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Fischerstechen in Ulm Wenn der Ulmer Spatz in die Donau stürzt

Am 14. und 21. Juli stehen wieder zehntausende Zuschauer in Ulm und Neu-Ulm an den Ufern der Donau. Fischerstechen heißt das jahrhundertealte Turnier, das alle vier Jahre stattfindet. Bis auf den Sieger landen alle Teilnehmer im Wasser.

Wenn der Ulmer Spatz in die Donau stürzt
Beim Ulmer Fischerstechen treten Figuren der Stadtgeschichte gegen Ulmer Originale an. -

Die Tambours in ihren roten Röcken rühren die Trommeln. Von beiden Ufern der Donau stoßen die Boote ab. Kräftig tauchen die Paddel der Ruderer ins Wasser. Auf dem erhöhten Heck stehen die "Stecher" und heben langsam ihre 2,80 Meter langen Lanzen in die Höhe. Die Boote kommen sich näher und näher. Nur noch wenige Meter, bis der erste Stecher getroffen ist und ins Wasser fällt.

Ulmer Fischerstechen
© Ulm/Neu-Ulm Tourismus

Beim Fischerstechen treten auf der Donau 16 Paare gegeneinander an, die Figuren der Geschichte und Ulmer Originale darstellen. So kämpfen unter anderem der Ulmer Spatz, der Schneider von Ulm, Mephisto und Faust gegeneinander. Mit einem "Überraschungspaar" kommt die Gegenwart ins Spiel. Die Teilnehmer fahren vom gegenüberliegenden Ufer aufeinander zu. Zillen heißen die schmalen, bis zu zehn Meter langen Boote. Das Spektakel findet alle vier Jahre in Ulm und Neu-Ulm statt und begeistert zehntausende Zuschauer.

Schiffe anstatt Schlachtrösser

Der lokalen Sage nach haben im 16. Jahrhundert zwei Ulmer Fischer ein Ritterturnier beobachtet. Die beiden meinten, dass sie das auch könnten. Ihnen fehlten jedoch Schlachtrösser, Lanzen und Rüstungen. Und so fuhren sie auf der Donau mit Booten aufeinander los.

"Entscheidend ist die Standfestigkeit", erklärt Hermann Scheuffele auf das, worauf es ankommt. "Ein hohes Körpergewicht allein bedeutet noch keinen Vorteil", erklärt der zweite Vorsitzende des Ulmer Schiffervereins, der das Fischerstechen organisiert. Wenn es dumm läuft, sorgen die ruckartigen Bewegungen dafür, dass der Stecher bereits ins Wasser fällt, bevor er seinen Gegner auch nur anvisieren konnte.

Ulmer Fischerstechen
© Ulm/Neu-Ulm Tourismus

Nur der Gewinner bleibt trocken

Die Regeln sind seit Jahrhunderten unverändert. Wer ins Wasser fällt, hat verloren. Wer ins Boot tritt, gilt ebenfalls als "nass". Der Stecher, der stehen bleibt, ist "trocken" geblieben, hat gesiegt und kommt in die nächste Runde. Bleiben beide trocken, endet die Runde unentschieden. Dann wird so lange gestochen, bis einer gewonnen hat.

Und wer es nicht so mit dem Wasser hat? Der kann die farbenprächtigen Umzüge mit traditionellen Tänzen durch die Stadt genießen, die anlässlich des Fischerstechens stattfinden. Die rund 300 Teilnehmer sammeln sich zunächst auf dem Saumarkt im Fischerviertel und tanzen ein Menuett. Die Suche nach den Tänzern fällt nicht immer leicht. "Menuette sind ja doch nicht ganz so cool", schmunzelt Eckhardt, der Vorsitzender des Schiffervereins. Beim Umzug geht es allerdings ebenso wenig trocken zu wie nachmittags beim Stechen. Das steigert den Mut für das nachmittägliche Turnier und erwärmt das Blut für den Sturz in die auch im Sommer etwas kühle Donau. dhz

Informationen zum Ulmer Fischerstechen

Das Ulmer Fischerstehen findet am 14. und 21. Juli statt. Nummerierte Tribünenplätze kosten 12 Euro (zuzüglich Vorverkaufsgebühr), Stehplätze für Erwachsene fünf Euro und für Kinder zwei Euro. Alle Karten gibt es bei der Tourist-Information im Stadthaus. Stehplatzkarten können auch an der Tageskasse vor Ort erworben werden.

Sonntag, 14. Juli 2013
12 Uhr: Großer historischer Festumzug mit Zunfttänzen durch die Ulmer Altstadt (Saumarkt, Münsterplatz, Petrusplatz, Kornhausplatz, Marktplatz)
15 Uhr: Aufmarsch zum Fischerstechen
15:30 Uhr: Ulmer Fischerstechen auf der Donau

Sonntag, 21. Juli 2013
9:30 Uhr: Großer historischer Festumzug mit Zunfttänzen durch die Ulmer Altstadt (Saumarkt, Hirschstraße/Pfauengasse, Herrenkellergasse, Kornhausplatz, Judenhof, Haus der Begegnung)
14:45 Uhr: Tanz auf dem Marktplatz
15 Uhr: Aufmarsch zum Fischerstechen
15:30 Uhr: Ulmer Fischerstechen auf der Donau

Informationene erhalten Sie bei Ulm/Neu-Ulm Touristik GmbH, Telefon + 49 (0)731/1612830, E-Mail: info@tourismus.ulm.de, tourismus.ulm.de

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