Unternehmensführung -

Liebe am Arbeitsplatz Wenn’s am Arbeitsplatz funkt

Ein Großteil seines Lebens verbringt man auf der Arbeit. Kein Wunder, dass hier nicht nur Freundschaften entstehen. Häufig findet man hier auch den "Partner fürs Leben" oder zumindest den "Lebensabschnittsgefährten". Doch die Liebe am Arbeitsplatz hat ihre eigenen Tücken, auf die sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber einstellen sollten.

Liebe ist Privatsache

Grundsätzlich gibt es natürlich keine gesetzliche Regelung, die den Aufbau einer Beziehung im Betrieb oder Büro verbietet. Wir l(i)eben glücklicherweise in einem freien Land. Da ist es Privatsache, wen man liebt. Aber gerade daran sollten Paare denken: Privatsachen stören oft bei der Arbeit und erschweren die Zusammenarbeit im Team. Schnell entsteht der Eindruck, dass sich die Liebenden gegenseitig bevorzugen und sich so nach und nach aus der Gruppe, die doch sonst so gut zusammenarbeitete, verabschieden. Das kann soweit führen, dass die Beziehung zum Karrierehindernis wird. Man sollte sich deshalb genau überlegen, ob die Liebe wirklich so groß ist, dass ein Verhältnis unvermeidbar ist. In diesem Beitrag geht es übrigens um engere, langfristig geplante Bindungen und nicht um kleine Flirts oder One-Night-Stands. Diese sollten besser so stattfinden, dass es im Arbeitsumfeld möglichst gar nicht erst bemerkt wird.

Knigge für Firmenliebschaften

Kommt es zu einer festeren Beziehung, sollten die Betroffenen im Betrieb einige Regeln einhalten, um sich nicht selbst ins Abseits zu manövrieren.

  1. Wenn sich die Beziehung als langfristig und stabil erwiesen hat, sollte man dazu auch gegenüber den Kolleginnen und Kollegen bekennen. So kann man beispielsweise dem "Firmentratsch" entgehen. Allerdings sollte man hier nicht die Initiative ergreifen. Aber es gibt auch keinen Grund, auszuweichen, wenn sich das Thema etwa beim Gespräch in der Pause ergibt.
  2. Sollten die Partner auf der Arbeit in einem Abhängigkeitsverhältnis zueinander stehen (z. B. Sekretärin und Abteilungsleiter), sollte man das Thema auch offen mit der Geschäftsleitung besprechen. Unter Umständen ist hier eine Versetzung eines Mitarbeiters unumgänglich, um das Team nicht zu belasten. Auf die Problematik der (vielleicht auch nur vermeintlichen) Bevorzugung sind wir ja bereits eingegangen.
  3. Riskant und eventuell sogar rechtlich problematisch sind Beziehungen zwischen Auszubildenden und den wesentlich älteren Ausbildern. Hier sollte man dreimal überlegen, ob man wirklich eine langfristige Bindung sucht – für einen kurzen Flirt ist diese Konstellation zu problematisch.
  4. Die Kolleginnen und Kollegen sollte man nicht mit einem Verhalten "wie die Turteltauben" nerven. Küssen beispielsweise ist zwar nicht verboten, sollte aber auf ein Minimum – etwa auf dem Weg zur Kantine – begrenzt bleiben.
  5. Verliebte sollten sich nicht vom Team abkapseln. Pausen verbringt man mit den Kolleginnen und Kollegen. Sich mit Partner zurückzuziehen schadet dem Arbeitsklima und macht damit auch dem jungen Glück das Leben schwer.

Wer zusammenbleiben will, muss trennen

Häufig scheitern die Beziehungen auch daran, dass man die Arbeit mit nach Hause nimmt. Man unterhält sich auch außerhalb der Firma über die Probleme, die es am Arbeitsplatz gibt und nimmt beruflichen Spannungen mit in den privaten Bereich. Darum sollte man klare Regeln aufstellen, die Arbeit und Privates trennen. Am einfachsten ist die Regel "wenn man die Firma verlässt, bleibt die Arbeit dort". Einzige Ausnahme ist die Planung von Karriereschritten, weil diese ja auch für die Beziehung von Bedeutung sind.

Was sagt der Chef dazu?

Eine Beziehung von zwei Mitarbeitern bleibt natürlich auch dem Chef nicht verborgen. Für ihn sollte die Regel lauten, dass ihn dies nichts angeht, solange die Arbeit nicht darunter leidet. Stellt der Vorgesetzte aber fest, dass die Beziehung zur arbeitstechnischen Belastung wird, muss er eingreifen – auch um die Liebenden zu schützen. Man sollte dann ein offenes Gespräch "unter sechs Augen" führen. Der Vorgesetzte sollte deutlich machen, dass er die Beziehung nicht bewertet sondern, dass es ihm ausschließlich um die Arbeit geht, die leidet. Gemeinsam muss dann nach Lösungen gesucht werden. Dies kann eine Vereinbarung zwischen dem Chef und den Mitarbeitern sein, dass sich das Verhalten des Paares ändern muss Dann sollte aber auch gleich ein Termin vereinbart werden, bei dem die Einhaltung der aufgestellten Regeln gemeinsam besprochen wird. Abhängig von der Situation kann der Chef auch eine arbeitstechnische Trennung der beiden vorschlagen beziehungsweise anordnen. Wenn es hart auf hart kommt, auch gegen den Willen des Paares.

Auch das sollte man bedenken

Wir haben ja bereits festgehalten, dass jeder seinen Partner suchen und finden kann, wo er will. Allerdings haben wir auch verdeutlicht, dass diese Beziehungen nicht unproblematisch sind. Woran man aber im Überschwang der Gefühle nicht denkt beziehungsweise denken will: Was wird, wenn man sich trennt? Wenn man sich weiterhin täglich sieht oder gar zusammenarbeitet, kann dies für das Ex-Paar zu einem unerträglichen Zustand werden. Es kommt zum Leistungsabfall und führt häufig so weit, dass einer der Betroffenen kündigt und die Firma verlässt. So wird aus der Liebesbeziehung nicht selten das Karriere-Aus für mindestens eine Hälfte des ehemaligen Paares. Auch darum sollte man sich genau überlegen, ob die gewünschte Beziehung Bestand haben wird – oder ob beide Partner dabei ein Eigentor schießen.

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