchen Sie sich Situationen, in denen Sie sich selbst überwinden müssen", so Gröpel. Eine kalte Dusche am Morgen, ein Smartphone-Verzicht am Abend oder beim Joggen regelmäßig den Punkt überwinden, an dem man eigentlich aufhören möchte. "Willenskraft wird in unangenehmen Situationen benötigt, also muss man sie in unangenehmen Situationen trainieren", so der Experte.

Nach und nach stellt sich ein Konditionierungseffekt ein. Der gestärkte Wille kommt dann auch in anderen Bereichen zum Zug, es fällt grundsätzlich leichter, den inneren Schweinehund zu bezwingen. Die Willenskraft ist jedoch nicht konstant. Sie erschöpft sich, sobald sie beansprucht wird. Was dann hilft: "Eine angenehme Arbeit erledigen, kurze Pausen, Autogenes Training oder Schlaf."

Zwei konkrete Methoden zur Selbstmotivation

Eine konkrete Strategie, um das eigene Verhalten zu steuern, ist das sogenannte Reframing. Auch hierfür bedarf es dem Willen. Gemeint ist damit, eine unangenehme Situation in einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Das hilft in Krisenzeiten genauso wie im Alltag. Ein Beispiel: Der Fußballtrainer Otto Rehhagel antwortete einmal auf die Frage, ob es ihm nicht auf die Nerven ginge, so divenhafte, komplizierte Spieler zu haben: "Spieler, die mir keine Probleme machen, kann ich nicht gebrauchen, die machen dem Gegner ja auch keine." Es geht also darum, bewusst das Positive im Negativen zu suchen. "Das geht in beinahe jeder Situation", sagt Gröpel. "Man muss aber bereit dazu sein." Wer sich schwer damit tut, dem rät Gröpel, eine Liste anzulegen. "Notieren Sie, welche Vorteile sich unmittelbar oder in Zukunft aus der aktuellen Aufgabe oder Situation ergeben können – und suchen Sie dann nach Wegen, wie sich die Situation meistern lässt."

Eine weitere Methode beschreibt der Motivationspsychologe Julius Kuhl als "Pendeln": "Stellen Sie sich vor, das gewünschte Ziel – die eigene Webseite zum Beispiel – wäre schon geschafft. Diese Phantasie kosten Sie richtig aus, bis ihre Akkus mit positiver Energie vollgeladen sind. Dann denken Sie an die unangenehmen Schritte, die auszuführen sind, um das Ziel zu erreichen. Anschließend pendeln Sie zwei bis fünf Mal zwischen diesen Gedanken hin und her. Je lebendiger das gelingt, desto besser."

Was für manchen zunächst nach esoterischem Gesäusel klingen mag, steht tatsächlich auf einem neurowissenschaftlichen Fundament, wie die Motivationspsychologin Gabriele Oettingen in ihrer Forschung bestätigen konnte. "Es müssen zwei Systeme im Gehirn verbunden werden – das eine ist dafür zuständig, dass man den Vorsatz nicht vergisst, das andere dafür, dass er auch ausgeführt wird", erklärt Kuhl. Damit das gelingt, müssen sie in Kontakt kommen. "Die Verbindung wächst, indem die Systeme möglichst rasch hintereinander aktiviert werden."

Feste Routinen helfen bei unliebsamen Aufgaben

Manch einem hilft es aber auch, sich bewusst zu machen, dass unliebsame Aufgaben schlichtweg zum Unternehmertum dazugehören. Feste Routinen unterstützen dabei, diese besser zu bewältigen. So könnten etwa jeden Tag feste Zeiten für gewisse Arbeiten festgelegt werden. Während dieses Zeitraums kann es auch sinnvoll sein, Störquellen wie Handys oder E-Mail-Programme abzuschalten.

Unternehmer müssen einen Sinn in ihrer Arbeit erkennen

Um langfristig motiviert zu bleiben, genügt das aber nicht. "Entscheidend ist, dass man weiß, was man erreichen will", sagt Gröpel. Das könnten konkrete Ziele sein, aber auch allgemeine Visionen. Unternehmer müssten einen Sinn in ihrer Arbeit erkennen, der über die jeweilige Aufgabe hinausgeht. "Eine bestimmte Summe verdienen, Arbeitsplätze erhalten, Kunden zufriedenstellen oder helfen – das muss jeder individuell für sich herausfinden", so Gröpel. Unternehmer könnten sich dazu überlegen, welchen Einfluss die eigene Arbeit auch außerhalb des Betriebs hat. Oder sich auf persönlich bedeutsame Bereiche der eigenen Arbeit konzentrieren.

So oder so – um die Kunst der Selbstmotivation zu erlernen, müssen sich Unternehmer mit sich selbst beschäftigen. "Wollen allein genügt nicht, man muss auch tun", so Gröpel. Ein Ansporn: Mit ausreichend Wiederholung wird das Gehirn konditioniert. Das Auftreten einer schwierigen Situation wird positive Emotionen automatisch hervorrufen. Das befördert nicht nur die Motivation, sondern steigert auch das Leistungsvermögen.

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